Bundeskanzlerin Merkel vor etwa 4000 Besuchern auf dem Münsterplatz

"Simply the best"? Zumindest für die mehreren tausend Besucher ihres Auftritts am Mittwoch auf dem Münsterplatz ist gar keine Frage, dass Angela Merkel die Beste ist. Die Kanzlerin wahlkämpfend in Ulm.

HANS-ULI THIERER |

Elén ist 14, sieht aus wie 16, redet wie 18. Auf den Münsterplatz sei sie gekommen, "weil ich die Arbeit von ihr schätze - und sie mal sehen will". Zwei Stunden später, nach dem von der regionalen CDU-Familie angestimmten Deutschland-Lied, das bei Unionsveranstaltungen obligatorisch das Amen bildet, kommt die junge Ulmerin vom Kuhberg ganz cool zum Urteil: "Ich fand interessant, was Frau Merkel so alles verspricht. Irgendwie wars gut."

Die Bundeskanzlerin in Ulm: Das bedeutet zunächst eine Stunde warten für diejenigen, die schon mittags um vier gekommen sind. Bis zum Eintreffen Angela Merkels, da die Menschenmenge auf (geschätzte) 4000 anwachsen wird, haben ein Moderator und die Coverband "Nobel Composition" die heikle Aufgabe, für Kurzweil zu sorgen. Diffizil deshalb, weil eben doch alles auf Merkel wartet.

 

 


Der Sprecher vermeidet langatmige Interviews, so dass die Unions-Bundespolitiker aus der Region Georg Nüßlein (Neu-Ulm), Josef Rief (Biberach) und Heinz Wiese (Ehingen) sich mit Smalltalk begnügen müssen. Was ist so schön am Landkreis Biberach? "Dass es dort die meisten Musikkapellen in Deutschland gibt", sagt Rief unter launigem Geraune. Den "weiß-blauen Himmel" rühmt derweilen der Bayer Nüßlein, unter Hinweis auf die grauen Wolken am Ulmer Himmel, die er bis zur nächsten Landtagswahl im grün-rot regierten Baden-Württemberg vertrieben sehen möchte. Die Band? Reist auf der Wahlkampftour mit, doch reißt sie auch mit? Immerhin: Unter "Simply the best" tut es die CDU nicht.

Der Hubschrauber, in dem die Kanzlerin aus Friedrichshafen einschwebt, fliegt um halb fünf übern Münsterplatz. "Da ist sie", ist von mehreren der 700 bestuhlten und komplett belegten Plätze vor den Bühnen zu vernehmen. Nach der Landung in der Wilhelmsburg, von wo aus Angela Merkel schon um halb sieben weiter fliegen wird nach Calw, Fahrt ins Polizeihauptquartier im Neuen Bau. Ab dort zu Fuß übern Platz und - Horror für alle Personenschützer - mitten durch die Menschen, begleitet von CDU-Landesvorsitzendem Thomas Strobl, Bezirkschef Thomas Bareiß und der örtlichen Abgeordneten und Erneut-Kandidatin Annette Schavan. Empfangen - wie später auch verabschiedet - mit stehendem Beifall und massenhaft über Köpfen geschwenkten "Angie"-Plakaten. Auch Elén ist durch den CDU-Wahlkampftross mit einer solchen Sympathiebekundung versorgt worden.

Merkels langjährige Bildungsministerin Schavan, zu Jahresbeginn nach der juristisch noch nicht geklärten Plagiatsaffäre um ihre Doktorarbeit zurückgetreten, darf sich freuen: Merkel erwähnt die Ulmer Abgeordnete in ihrer exakt halbstündigen Rede nicht nur einmal. Als Ministerin habe sie die Grundsteine am Forschungsstandort Deutschland gelegt und dadurch auch dafür gesorgt, dass Ulm heute Tradition und moderne Stärke verkörpere und wisse, wo Zukunft liege. Auch so kann sich eine Frauenfreundschaft ausdrücken.

Zur Debatte, wie Deutschland sich im Syrien-Konflikt verhalten soll, vermeidet Angela Merkel eine dezidierte Aussage. Sie kündigt nur an, an der Seite der Verbündeten "vor allem den Menschen helfen" zu werden. Dann folgen, baukastenförmig zusammengesetzt, Kernsätze, was die CDU will. Dieser obligatorische Teil der Rede dürfte auf der Tour so oder so ähnlich überall zu hören sein: starke Wirtschaft erhalten, freies Europa ebenso und soziale Sicherheit, keine höheren Steuern - und bei aller Sympathie für vegetarische Ernährung kein vorgeschriebener Veggie-Tag. Da ist der Beifall laut.

Proteste hingegen bleiben bis auf ein paar wenige Pfiffe und Protestnoten auf Plakaten während der ganzen Kanzlerinnen-Schau aus.

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