Car2go zieht sich aus Ulm zurück

Ulm war 2009 die Pilotstadt für Car2go. Die Zahl der Nutzer wuchs anfangs rapide. Nun stellt Daimler wegen zu wenig Einnahmen das System zum Jahresende ein.

FRANK KÖNIG | 9 Meinungen
Daimler verabschiedet sich mit dem Automietsystem Car2go vom Gründungsstandort Ulm. Sprecher Andreas Leo sagte, der Standort werde zum 31. Dezember 2014 geschlossen. Car2go stelle die Aktivitäten „schweren Herzens“ in Ulm ein. Es gebe jedoch aus heutiger Sicht keine Perspektive, das System in Ulm „nachhaltig wirtschaftlich erfolgreich“ zu machen.

Es gibt zwar seit der Markteinführung im März 2009  rund 20.000 registrierte Nutzer, die jedoch vielfach in der Anfangsphase zum Nulltarif eingestiegen sind. Der Anteil derjenigen, die tatsächlich mit den zuletzt noch 200 Smartfahrzeugen zum schon erhöhten Minutenpreis von 31 Cent fahren, sei allerdings weit unterdurchschnittlich im Vergleich zu anderen Städten.

Car2go ist zwischenzeitlich an 29 Standorten in Europa und Nordamerika vertreten, erst am Wochenende wurde Brooklyn in New York eröffnet. Es gibt fast 900.000 Nutzer. Car2go-Kunden in Ulm/Neu-Ulm, die sich erst kürzlich für 19 Euro haben registrieren lassen, erhalten die Registrierungsgebühr zurück. Dabei ist nach Leos Worten noch unklar, wie weit Car2go mit dem Zeitpunkt der Registrierung zurückgeht.
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9 Kommentare

29.10.2014 21:28 Uhr

Ende absehbar

Ich bin in den vergangenen Jahren gerne mit den Car2Gos gefahren. Wenn das Familienauto mal in der Werkstatt war, stand ein weiß-blaues Flitzerchen schon vor dem Werkstattgelände. Praktisch.
Dennoch war in meinen Augen absehbar, dass die Preispolitik der letzten Monate dem Car2Go-Konzept in Ulm den Garaus bereiten würde. Vor ein paar Wochen wunderte ich mich über 1,90 Euro Extragebühr. Die kamen zustande, weil Böfingen gewissermaßen zum abgelegenen Randgebiet erklärt wurde. Sorry, Daimler, eine gewisse Reichweite habe ich schon erwartet. Und bis einschließlich Böfingen reicht die schon.

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30.10.2014 01:45 Uhr

Extragebühr und Flottenreduzierung

Schade! Ich war gern Car2go-Nutzer - hab meinen Wagen verkauft und das System gern genutzt.

Das Ende wollte ich noch nicht sehen, aber tatsächlich fand man nach Einführung der Extragebühr für Außenbereiche und der massiven Reduzierung der Flotte um 100 Wagen in diesen Stadtteilen schlichtweg nur noch einzelne Car2go.

Muß ich zum verfügbaren Car2go ca. 20 Min gehen oder womöglich sogar mit dem Bus hinfahren, dann kann ich auch gleich den ÖPNV nutzen. Ist eh billiger und dazu noch umweltfreundlicher! Back to the roots!

Bleibt die Hoffnung, daß Confishare seine Flotte vergrößert und künftig nicht mehr so stiefmütterlich wie bisher von der Stadt Ulm behandelt wird. Viel Glück Confishare!

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29.10.2014 15:02 Uhr

Mit großen Schritten Richtung Provinz

Keine Festivals mehr in der Au...äääh sorrry, eins noch, aber nicht nach 22 Uhr, die spektakuläre Schaufenster-Kerzen-Illumination beim langen Einkaufsabend ...da ist es doch nur konsequent, wenn sich jetzt auch d a s europäische Leuchtturmprojekt in Sachen Mobilität aus der Stadt verabschiedet. Ja, mir ist klar: das ist eine privatwirtschaftliche Entscheidung. Aber irgendwie passt das für mich gut zusammen: mit großem Brimborium, markigen Sprüchen und immer einem Quäntchen zuviel dicker Hose starten, um dann am Ende mit leeren Händen dazustehen.

Ich bin sehr gespannt darauf, welche Alternativen Stadt, Politik und SWU für uns entwickeln, um die Lücke im ÖPNV-Konzept zu schließen, so dass sich nicht wieder alle 20.000 Nutzer ins anachronistische Individual-Blechle hocken.

Aber vermutlich ist das ja alles nicht so schlimm, früher gings ja auch ohne und überhaupt - Hauptsache es macht keinen Krach

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29.10.2014 18:25 Uhr

Das war vorherzusehen

Schuld sind aber m.E. nicht die Ulmer, die nicht genug fahren, sondern das im Laufe der Zeit immer unattraktiver gemachte Angebot. Da wurde das Geschäftsgebiet unnötig ausgeweitet, was zu einer wesentlich geringeren Verfügbarkeit führte. Dann wurde mit der Begründung der geringen Auslastung die Zahl der Fahrzeuge halbiert. Und damit die ja keiner mietet, wurde der Preis weit über das Niveau anderer Standorte angehoben. Damit Car2Go mindestens finanziell keine Alternative für ein wenig genutztes Zweitfahrzeug wird. Da sind versteckte Preiserhöhungen wie nur noch 10 Freiminuten fürs Tanken (die Zeit braucht allein ein Tankvorgang, dafür zahlt man auch noch Miete) nur das Sahnehäuchen auf die nicht vorhandene Kundenorientierung.

