Bilanz und Ausblick zu Bildungshäusern

Kindergartenkinder gehen in die Schule, Schulkinder in den Kindergarten. Das spielt sich im Bildungshaus ab, von denen es 194 in Baden-Württemberg gibt. Gestern gab dazu in der Donauhalle einen Kongress.

BEATE ROSE |

Die Erzieherinnen in roten Verdi-Westen waren die Ersten. Bevor die rund 400 Teilnehmer des "Fachkongresses Bildungshaus 3 - 10, Bilanz und Ausblick" gestern überhaupt in der Donauhalle eintrafen, waren jene 18 Frauen und Männer schon da, die meisten Kita-Erzieher der Stadt Ulm. Sie entrollten Transparente, sprühten mit grüner Farbe ihre Forderungen auf den Boden und warteten. Auf Marion von Wartenberg, Staatssekretärin im Ministerium für Kultus, Jugend und Sport in Baden-Württemberg, und auf den Ulmer Oberbürgermeister Ivo Gönner. "Wir dürfen gerade nicht streiken, wir sind in der Schlichtung. Aber wir nutzen Veranstaltungen wie diese, um auf unsere Forderungen aufmerksam zu machen", sagte Verdi-Bezirksgeschäftsführerin Maria Winkler.

Beide Politiker verspäteten sich. Sie wegen des Anschlags in der Ulmer Innenstadt, weil ihr Fahrer in gesperrte Straßen geriet. Er, weil er vom SWR für eine Dokumentation gefilmt wurde. Als sie eintraf, begrüßte sie jeden Streikenden mit Handschlag und sagte: "Bei uns geht's heute um kindliche Bildung, da seid ihr alle entscheidend." Er nahm eine Streikzeitung entgegen.

Bildungshäuser sind keine Erfindung der grün-roten Landesregierung, es gibt sie seit 2007, machte Marion von Wartenberg gleich zu Beginn des Pressegesprächs klar, das vor dem Kongress abgehalten wurde. Aber: Die jetzige Landesregierung habe den Ausbau vorangetrieben. "Wir in Baden-Württemberg hatten ja die rote Laterne bei der frühkindlichen Bildung", formulierte es von Wartenberg. Der aktuellen Landesregierung sei hingegen "Bildungsgerechtigkeit wichtig". Ein Beleg: 194 Bildungshäuser gibt es mittlerweile im Land. Häuser für Kinder von drei bis zehn Jahren, Häuser, die eine "kontinuierliche und bruchlose Bildungsbiographie" ermöglichen. Der Bildungserfolg sei nämlich für Kinder, die ein Bildungshaus besuchen, nicht hauptsächlich abhängig davon, was die Eltern ihnen beibringen.

Vier der Bildungshäuser stehen in Ulm. Kindergartenkinder gehen in diesen Häusern zwar hauptsächlich in den Kindergarten und Schulkinder in den Unterricht, doch der Austausch zwischen den Einrichtungen ist viel reger, als es zwischen Kitas und Schulen üblich ist.

Alles hat zum Ziel, dass "der Übergang von Kindergarten zur Schule gelingt", sagte Dr. Petra Arndt vom ZNL Transferzentrum für Neurowissenschaften und Lernen der Uni Ulm. Das ZNL hat die Bildungshäuser wissenschaftlich begleitet und bewertet und daraus Schlüsse gezogen für frühkindliche Bildung, führte Arndt in ihrem Vortrag vor den pädagogischen Fachkräften in der Donauhalle aus.

Bekannt ist, dass der Schulstart mit vielen Ängsten behaftet ist. Gerade Erstklässler fühlen sich zu Beginn an der neuen Schule unsicher und fremd. Im Bildungshaus sei das anders. "Wie Schule? Ich geh' doch schon zur Schule", habe Arndt von einem Kind im letzten Kindergartenjahr gehört. Denn in Bildungshäusern ist es üblich, dass die Kinder sich gegenseitig häufig besuchen.

Arndt führte aus, dass zum Start der Bildungseinrichtung viele Eltern befürchtet hätten, dass bei Kindergartenkindern die Spielzeit, bei Schulkindern die Lernzeit zu kurz käme. "Diese Ängste haben sich relativiert." Sie konnte mit ihren wissenschaftlichen Teams regelrechte Gewinne für die Kinder erkennen: Die Ängstlichkeit der gerade eingeschulten Erstklässler sei deutlich geringer, wenn sie ein Bildungshaus besuchen. Die Kinder lernten gerne und seien bereit, sich anzustrengen. Die Fachkräfte sagen, sie würden die Entwicklung des Kindes intensiver wahrnehmen.

Und das ist etwas, das sich alle Eltern wünschen.

Bildungshäuser: Bestand für ein Jahr gesichert

Finanzen Als die grün-rote Landesregierung angetreten ist, habe sie 152 Millionen Euro für Programme in der frühkindlichen Bildung wie eben die Bildungshäuser ausgegeben, sagte die Staatssekretärin Marion von Wartenberg im Pressegespräch. Mittlerweile würden dafür eine Milliarde Euro bereitgestellt werden, 25 Millionen Euro davon für die Sprachförderung.

Bildungshaus Die Finanzierung der Bildungshäuser laufe im August aus, sagte von Wartenberg. Im Nachtragshaushalt habe die Landesregierung ermöglicht, dass die 194 Bildungshäuser im Schuljahr 2015/2016 weiter arbeiten. "Für ein Jahr ist der Bestand gesichert." Im Herbst werde der Ministerrat über die Zukunft entscheiden, wobei von Wartenberg davon ausgeht, dass die Einrichtungen bestehen blieben.

Begleitung Wissenschaftler des ZNL Transferzentrums für Neurowissenschaften und Lernen der Uni Ulm haben die Bildungshäuser sieben Jahre lang begleitet. Finanziert wurde das mit sieben Millionen Euro vom Bundesbildungsministerium, sagte Dr. Petra Arndt vom ZNL.

 

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