Bilder zum Lachen und Sinnieren

Pfuhl/Nersingen.  Gut zwei Stunden lang berichtet Simon Galler in Pfuhl von Falschwurst, Cerveza, Sandsturm und Reifenwechsel. Etwa 50 Besucher sind zum VHS-Vortrag über seine 6035 Kilometer lange Benefiz-Tour gekommen.

Auf der Leinwand sind zwei braune Flaschen zu sehen. "Cerveza Austral" steht auf der einen, "Escudo" auf dem Etikett der anderen. Das passende Bild zur Pause, die Simon Galler nach der Hälfte seines Lichtbildervortrags über eine dreimonatige Radtour durch sechs südamerikanische Staaten am Donnerstagabend einlegt. Die rund 50 Besucher im Pfuhler Museumsstadel holen sich etwas zu trinken und studieren Zeitungsartikel, Broschüren und Plakate. Ein halbes Dutzend gruppiert sich um den 29-jährigen Nersinger, der inzwischen in Isny lebt und arbeitet. Die Leute stellen Fragen zur Motivation, aber auch zur Vorbereitung und Organisation einer solchen Reise. "Wie kommt man auf die Idee, sowas zu machen?"

Simon Galler trieb im Herbst 2008 zweierlei an: Zum einen befand er sich zur Zeit der Reiseplanung zwischen zwei Jobs. Der bisherige Arbeitsvertrag sollte im Dezember auslaufen, sein Leben nahm eine Wende. Wohin soll es führen? "Da ist es Zeit, mal die Seele auslüften zu lassen, nicht nur drei Wochen, sondern für längere Zeit", erklärt der passionierte Freizeitsportler. Und da "man im Winter hier schlecht radfahren kann", fiel seine Wahl auf Südamerika.

Ein weiteres Ziel: Der gelernte Schreiner und Erlebnispädagoge wollte sein Abenteuer mit "einem guten Zweck" verbinden. Da der Vater seiner Lebensgefährtin im Vorstand der vom ehemaligen Stuttgarter Fußballer ins Leben gerufenen Giovane-Elber-Stiftung sitzt, war auch der schnell gefunden. So begann und endete die dreimonatige Rundtour auf einem selbst zusammengebauten Mountain-Bike im brasilianischen Londrina, wo Elbers Straßenkinder- und Schulprojekt angesiedelt ist.

Simon Galler klickt weiter auf seinem Laptop. Die Bierflaschen machen Landschaften von seltener Schönheit Platz: Sanddünen, ein rotschimmernder Berg, die "Laguna blanca", ein riesiger Salzsee. "Pollo con patas fritas", Göckele mit Pommes, in Großaufnahme. "Das war wirklich ein Segen", schwärmt er. Ganz andere Erinnerungen weckt die Aufnahme einer grell pinkfarbenen Debreziner, die er im Internet-Tourtagebuch als "Falschwurst" identifizierte. Ein ausrangierter Bus: "Das ist in Bolivien die Toilette." Lacher. Bilder von wettergegerbten Gesichtern hart arbeitender peruanischer Frauen und der Ein-Zimmer-Baracke einer Familie, bei der er übernachten durfte, regen zum Nachdenken an. Seine Vermummung anlässlich eines Sandsturms lässt auf die Strapazen dieser 6035 (nicht wie irrtümlich angekündigt 4000) Kilometer langen Radtour schließen. "Alle Klimazonen, dies auf unserer Erde gibt", hat er dabei durchquert. Und dabei 5000 Euro für brasilianische Straßenkinder gesammelt. Die kamen durch Freunde, Familie und Sponsoren zusammen, die pro gestrampeltem Kilometer Unterstützung zugesagt hatten. Auch bei seinen Vorträgen wirbt Galler um Geld für die Elber-Stiftung und Patenschaften. Dafür hat er eine Spenden-Box in Form einer Mini-Favela mitgebracht.

"Sowas könnte ich nicht", meint eine Frau, die nach dem gut zweistündigen Vortrag einen Geldschein einwirft. "Wegen der Einsamkeit."


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Autor: CLAUDIA REICHERTER | 13.03.2010

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