Die Coverband Helter Skelter rockt im Roxy
Ulm. Fast wie früher: Helter Skelter ließ beim Konzert im Roxy zugunsten von Aktion 100.000 und Ulmer helft die Gitarren röhren wie einst Deep Purple & Co. Auch wenn sich die Illusion nicht immer einstellen wollte.
Cover-Rock zieht, jedenfalls bei einer Band wie Helter Skelter: Die oberschwäbischen Feierabend-Rocker haben einen soliden Namen in der Szene und füllte daher am Samstagabend auch das Roxy zu gut zwei Dritteln.
Dabei hat der Wohlfühl-Rock der Coverband mit jenem schrillen Song der Beatles, nach dem sie sich benannt haben, so wenig zu tun wie ein Heißluftballon mit einem Düsenjäger. Das gilt auch, wenn als Höhepunkt der Wildheit der 68er-Doors-Titel "Break on through" angestimmt wird: Was einst psychedelisch und/oder aufsässig war, ist heute sorgsam gehegte und gestreichelte Popkultur - und das ist auch Helter Skelters Anspruch. Die Band spielt alles, was sich qualitätsbewusste Rock-Fans in den 60ern und 70ern in den Plattenschrank gestellt haben und bis heute dort hüten. Und sie schreckt auch vor Herausforderungen wie dem viertelstündigen Deep-Purple-Heuler "Child in Time" und diversen Pink-Floyd-Nummern nicht zurück.
Dabei ist es bei den Cover-Rockern so ein bisschen wie mit der Peking-Oper: Je näher man dem Ideal kommt, desto besser. Der Deckungsgrad zum Original ist bei Helter Skelter hoch - es wird aber auch zum Bügeleisen gegriffen. Die Songs sind insoweit geglättet, als dass permanent satter Groove die Partystimmung kräftig anschiebt: solides Musikerhandwerk, inbegriffen die ausladenden Gitarrenparts, die zur Wesensart von Klassikern wie "Highway Star" oder "Black Night" gehören und das authentische Seventies-Feeling ausmachen.
Dabei darf man sich natürlich fragen, ob es Sinn macht, Janis Joplins Stimme imitieren zu wollen, wo jeder das Original im Ohr hat und sich die Illusion nicht so recht einstellen will. Oder ob sich eine Coverband nicht auch das Recht nehmen sollte, an ein paar Schrauben zu drehen und Tempo, Instrumentierung, Rhythmus oder Stimme zu variieren. Denn immer dann, wenn Helter Skelter so etwas wagte, wurde es auch für kritische Ohren interessant, die nicht nur auf Retro-Party geschaltet waren. Das hörenswerte "Baker Street" etwa bekam so trotz hohem Wiedererkennungsfaktor einen gewissen eigenständigen, natürlich rockigen Dreh mit einem eindrucksvollen Saxophon. An anderen Schwergewichten verhob man sich etwas, weil man arg am Original klebte und ein Oberschwabe halt kein Mick Jagger ist.
Trotzdem gut, wenn die Leute für ihre Musikparty handgemachte Klänge wollen und nicht bloß den DJ. Der kam in Gestalt von Walter Notz zwar auch zum Einsatz, stellte sich aber respektvoll hinten an: Nach drei Stunden Live-Rock für den guten Zweck drehte sich im Roxy dann noch der Plattenteller.
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Autor: ULI LANDTHALER | 23.01.2012
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Kommentare (11)
Wieder mal den falschen Schreiberling losgeschickt...
Ich war in Ulm nicht vor Ort, hatte aber das Vergnügen Helter Skelter in Ravensburg im Konzerthaus zu erleben. Ich glaube kaum, daß es in BW eine bessere Cover-Rock Band gibt als Helter Skelter, die es verstehen das Publikum mit ihren Songs zu begeistern. Und was die Band ausmacht, ist ja wohl, daß sie verdammt an das Original rankommen. Tja da wurde von der Zeitung wirklich wieder einer losgeschickt, der vielleicht besser einen Bericht über alles andere hätte schreiben können, als über ein Rockkonzert. In meinen Augen hat der Schreiberling in Sachen Cover-Rock-Band KEINE AHNUNG!!!Nota bene 3
Nichtsdestotrotz sollte mein Kommentar nicht darauf abzielen, dass Kritik in einem Bericht fehl am Platz ist, nein, Kritik ist sogar fördernd, wenn sie konstruktiv ist. Hier wird lediglich eine Meinung /Ansicht eines einzelnen wiedergespiegelt. Das sollte und darf in einer Zeitung nicht geschehen, außer es steht „Kommentar“ davor.Nota bene
Geehrter Herr Landthaler, liebe SWP,es ist nun ein Jahr vergangen seit dem letzten „sachlichen“ Bericht, den die SWP über Helter Skelter im Roxy lancierte. Als ich heute auf diesen Artikel aufmerksam geworden bin, war ich sprachlos… Haben die SWP und Sie – Herr Landthaler – Nichts dazu gelernt…?
Das Konzert war mit ca. 1000 verkauften Tickets restlos ausverkauft und nicht nur, wie Sie es nennen, zu „zwei Dritteln“ gefüllt. Es gibt sehr viele positive Aussagen der anwesenden Fans, die in keinerlei Hinsicht mit der Ihrigen konform gehen. Mir stellt sich hierbei einmal mehr die Frage, ob der Journalist am besagten Konzert überhaupt anwesend war, oder ob hier nur wieder ein Bericht verfasst werden sollte, der Helter Skelter in ein „falsches“ Licht zu rücken versucht – oder sollte gar die Aktion „100.000 und Ulmer helft“ ins Negative gezogen werden?