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DB weiß nichts von S-Bahn für die Region

Die Deutschen Bahn kennt das S-Bahn-Konzept für die Region Donau-Iller nicht. Das geht hervor aus einem Schriftverkehr zwischen der DB und der Spitze der SPD-Landtagsfraktion, der Martin Rivoir angehört.

HANS-ULI THIERER | 4 Meinungen

"Sollte das regionale S-Bahnsystem, dessen Konzept uns im Einzelnen nicht bekannt ist, zu einem deutlichen Anstieg der Verkehrszahlen im Ulmer Hauptbahnhof führen, wäre zu untersuchen, welche eventuell erforderliche Infrastrukturanpassungen dadurch verursacht werden. Derzeit kann ich nicht beantworten, ob dazu ein weiterer Bahnsteig im Ulmer Hauptbahnhof erforderlich ist oder gegebenenfalls andere Maßnahmen wie Signalanpassungen."

Zwar im gespreizten Duktus des Ingenieurs, aber doch frank und frei bekennt Bahnsprecher Eckart Fricke, dass er und die Deutsche Bahn keine Ahnung vom S-Bahn-Konzept haben, das die Region seit Monaten wälzt. Diese Pläne haben im Planfeststellungsverfahren, das im Zuge des Projekts Neubaustrecke Wendlingen-Ulm für den Ulmer Hauptbahnhof derzeit läuft, zu politischen Auseinandersetzungen zwischen der Deutschen Bahn und den regionalen Verkehrsplanern und -politikern geführt. Dabei geht es um die Frage, ob im Hauptbahnhof ein fünfter Bahnsteig von vornherein zwingend einzuplanen ist oder nicht.

Nun ist Fricke kein Geringerer als der Konzernbevollmächtigte der Bahn für Baden-Württemberg. "Ich will es gar nicht glauben, dass ihm die Pläne eines S-Bahn-Konzepts für die Region Donau-Iller nicht bekannt sind", kommentiert der Ulmer SPD-Landtagsabgeordnete Martin Rivoir die Aussagen. Sie gehen aus einem Brief hervor, den Fricke an Rivoir als Vize der SPD-Landtagsfraktion und dessen Fraktionschef Claus Schmiedel geschrieben hat. Die beiden hatten sich wegen der Planfeststellung und des umstrittenen Ulmer Bahnsteigs 5 an Bahnchef Rüdiger Grube gewandt, der die Antwort nun an seinen Bevollmächtigten in Baden-Württemberg delegiert hat.

Immerhin: Fricke kann verstehen, dass der Wegfall eines geplanten Bahnsteigs "zunächst als Einschränkung gesehen wird". Jedoch gelte es, "mehr zu betrachten als lediglich die Anzahl der Bahnsteigkanten". Die Etablierung eines regionalen S-Bahn-Netzes sei nicht nur planerisch ein separates Projekt, sondern auch in Bezug auf die Finanzierung von Zusatzleistungen in der Infrastruktur. Sollte am Ende tatsächlich ein fünfter Bahnsteig notwendig werden, "wäre dessen Finanzierung zu klären". Freilich: "Derzeit liegt uns weder eine konkrete Bestellung für die S-Bahn vor, noch kennen wir Finanzierungsvorschläge."

Für die Bahn und ihre Fahrleistungen sei ein fünfter Bahnsteig in Ulm nicht notwendig, teilt Fricke weiter mit. Denn so genannte Fahrbarkeitsprüfungen hätten ergeben, dass durch Optimierungen der Spurpläne, Parallel-Fahrmöglichkeiten auf den Bahnstrecken von und zu den Bahnsteigen sowie leistungsfähigere Signalisierungen die Bahnsteig-Kapazitäten erhöht werden könnten.

4 Kommentare

13.08.2012 19:14 Uhr

Er will es nicht glauben - aber er muss es wohl

So manchem S21-Jubler wie z.B. Martin Rivoir (SPD, MDL), wird langsam klar, dass das Bahnprojekt Stuttgart-Ulm nur einen Status Quo bzw. wie im Falle von S21, einen Rückbau bestehender Bahnkapazitäten bedeutet.

