Claudia Roth zu Gast im Haus der Begegnung

Eigentlich sei sie ein fröhlicher Mensch, aber mittlerweile mache sie sich richtig Sorgen: Im Haus der Begegnung sprach Grünen-Politikerin Claudia Roth über Solidarität, Rechtsstaatlichkeit und Anfeindungen.

LISA-MARIA SPORRER | 1 Meinung

Krieg, Flüchtlinge, Asylpolitik – was liegt näher, als einen Monat vor der Landtagswahl über weltpolitische Themen zu sprechen. Dabei sollte der Besuch von Claudia Roth ausdrücklich keine Wahlkampfveranstaltung werden. „Natürlich wird bald gewählt und sowohl Filius als auch Roth sind bei den Grünen, da passte es halt einfach rein“, sagte Susanne Wucher, Ersatz-Landtagskandidatin im Wahlkreis Ulm nach dem Ulmer Abgeordneten Jürgen Filius, der die Vizepräsidentin des Bundestags eingeladen hatte.

„Wir sind eng miteinander verbunden seit sie 2002 die Schirmherrschaft Tagesstätte FortSchritt übernommen hat“, sagt Filius, der selber Vorsitzender des Vereins der Behinderteneinrichtung in der Friedrichsau ist. Im überfüllten Chorsaal im Haus der Begegnung sprach die geborene Ulmerin über ein starkes Bürgertum, das es brauche, um für ein „Friedenskonzept Europa“ einzutreten. „Wir sind in einer Zeit voller Hass und Hysterie“, sagte sie. Umso wichtiger sei es, sich den Werten wie Solidarität und Nächstenliebe wieder bewusst zu werden. Als sie Kind gewesen sei habe ihre Oma vom Kuhberg erklärt, was Nächstenliebe bedeute: Nämlich, dass es einem nur gut gehe, wenn es den Nachbarn nicht schlecht geht.

Roth kritisierte die Beteiligung Deutschlands am Syrien-Krieg sowie die Diskussion über sichere Herkunftsstaaten. „Ein Europa der Mauern, der Zäune, des UNO-Stacheldrahts – das wollen wir nicht. Das muss unser Kernthema sein in diesem Jahr, das wir zum Jahr der Heimat machen sollten“, sagte sie. Niemand dürfe in diesem Land angegriffen werden und niemand dürfe Angst haben, meinte die Politikerin in Bezug auf Drohungen via sozialer Netzwerke – auch gegen ihre eigene Person.

So hätte etwa der baden-württembergische Vorsitzende der Jungen Alternative, der AfD-Jugendorganisation, öffentlich verkündigt, Roth hätte in Köln „mitvergewaltigt“. Eine Aussage, die ihr eine Menge „irrationale Wut“ von Außen beschert habe. Aber: „Ich schenke euch nicht meine Angst“, sagte Roth in Richtung AfD und ihrer Anhänger. „Wir sind stolz, dass wir in einem demokratischen Staat leben; und wir sind stolz darauf, dass wir rechtsstaatliche Strukturen besitzen.“ Eine Diskussion über Letztere zu führen, sei sie bereit, antwortete Roth auf Kritiker im Saal.

„Wir wollen im Land Signale setzen“, unterstrich Filius, nachdem Ende von Roths Rede. Als Dank überreichte er ihr einen Ulm-Flyer überreichte, in dem sie als gebürtige Ulmerin neben Größen wie Albert Einstein abgebildet ist; und zusätzlich als Geschenk bekam die Politikerin, ganz lokalpatriotisch, eine Miniaturanfertigung einer Ulmer Schachtel: „Sie ist Symbol für die Entschlossenheit und die Unnachgiebigkeit, auch in schlechten Zeiten aus eigener Kraft Stärke zu zeigen“, sagte Filius.

Info Der nächste Grünen-Politiker hat sich schon angekündigt: Ministerpräsident Winfried Kretschmann kommt ebenfalls nach Ulm. Er wird am Samstag, 27. Februar, ab 16 Uhr im Stadthaus sein.

1 Kommentar

15.02.2016 09:22 Uhr

Danke für die Werbung !

"... Der nächste Grünen-Politiker hat sich schon angekündigt ..."

Und auch dann wird die SWP selbstverständlich detailliert darüber berichten, auch wenn nichts bekannt wurde, das neue Erkenntnisse zulässt. Na wenigstens ist die SWP ein zuverlässiger (Werbe-)Partner für Grüne und SPD. zwinkern

Macht Frau Roth eigentlich noch ernstzunehmende Politik, oder findet man die nur noch auf roten Teppichen und Talkshows? zwinkern

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