"Bua, wer soll des zahla?"
Oswald Metzger ist die ganz große Koalition in Personalunion: mal rot, mal grün, jetzt schwarz. Er sprach über den Wohlstand auf Kredit.
Autor: RUDI KÜBLER |Das Ende ist nah, der Untergang unvermeidbar - Inflation, Hyperinflation, Währungsreform dräuen am Horizont. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Sagt Oswald Metzger. Der Ex-Grüne malt schwarz, tiefschwarz. Schwärzer geht nicht. Und Hoffnung ist nicht in Sicht. Da helfen auch keine Rettungsringe oder Rettungsboote, Rettungsschirme sowieso nicht. Wenn jetzt aus dem Nichts heraus der Choral "Näher mein Gott zu Dir" erklänge, die Zuhörer würden sich wohl nicht wundern. Auch nicht über das Wasser, das die Neu-Ulmer Petruskirche langsam flutet. Stichwort: Titanic.
Mit Geld kennt er sich aus - mit Schulden erst recht. Oswald Metzger war ehemaliger haushaltspolitischer Sprecher der Grünen und Obmann im Finanzausschuss des Deutschen Bundestags. Jetzt spricht er im Rahmen der Vortragsreihe "Und vergib uns unsere Schuld(en)" des Evangelischen Bildungswerks - und für Geld. Weil der freie Publizist nicht von Worten allein leben kann, kostet der "Untergang des Pumpkapitalismus" fünf Euro. Im Gegensatz zu den anderen drei Vorträgen, die umsonst sind. 35 Zuhörer schreckt das nicht ab, wobei man sagen muss: Jeder Kino-Grusel kommt teurer.
Und Metzger, der sich als Politiker mit dem "Heiligenschein der Glaubwürdigkeit" bezeichnet, bemüht sich nach Leibeskräften, Gänsehaut mit seinem Finanzhorror zu erzeugen. Schulden mit Schulden zu bekämpfen, "das Prinzip kann nicht funktionieren". Wohlstand müsse erwirtschaftet werden und dürfe nicht über Kredite finanziert werden. Metzger beruft sich auf den gesunden Menschenverstand - und auf seinen Opa: "Bua, wer soll des zahla?" Der Staat aber handle wie die meisten Bürger eben auch, die selbst den Urlaub mittlerweile kreditfinanziert antreten. Alles easy, easy credit eben. Von wegen: Spare in der Zeit, dann hast du in der Not.
Die Wähler, so Metzger weiter, gäben sich einer Wohlstandsillusion hin, die wiederum die Politiker, gleich welcher Couleur, bedienten. "Sie glauben, nur gewählt zu werden, wenn sie Leistungen versprechen." Diese Versprechen seien absurd, siehe Betreuungsgeld, das auf Pump finanziert werde. Die Hirne vernebelt, jeder lügt sich selbst in die Tasche, alles ein Tanz auf dem Vulkan. Und der Karren fahre solange gegen die Wand, bis . . . Er sei sprachlos. Sagt er. Findet aber gleich wieder Worte und sieht eine Rebellion aufziehen. Vom rechten Rand her, "dann ist die Demokratie substanziell in Gefahr". Wer von den Zuhörern noch ein Sparbuch hat, löst es spätestens jetzt auf.
Zum Schluss ein Lied? An der Anzeigetafel klebt die Nummer 0123. "Einfach spitze, dass du da bist."




