Bibel-Comic für die Ohren - "Hamilton Rock" im Podium

In "Hamilton Rock" kämpft ein Detektiv zwischen Raum und Zeit um den Fortbestand der biblischen Geschichte. Das abgedrehte Live-Hörspiel kam nun im Podium des Theaters Ulm zur Uraufführung.

CHRISTINA KIRSCH |

Es droht höchste Gefahr für die Menschheit. Das intergalaktische Raum-Zeit-Gefüge hat sich aufgeweicht. Und es bildete sich ein Schlupfloch. Eigentlich klar, dass irgendein Schurke diese verhängnisvolle Lücke im Orbit nutzt, um das terrestrische Gefüge durcheinander zu bringen. Richard Fleischer heißt dieser Schuft, der sich an die Fersen eines gewissen Jesus von Nazareth heftet und nichts weniger will, als die Bibel neu zu schreiben. Das muss in dem Stück von J.-F. Gröthien unbedingt verhindert werden.

Im Podium des Theaters Ulm tritt im Live-Hörspiel "Hamilton Rock" mit Hamilton (Jörg-Heinrich Benthien) ein Detektiv als Retter auf den Plan. Mister Rock sitzt auf einem Stuhl, das Manuskript in der Hand, den Hut in der Stirn, den Trenchcoat zusammengeschnürt. Gerade kommt ein Auftrag herein und dringt durch seine vom Whiskey vernebelten Gehirngänge. "Virginia" ist schwanger. Für eine Jungfrau ungewöhnlich, und so lautet der Befehl: "Finden Sie das Schwein, das sie geschwängert hat."

Gleichzeitig schickt der Sternenrat seinen besten Mitarbeiter und "Space Investigator" auf eine besondere Mission. Hamilton Rock muss Richard Fleischer kalt stellen. Mit Getöse wird Hamilton durch das Schlupfloch gebeamt und landet in Judäa. Als erster Weggefährte begegnet ihm ein Lepra-Kranker. Den armen Kerl umschwirren die Fliegen und er ist im Begriff, beide Beine zu verlieren. "Dumm gelaufen", sagt Hamilton Rock. In den nächsten zwei Stunden geht das Publikum der Ulmer Uraufführung auf eine Zeitreise, die irgendwo zwischen Science Fiction und Comic angesiedelt ist. Sechs Schauspieler in wechselnden Rollen sind Teil einer biblischen Geschichte, in der wie in dem Film "Das Leben des Brian" an lakonisch-perfiden Kommentaren nicht gespart wird. "Ich lebe keusch und in Askese", outet sich Hamilton Rock und bekommt als Gegenfrage ein "Wo liegt das denn?" zu hören.

Die Figuren sind überzeichnet. Es tritt eine stinkende Ranzina auf. Die Jünger fangen eine Keilerei an, weil einer dem anderen die Wange hinhält. Legionäre patrouillieren grölend, zwischen Bertruns (Dan Glazer) Fleischfalten kopulieren die Römer. Jesus (Wilhelm Schlotterer) wird als Scharlatan entlarvt. Sein schwuler Jünger Johannes (Fabian Gröver) wirkt vollkommen überdreht. Die komplette Schauspiel-Truppe spielt Basar-Szenen, das meuternde Volk und - besonders delikat - das Personal im Puff.

Der Autor, hinter dessen Pseudonym sich Jörg-Heinrich Benthien und Fabian Gröver verstecken, greift tief in die Klamottenkiste, bemüht Gleichnisse und lateinische Brocken. So schmückt sich ein Römer mit einem "Pilum bis zum Sternum", sprich: Ihm steht die Latte bis zum Brustbein. In "Hamilton Rock" weht der Hauch der Geschichte als grinsender Sturm, und so wird manche Zote mitgerissen. Wer meint, mit der Bibel dürfe man keine bösen Scherze machen, sollte die Aufführung meiden. Alle anderen werden sich köstlich amüsieren.

Info Nächste Termine am Dienstag, um 19.30 Uhr sowie am 31. Dezember um 16.30 und 19.30 Uhr.

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