Brittens Oper "Peter Grimes" am Theater Ulm

Düster, bedrohlich und emotional packend. So beschreiben Zuschauer die Ulmer Inszenierung der Oper "Peter Grimes". Christina Kirsch befragte Zuschauer, die durchweg von Chor und Solisten restlos begeistert waren.

SWP |

Martin Remmler (59), Wolfegg: "Peter Grimes" war mit das Beste, was wir in Ulm gesehen haben. Hans-Günther Dotzauer hat als Peter Grimes eine Meisterleistung gezeigt. Ich war erstaunt, wie er die schwere Partie durchgehalten hat und auch in den Passagen, in denen er ohne Orchester singen musste, den ganzen Raum füllte. Ich bin ein Fan von diesen halbdurchsichtigen Vorhängen, wie sie auch in dieser Inszenierung (Matthias Kaiser) verwandt werden. Mal sieht man das Geschehen verschleiert und schemenhaft, dann wird eine klare Sicht zugelassen. So sieht man als Zuschauer auch die Handlung: mal transparent, mal verschleiert, dann klar. Der Chor war phänomenal. Die schwarz-weiße Bemalung der Gesichter habe ich so verstanden, dass die Dorfbewohner in ihrem Leben und in ihrer Mentalität keine Zwischentöne zuließen. Der Opernbesuch hat sich total gelohnt.

Gisela Thoma (71), Augsburg: In "Peter Grimes" jagt die Masse den Außenseiter. Die Inszenierung hat die Atmosphäre des Bedrohlichen von Anfang an bis zum Ende eingefangen. Der Chor stand wie ein Block, auch die Oberflächlichkeit und Vergnügungssucht der Dorfbewohner blitzte immer nur kurz auf und kam gegen die Masse der allgemeinen Meinung nicht an. Die Balance zwischen dem Bedrohlichen und dem Alltäglichen war immer gut gewahrt. Mir gefiel auch, dass die Technik sich nicht in Spielereien erging, sondern alles schlüssig, einfach und doch raffiniert war. Die Inszenierung packt einen emotional. Was mir nicht gefallen hat, war nur ein Detail: Britten hat in seiner Oper einige Zwischenspiele, bei denen in der Ulmer Inszenierung auf dem Vorhang stets ein ruhiger Fischschwarm projiziert war. Das passte nicht immer. Schon gar nicht dann, wenn die Musik von einem aufgewühlten Meer erzählte.

Elke Steck (74), Neu-Ulm: An die Musik musste ich ich erst gewöhnen. Aber dann hörte ich die feinen Nuancen und das unterschwellig stets vorhandene Misstrauen bei den Akteuren diese Oper. "Peter Grimes" hat sicher ein schweres Thema. Das hat mich beschäftigt und gab viel Gesprächsstoff.

Monika Lehnert (57), Ehingen: Die Musik hat mich unendlich beeindruckt. Ich habe eigentlich noch nie etwas gehört, wo die Klangfarben so sehr Emotionen und Naturgewalt nachempfinden. Das wirkte bei mir lange nach. Die projizierten Fische beim Zwischenspiel waren zwar immer die gleichen, aber je nach Musik sahen sie für mich doch jedes Mal anders aus.

Viola Addicks (48), Ulm: Die roten Taue, die der Chor in der Hand hatte und um sich schlang, waren symbolträchtig und zogen sich wie ein roter Faden durch die Inszenierung. Peter Grimes hatte die Taue manchmal in der Hand oder zog daran. Aber zum Schluss ließ er sie los. Mir kam es so vor, als ob damit die letzte Bindung an die Dorfgemeinschaft verloren ging. Mich hat die Oper in all ihrer Düsterheit und Dramatik gepackt. Diese schwarz glänzenden Tentakeln oder Algen, die wie Würste auf der Bühne herum lagen, habe ich der Tiefsee zugeordnet. Es war nicht klar, was das sein sollte, aber es war bedrohlich und verschlingend. Und passte deshalb zu der Stimmung dieser Oper.

Marianne Schreiber (78), Ulm: Im ersten Akt war mir die Musik zu schrill, im dritten Akt habe ich es harmonischer empfunden. In der Geschichte steckt viel Wahrheit. Wer einmal eine schlechten Ruf hat, wird ihn nicht mehr los. Eine Dorfgemeinschaft kann unerbittlich sein. Ich weiß das, ich komme vom Dorf. Oxana Arkaeva gefiel mir in ihrer Rolle als Ellen sehr gut: Sie war so einfühlsam, weich und zugewandt. Ganz im Gegensatz zu dem rauen, gewalttätigen Chorgesang.

Viola Maier (41), Ulm: Ich habe mich erst mal schwer getan, mich einzuhören. Das Werk klang nach einem richtig harten Stück Arbeit für die Musiker und Sänger, das sie wirklich gut gemeistert haben. Auch die Handlung hat sich mir in der Inszenierung bis zum Schluss hin nicht völlig erschlossen. Ist Grimes nun ein unglücklicher getriebener Außenseiter oder doch ein Kindsmörder? Erschreckend aktuell empfand ich die Rolle des Chores mit den zweifarbigen Gesichtern, der sich voller Vorurteile zur Stimme des Volkes erhebt.

Luise Klein (46), Günzburg: Ich stelle mir einen Jungen aus dem Armenhaus nicht so geschniegelt vor wie in dieser Oper. Der hätte ruhig dreckiger, zerzauster sein dürfen. Mit gefiel Hans-Günther Dotzauer nicht nur als Sänger, sondern vor allem als Schauspieler. Wie der sein Leid heraus schrie! Doch steckte er in seiner Fischerjacke drin wie in einer Zwangsjacke. Sehr augenfällig waren auch die Kostüme (Angela C. Schuett) des Chors. An diesem glatten Ölzeug der Fischer blieb nichts hängen. Keine Schuld, keine Moral, kein Bedauern.

Info Aufführungen: 31. Mai, 5., 21., 24. und 26. Juni sowie 1. 4. und 9. Juli. Karten: 0731/ 161 44 44.

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