Die Bahn AG versucht hier eindeutig zu Lasten des Regionalverkehrs ihr Schienennetz zu verschlanken, aus frei werdenden Flächen Immobiliengewinne zu erzielen und die Kosten für Sonderwünsche im Nahverkehr auf die entsprechenden Hoheitsträger im ÖPNV, sprich die öffentliche Hand abzuwälzen.

Nun rächt sich das blinde Vertrauen in die Bahn-Oberen, die knallhart und kostensparend zur Sache gehen und denen genau solche blauäugigen Typen wie Rivoir bzw. das ganze S21-G'schmoiß auf den Leim gegangen sind und noch immer gehen.

Im Übrigen liebe SWP-Redaktion, als Folge Ihres Online-Relaunch sind wohl bestimmte Themenseiten wie Stuttgart 21 auf der Strecke geblieben. Es wäre schade, wenn diese Tradition aufgegeben würde, denn gerade dieser Block sorgt doch für reichlich Zuspruch.

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13.08.2012 20:51 Uhr

Rivoir dümpelt allein gelassen auf seiner Ulmer Schachtel Richtung Bratislava ...

Au Rivoir Ulm! Bei der Volksabstimmung 2011 stimmten mehr als zwei Drittel in der Donaustadt mit Nein - die Bahn dankt es ihnen nicht, sondern streicht die Mittel für Lärmschutz, den Ausbau des Nahverkehrs und den Umbau des Bahnhofs zusammen.

Auf den jahrelang als unverzichtbar geltenden Bau eines fünften Bahnsteigs soll verzichtet werden. Noch Ende 2011 hatte die Schweizer Bahnverkehrsexperten der Firma SMA festgestellt, dass das für 2020 geplante Zugangebot im Regionalverkehr ohne einen fünften Bahnsteig nicht fahrbar sei.

Doch anstelle der schon beschlossenen Ausweitung des regionalen Nahverkehrs wird dieser nun ausgedünnt. Auch die vom Regionalverband seit Jahren angestrebte Einrichtung eines regionalen S-Bahn-Systems dürfte mit den neuen Plänen der Bahn gestorben sein.

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15.08.2012 16:03 Uhr

so zuverlässig ist die Bahn ...

"(...) Das Eisenbahn-Bundesamt hat den Bahnbetrieb "bis auf weiteres untersagt", hieß es am Dienstag. Als Grund wurden sicherheitsrelevante Schäden am Unterbau genannt - die rund 15 Kilometer lange Strecke ist völlig durchrostet.

Der Gleisabschnitt bereitet seit Jahren Ärger: 1991 erbaut, wurden die ersten schweren Rostmängel schon 2004 festgestellt. Die Deutsche Bahn reagierte mit einer Reduzierung der Geschwindigkeit von anfangs 160 auf 50 km/h.

Als das Unternehmen die Züge mit 30 km/h über die Schienen fahren lassen wollte, schickte die Bonner Aufsichtsbehörde Ermittler. Ihnen eröffnete sich ein gruseliges Bild: Die Schienen hingen an einigen Stellen bereits frei in der Luft - der Unterbau war völlig weggerostet. Im schlimmsten Fall hätte es zu einem Gleisbruch kommen können...

Wann die Sanierung der Strecke erfolgt und wie viel sie kostet, ist ungewiss.(...)"

http://www.spiegel.de/reise/aktuell/schwere-rostschaeden-bahnstrecke-berlin-halle-bei-bitterfeld-gesperrt-a-850056.html

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28.08.2012 23:25 Uhr

Bahnhöfe verkommen auf dem Abstellgleis

Verscherbelt, vergammelt, vergessen: SPD moniert schlechten Zustand vieler einst stattlicher Gebäude - 17.08.12

NÜRNBERG - Verscherbelt, vergammelt, vergessen: mit harten Worten beklagt die Landtags-SPD das Schicksal vieler Bahnhofsgebäude im Freistaat. Die Sozialdemokraten sehen die Staatsregierung in der Pflicht.

http://spd-mehr-demokratie-wagen.de/?p=1569
(das wär auch ne äußerst informative Seite für den Martin)

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