Brennpunkt Lessingstraße
Neu-Ulm. Regelmäßig finden die Discos in der Lessingstraße im Neu-Ulmer Polizeibericht Erwähnung. Sonntagfrüh ist die Lage derart eskaliert, dass der Dienststellenleiter nun Konsequenzen fordert. Die Stadt wartet ab.
Ein aggressiver Mob von 100 jungen Männern, wüste Beschimpfungen, fliegende Steine. Elf Streifenwagenbesatzungen, die die Menge auf dem Parkplatz gegenüber der Neu-Ulmer Disco Mega Simarik nur mit massivem Einsatz von Pfefferspray zerstreuen können. Drei verletzte Polizeibeamte, einer davon schwer. Drei Festnahmen. Die Bilanz der Nacht auf Sonntag in der Lessingstraße. "Das ist ganz klar eine neue Qualität der Gewalt", resümierte am Montagmorgen der Dienststellenleiter der Polizeiinspektion Neu-Ulm, Michael Keck. "Die Situation in der Lessingstraße ist so nicht mehr tragbar."
Wie gestern berichtet, hatte ein Streit zwischen Türstehern und einem Gast in der Disco Mega Simarik gegen 4.40 Uhr die Polizei auf den Plan gerufen. Beim Eintreffen der Beamten war ein angetrunkener 25-Jähriger mit türkischem Migrationshintergrund sehr aggressiv, wollte zurück in die Disco, obwohl diese Betriebsschluss hatte. Als die Polizisten den Mann unter Zwang zum Streifenwagen führten, wurden sie plötzlich von zwei anderen Männern attackiert. "Inzwischen gibt es Zeugenaussagen, dass sich die Männer zu dem Angriff verabredet haben", sagte Keck.
Einer der Angreifer sprang einem Polizisten von hinten in die Seite. Dieser prallte mit seinem Knie gegen einen Pkw und wurde dabei so schwer verletzt, dass er gestern operiert werden musste und voraussichtlich über Monate ausfallen wird. Zwei weitere Beamte trugen leichte Verletzungen davon.
Die drei Männer waren kaum festgenommen und die Situation im Griff, da eskalierte die Lage auf dem Parkplatz vor der Disco endgültig. Rund 100 Personen, überwiegend mit türkischem Migrationshintergrund, rotteten sich zusammen, versuchten die Einsatzkräfte mit Rufen wie "Heil Hitler" und "Sieg Heil" zu provozieren. Inzwischen waren den vier Neu-Ulmer Polizeistreifen sieben aus dem Bereich Ulm zur Hilfe geeilt. "Ohne sie wäre die Lage kaum in den Griff zu bekommen gewesen", sagte Keck in der Nachschau. Als der erste Stein einen Streifenwagen traf, entschlossen sich die Beamten, den Parkplatz zu räumen. Mit massiven Einsatz von Pfefferspray gelang es schließlich, die Menge zu zerstreuen.
"Die Situation war so kritisch, dass es keine weiteren Festnahmen gab", erklärte Keck. Wohl aber reichlich Bildmaterial, das in den kommenden Tagen ausgewertet wird. Die Kriminalpolizei ermittelt unter anderem wegen des Verdachts des Landfriedensbruch.
Die Ereignisse vom frühen Sonntagmorgen sind vorläufiger Höhepunkt der Lessingstraßen-Szenerie. Drei große Discos finden sich dort im Neu-Ulmer Industriegebiet (siehe Info-Kasten). In deren Umfeld kommt es immer wieder zu Sachbeschädigungen, Körperverletzungen und - wie bereits einen Tag zuvor - versuchten Widerstand gegen Polizisten. Beamte stellten Samstagfrüh vor dem Club Mahatma ein Trio, das einem jungen Mann Geld abgenommen hatte. Einer der Täter wehrte sich nach Kräften gegen die Festnahme.
Der Neu-Ulmer Polizei-Dienststellenleiter hat sich zwischenzeitlich an die Stadt Neu-Ulm gewandt, schließlich sei die öffentliche Sicherheit und Ordnung im Umfeld der Discos in der Lessingstraße erheblich beeinträchtigt. "Es muss etwas geschehen", meint Keck. Der städtische Maßnahmenkatalog ist lang, kann vom Betreibergespräch über Abmahnung und Sperrzeitverlängerung bis zum Widerruf der Betriebserlaubnis gehen.
Indes: Der Leiter der Neu-Ulmer Abteilung Sicherheit und Ordnung, Thomas Nägele, gibt sich zugeknöpft. Er will zunächst die Ergebnisse der polizeilichen Ermittlungen abwarten, ehe er über mögliche Konsequenzen öffentlich spricht.
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Autor: NICOLE REUSS | 09.11.2010
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Der Parkplatz vorm Mega Simarik: Hier rotteten sich am frühen Sonntag gut 100 aggressive Discobesucher zusammen. Foto: Matthias Kessler
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Kommentare (39)
Wozu brauchen wir das?
Wenn es so schlimm ist: zu mit dem Ganzen. Muss der Steuerzahler denn jeden besoffenen Randalierer durch notwendigen Einsatz der Polizei bezahlen?Wird zum Jahresende vorübergehend geschlossen
Die besagte Disco wird zum Jahresende vorübergehend geschlossen - BINGO- so ist´s recht!Hab ich hier in meinen Kommentaren schon mal so geschrieben und finde das eine gute Idee für den Anfang.
Ein Skandal!
Das sind wohl die ausländischen Fachkräfte, die unsere Volkszertreter uns versprochen haben: Fachkräfte in Sachen Krawall, Raub, Vergewaltigung und Sozialschmarotzerei!