Biegsamer Marktführer
Neu-Ulm. Der Spezialist für Gummidichtungen und Isolierungen Gummi Welz, früher in Ulm, hat sich am neuen Standort in Neu-Ulm etabliert. Das erfuhr Oberbürgermeister Gerold Noerenberg bei seinem Firmenbesuch.
Umweltschutz ist für Jörg Prosel, den Leiter der Produktion bei Gummi Welz, durchaus ein wichtiges Thema. Dafür ist er sogar bereit, sich mit seinen Kollegen anzulegen. "Es gab Auseinandersetzungen mit der einen oder anderen Mitarbeiterin über die Temperaturen im Büro." Offenbar hat sich Prosel durchgesetzt. Gummi Welz verbraucht im Vergleich zu 2008 heute 33 Prozent weniger Gas, mit dem der Mittelständler auch heizt.
Der Neu-Ulmer Bürgermeister Gerold Noerenberg (CSU) nahm es mit Freude zur Kenntnis. Gemeinsam mit dem Wirtschaftsbeauftragten der Stadt, Bernd Neidhart, hat er gestern die Firma in der Otto-Renner-Straße besucht. Noerenberg lobte das Unternehmen als einen "Hidden Champion", also heimlichen Spitzenreiter, der im Bereich von Türdichtungen für Omnibusse Marktführer in Europa sei.
Gummi Welz ist spezialisiert auf flexible, langlebige Gummidichtungen, Schaumstoffzuschnitte und Bauteile aus sehr hartem Kunststoff und beliefert damit vor allem die Bus- und die Spezialfahrzeugindustrie. Das Unternehmen beschäftigt an drei Standorten (Neu-Ulm, Polen und Türkei) insgesamt 272 Mitarbeiter, davon 93 in Neu-Ulm.
Der Umsatz der Gruppe betrug im vergangenen Jahr 16 Millionen Euro und lag damit sechs Millionen Euro unter dem von 2008 (22 Millionen Euro). "Das lag vor allem daran, dass wir bei zwei starken Kunden in Polen Umsatzrückgänge um 80 Prozent hatten" erklärt Tobias Lexhaller, einer der drei Geschäftsführer.
Die Konsequenz daraus: Man habe vor allem in Polen sehr stark das Personal verringern müssen. Im Jahr 2008 zählte die Gummi Welz-Gruppe noch 400 Mitarbeiter.
Die Stammbelegschaft in Neu-Ulm war von den betriebsbedingten Kündigungen jedoch nicht betroffen. "An dem Thema Kurzarbeit sind wir aber nicht vorbeigekommen", sagte der für das Personal zuständige Waldemar Palitza.
Für das laufende Jahr erwartet das Unternehmen einen ähnlichen Umsatz wie im Jahr 2009. "Die Busindustrie wird die Höhen wie in 2007/2008 nicht mehr erreichen", sagte Lexhaller. Dennoch sei man für die Zukunft gut aufgestellt, gerade habe man einen Auftrag für die Ausstattung von Innenräumen bei Rettungswagen ergattert.
Noerenberg hatte ein weiteres Lob zu vergeben: Gummi Welz beschäftigt zwischen sechs und acht behinderte Menschen fest. Im Jahr 2008 war die Werkstatt "technische Zuschnitte" aus dem Tannenhof in die Produktionshalle verlegt worden. Dort fertigen Behinderte beispielsweise aus Schaumstoff Seitenwände für Reisebusse. "In diesem Bereich würde ich mir mehr Nachahmer wünschen", sagte der OB.
Lexhaller hatte die Firma im Jahr 2006 gemeinsam mit Lutz Selle von der damaligen Eigentümerin übernommen. Im Jahr 2008 folgte dann der Umzug von Söflingen nach Neu-Ulm. War es im Nachhinein eine gute Entscheidung, Gummi Welz zu kaufen? Lexhaller: "Herr Selle sagt, nach der Heirat mit seiner Frau war das die beste Entscheidung seines Lebens - dem kann ich mich nur anschließen."
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Autor: MANUEL BOGNER | 29.07.2010
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Alles dicht: Tobias Lexhaller (links), einer der Geschäftsführer von Gummi Welz, zeigt dem Neu-Ulmer OB Gerold Noerenberg während des Firmenbesuches eine Dämmplatte für den Motor eines Omnibusses. Foto: Manuel Bogner
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