Also nicht die Ulmer sind schuld, sondern das Fehlen von Kundenorientierung. So mein Eindruck.

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29.10.2014 16:31 Uhr

Von langer Hand vorbereitet

Wer, wie ich, regelmäßig Car2go nutzt, dem schwante so etwas sochon seit längerem. Zuerst das Geschäftsgebiet völlig unnötig ausdehnen, dann die Anzahl der Fahrzeuge auf unter 150 absenken, so dass man speziell im Innenstadtbereich selten ein Fahrzeug in fußläufiger Nähe findet. Den Minutenpreis hochschrauben, höher als in Großstädten, den Minutenpreis parken gleich hoch wie Fahren (in allen anderen Standorten niedriger). Und dann noch fürs Tanken nur noch 10 Freiminuten. Dabei dauert das Tanken allein schon länger und man zahlt Miete dafür.

Alles in allem wurde das System unattraktiv und teuer gemacht. Und dann hat man das Argument, warum man den Standort zumachen "muss". Klar, ein Unternehmen muss Geld verdienen. Aber dazu muss man auch den Kopf einschalten und die Controller-Scheuklapppen abnehmen.

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29.10.2014 19:50 Uhr

Experimentierfeld

Man sollte sich nichts vormachen: Ulm war nur das kleine Experimentierfeld. Hier wollte man in bescheidenem Umfeld schauen wie das System (verleihen, vermitteln, wiederfinden …) funktioniert. Deshalb auch die günstigen Tarife. Anderweitig muss man für Versuchspersonen bezahlen, hier wurden die Unkosten für die Testphase wahrscheinlich wieder hereingeholt. Mit dem erworbenen Wissen konnte das Konzept dann in Großstädten ausgerollt werden. Da gehört es auch hin. In Ulm wollte man alles haben: Individualverkehr bis in die Hirschstraße, ÖPNV und Car2Go, da fehlte ein gemeinsames Konzept, welches von der Stadt und dem Betreiber gemeinsam getragen wird. Leute die Ulm für den Nabel der Welt halten müssen eben anerkennen, dass Ulm keine Großstadt ist.

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29.10.2014 16:49 Uhr

" weit unterdurchschnittlich im Vergleich zu anderen Städten "

Das ist doch echt traurig ! Woanders scheints ja zu klappen mit dem Car2go. Aber nicht mit uns!

Da wird vollmundig ein neues Konzept vorgestellt, Ulm als Vorreiter für die automobile Zukunft dargestellt und dann fahren wir Ulmer Deppen doch lieber mit unserem eigenen Wagen in den nächsten Stau auf der Frauenstrasse !

Das ist nicht nur traurig, das ist eigentlich eine Schande .

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29.10.2014 18:53 Uhr

Außer Spesen nichts gewesen

Wie, von mir schon zu Beginn von Car2go in Ulm hier geschrieben wurde, ist Car2go kein gemeinnütziger Verein, der Ulm ein neues Verkehrssystem schenken wollte. Mancher Politiker und auch die SWP glaubten daran. Es ging schlicht um Profit und der ist in Ulm mit solch einem System nicht zu erzielen. Mag sein, dass es in Metropolen, wo der Parkraum knapp und teuer ist, funktioniert. Hier ist der eigene Kleinwagen, bei regelmäßiger Nutzung, wesentlich preisgünstiger und komfortabler als Car2go zu den aktuellen Tarifen. Wer ernsthaft glaubte, die anfangs geforderten Car2go Tarife würden auf Dauer bestand haben, hat von Wirtschaft keine Ahnung. Saftige Preiserhöhungen und Änderungen der Geschäftsbedingungen verdarben den sparsamen Schwaben die Lust auf Car2go. Eine Farce war es, das Anfangsalter des Fahrers von 18 auf 19 Jahre anzuheben. Damit wurde das Werbeversprechen, junge Fahranfänger bräuchten sich kein eigenes Auto anzuschaffen, ad Absurdum geführt. Es wurde auch in keiner einzigen Studie belegt, dass der Individualverkehr in Ulm abgenommen hat. Schlicht, weil es nicht so war, sondern durch Car2go sogar zusätzlicher Verkehr generiert wurde. Peinlich, wie die Ulmer Provinzpolitiker und die SWP, auf die Werbeversprechen von Daimler hereingefallen sind.

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29.10.2014 16:29 Uhr

Von langer Hand vorbereitet

Wer wie ich regelmäßig Car2go nutzt, dem schwante so etwas sochon seit längerem. Zuerst das Geschäftsgebiet völlig unnötig ausdehnen, dann die Anzahl der Fahrzeuge auf unter 150 absenken, so dass man speziell im Innenstadtbereich selten ein Fahrzeug in fußläufiger Nähe findet. Den Minutenpreis hochschrauben, höher als in Großstädten, den Minutenpreis parken gleich hoch wie Fahren (in allen anderen Standorten niedriger). Und dann noch fürs Tanken nur noch 10 Freiminuten. Dabei dauert das Tanken allein schon länger und man zahlt Miete dafür.

Alles in allem wurde das System unattraktiv und teuer gemacht. Und dann hat man das Argument, warum man den Standort zumachen "muss". Klar, ein Unternehmen muss Geld verdienen. Aber dazu muss man auch den Kopf einschalten und die Controller-Scheuklapppen abnehmen.

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