Das Ziel lautet Arbeitsplätze sichern

Neu-Ulm.  Betriebsratschef zu sein ist kein Zuckerschlecken. Erwin Behringer musste sich bei Evobus mit vielen Sparprojekten von Daimler herumschlagen. Der Standort ist nun aber gefestigt, Behringer geht in den Ruhestand.

Erwin Behringer hat im Frühjahr 2005 kein leichtes Amt angetreten, als er den Vorsitz des Betriebsrats von Evobus am Standort Ulm/Neu-Ulm übernahm. Denn er wurde Nachfolger der "Lichtfigur" Kurt Lehmann, der den Produzenten von Setra-Omnibussen Mitte der neunziger Jahre durch die Kässbohrer-Krise hindurch in die rettenden Arme des Daimler-Konzerns geführt hatte (siehe Infokasten). Lehmann wiederum war 1984 Nachfolger von Berthold Huber, der heute als Vorsitzender die IG Metall führt.

"Kurt Lehmann hat einen großen Schatten geworfen", sagt Behringer, der unter seinem Vorgänger bereits ab 2002 stellvertretender Betriebsratsvorsitzender war. Nachdem Lehmann in den Ruhestand ging, habe es plötzlich auch länger gedauert, bis der 25-köpfige Standort-Betriebsrat von Evobus zu Entscheidungen gelangte, denn es wurde mehr diskutiert. Auf diese Diskussionskultur ist Behringer durchaus stolz: "Alle Entscheidungen wurden bei uns im Gremium getroffen."

Der Karosseriebaumeister aus Würzburg hatte 1974 bei Kässbohrer in der Arbeitsplanung begonnen, ging später in die Entwicklung und rückte auf dem Höhepunkt der Kässbohrer-Krise 1995 in den Betriebsrat nach. Gleich zu Anfang seiner Amtszeit als Betriebsratsvorsitzender wurde er mit Rationalisierungsprojekten des Managements konfrontiert. So wollte der damalige Vorsitzende der Geschäftsführung von Evobus, Wolfgang Diez, 2006 die Fertigung von Omnibusstühlen an einen Auftragsproduzenten auslagern. Der Betriebsrat konnte dies zwar verhindern und auf diese Weise 120 Arbeitsplätze erhalten. "Dafür mussten aber alle Beschäftigten mit spürbaren Lohnverlusten bezahlen", erinnert sich Behringer.

Die Arbeitnehmer konnten jedoch durchsetzen, dass das Montagewerk Neu-Ulm in einen Produktionsverbund mit dem Werk für Mercedes-Busse in Mannheim eingebunden wird. Seither laufen Stadtlinienbusse des Typs Citaro auch im Gewerbegebiet an der Otto-Hahn-Straße von den Bändern. Vergangenes Jahr waren mehr als ein Drittel der Produktion - es sind jährlich etwa 3000 Einheiten - keine Setra-Fahrzeuge. "Heute ist jeder froh über diese Vereinbarung", sagt Behringer: "Das sichert Arbeitsplätze."

2007 musste der Betriebsrat wegen der Unterauslastung des Werks in Neu-Ulm eine Reihe von Schließungstagen ohne Lohnausgleich hinnehmen. Im Gegenzug wurde die Fabrik auch für die Montage von Mercedes-Travego-Reisebussen ausgerüstet - falls das Werk in der Türkei, das den Travego sonst herstellt, je zu viele Aufträge hat. Diez musste schließlich wegen einer Vertriebsaffäre und Schmiergeldzahlungen gehen. Unter seinem Nachfolger Harald Landmann "platzte dann die Era-Bombe", berichtet Behringer: Die Angleichung der Tarifverträge für Angestellte und Arbeiter führte dazu, dass bei Evobus viele Facharbeiter schlechter eingestuft wurden und nur mit Hilfe so genannter tariflich individueller Bestandteile (Tib) wieder auf das Niveau ihrer Altlöhne gehievt werden konnten.

Behringer ist mit Landmann, der bei Daimler ein starker Vertreter des Standorts Ulm/Neu-Ulm war, ungeachtet sachlicher Differenzen und rhetorischer Duelle bei Betriebsversammlungen stets gut ausgekommen. Unter Landmann erlebte der Standort 2008 schließlich sein Rekordjahr. Im Jahr darauf kam Hartmut Schick ans Ruder und hat bei Evobus einen betont menschlichen Umgang durchgesetzt. Konfrontation ist passé, Probleme werden von Arbeitgeber und Arbeitnehmern gemeinsam am Tisch gelöst. Dies entspricht dem überlegten Naturell Behringers. "Ich komme super mit ihm aus", sagt er mit Blick auf Schick, der zuvor globaler Kommunikationsleiter bei Daimler war. Schick wird Behringer, der auch stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender ist, heute verabschieden.

Behringer feiert demnächst seinen 59. Geburtstag und geht in die passive Phase der Altersteilzeit. Vergangene Woche hat er noch seinen Nachfolger Friedrich Beck beim Standort-Betriebsrat des Partnerwerks in Mannheim eingeführt. Der Ausgleich zwischen beiden Werken war Behringer stets ein besonderes Anliegen. Mit Schick sei inzwischen die Vereinbarung getroffen worden, dass beide Busfabriken sich in gleichem Tempo weiterentwickeln, vor allem auch bei der Einstellung von Personal. Und: Falls es zu viele Setra-Bestellungen geben sollte, kann die Produktion nun erstmals auch in Mannheim erfolgen. Zudem werden Betriebsvereinbarungen künftig nur noch für beide Standorte getroffen, so dass man sie nicht mehr gegeneinander ausspielen kann.

Mit diesen Erfolgen vor Augen kann Behringer beruhigt in den Ruhestand gehen, wo er vor allem körperlich wieder fit werden und sich mehr um die Familie kümmern will.


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Autor: FRANK KÖNIG | 12.04.2010

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