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"Das Kaminkehren wird künftig teurer"

Bisher besuchte ein Schornsteinfeger automatisch die Häuser seines Bezirks. Seit 1. Januar gibt es kein Monopol mehr. Hausbesitzer können frei wählen, ob sie beim alten Kaminkehrer bleiben oder wechseln.

Autor: CAROLIN STÜWE |
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Mit dem neuen Bundes-Schornsteinfeger-Handwerksgesetz fiel zum 1. Januar das Monopol der Schornsteinfeger. Innerhalb eines Bezirks – in Ulm gibt es acht – war kein Wettbewerb erlaubt. Künftig gilt die „Dienstleistungsfreiheit“: Mit der Reinigung und Wartung der jeweiligen Feuerungsanlage können Hausbesitzer außer ihren Bezirksschornsteinfeger auch andere Anbieter beauftragen. Das Gesetz wurde geändert, um EU-konform zu werden. Entsprechend heißt der Landesinnungsmeister der Schornsteinfeger jetzt Präsident. Wir sprachen mit Präsident Franz Klumpp. Denn der Sitz des Baden-Württembergischen Landesinnungsverbandes mit 910 Bezirken – ist in Ulm.

Herr Klumpp, wie geht es Ihnen jetzt als Präsident?

KLUMPP: Gut. Aber das Geschäft ist dasselbe geblieben – und der Stress ist auch nicht anders.

Sie wohnen in Hohberg bei Offenburg. Wie oft halten Sie sich denn in Ulm auf?

KLUMPP: An drei Tagen in der Woche. Ich bin hier in der Geschäftsstelle am Kuhberg in der Königstraße 94 seit drei Jahren im Einsatz. Da ich aber hier auch an der Meisterschule für Schornsteinfeger unterrichte, komme ich bereits seit 1989 regelmäßig nach Ulm.

Sie sind daheim selbst bevollmächtigter Bezirksschornsteinfeger, wie es jetzt korrekt heißt. Was sagen Ihre Kunden zu der neuen Regelung?

KLUMPP: Das Telefon steht nicht mehr still, die Verwirrung ist immer noch groß. Wenn ich in Ulm bin, schreibt meine Frau die vielen Anfragen und Termine für mich auf.

Was wird sich ändern, wenn Sie demnächst wieder in der schwarzen Uniform losziehen?

KLUMPP: So wie es sich derzeit abzeichnet, werden wohl 90 Prozent der Hausbesitzer bei ihrem vertrauten Schornsteinfeger bleiben. Wer mich nicht mehr will, kann sich ja einen neuen suchen. Ich habe übrigens von mir aus schon ein paar wenigen Kunden die Geschäftsbeziehung gekündigt. Einer hat mich 28 Jahre lang genervt.

Was muss ein Hausbesitzer denn jetzt tun, wenn er bei seinem bisherigen Bezirksschornsteinfeger bleiben will?

KLUMPP: Er muss sich um einen Termin kümmern, ihn beauftragen, damit er den Schornstein reinigt, die sicherheitstechnische Überprüfung vornimmt und die Emissionswerte misst.

Das kann jetzt aber auch ein Wettbewerber übernehmen . . .

KLUMPP: . . . aber nur ein qualifiziertes Unternehmen. Danach jedoch muss sich der Hausbesitzer von diesem ein Formblatt unterschreiben lassen, dass die vorgeschriebenen Tätigkeiten Kehren, Überprüfen, Messen alle fristgerecht erledigt wurden. Der Vollzug wird sozusagen überwacht.

Was passiert, wenn sich ein Hausbesitzer künftig den Schornsteinfegerbesuch sparen will und gar niemanden beauftragt?

KLUMPP: Das wird teuer, denn dann ordnet das zuständige Landratsamt die notwendigen Arbeiten an. Hinzu kommt: Im Schadensfall muss der Hausbesitzer ran.

Wer übernimmt mit der neuen Regelung die Feuerstättenschau?

KLUMPP: Das ist eine hoheitliche Aufgabe, die nur der bevollmächtigte Bezirksschornsteinfeger ausführen darf. Dazu kommt er alle dreieinhalb Jahre ins Haus, und da denkt er auch selbst dran und meldet sich rechtzeitig an. Dann wird die Feuerstätte auf Betriebs- und Brandsicherheit geprüft.

Welche Vorteile hat das neue Gesetz für die Schornsteinfeger?

KLUMPP: Das Nebenerwerbsverbot wurde gestrichen: Sie können jetzt beispielsweise noch Kaminöfen verkaufen oder beim Kunden im Haus eine energetische Analyse vornehmen, wenn eine Sanierung ansteht.

. . . und welche Nachteile, mehr Konkurrenz?

KLUMPP: Das glaube ich weniger. Aber der Einzelne kann jetzt nicht mehr in einer Straße an einem Tag hintereinander 15 Kamine kehren, sondern fährt unter Umständen mehrmals in die eine Straße wegen der neuen individuellen Termine. Das wird alles berechnet bei den hohen Spritpreisen, und die Kraftfahrzeugversicherung wird auch nicht billiger. Deshalb wird der Schornsteinfeger künftig teurer werden, wenn er viel unterwegs ist.

Hat er dann überhaupt noch Zeit, Glück zu bringen?

KLUMPP: So viel Zeit muss sein. Schließlich ist der Schornsteinfeger seit jeher ein Glücksbringer: Die ersten Bezirke etwa in Stuttgart gab es bereits um 1600, als in den Städten die Häuser und selbst die Kamine noch aus Holz waren. Bei den offenen Feuerstellen gab es rasch Funkenflug. Deshalb bedeutete es Glück für die ganze Stadt, wenn der Schornsteinfeger dafür sorgte, dass keine Brände entstanden.

1 Kommentar

26.01.2013 10:11 Uhr

Nützt in Wahrheit gar nix, weil man ihn nicht wirklich los ist.

Den Kaminfeger ist man nur bei den Reinigungs-/Wartungsarbeitenarbeiten los. Die Genehmigungen und Abnahmen bleiben immer noch beim Bezirksschornsteinfeger. Vorher hat er bei kleineren Mängeln oder Terminüberschreitungen noch ein Auge zugedrückt. Jetzt schaut er mit Sicherheit zuerst ob man weiterhin (Stamm-)Kunde bei ihm ist und fällt dann seine Entscheidung die kulant sein kann (Stammkunde), oder streng nach Vorschrift ohne die allergeringste Abweichung (=teuer=das verlorene Geld z.T. wieder reinhohlen) zwinkern

Monopole und Oligopole werden nicht einfach so abgeschafft. Nicht in Nigeria oder Honduras und auch nicht Deutschland. Dafür werden CDU FDP SPD und Grüne schon sorgen.

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