Beim Sommerflor wird künftig in Ulm und Neu-Ulm gespart

Ulm/Neu-Ulm.  Die Sparpolitik der beiden Städte Ulm und Neu-Ulm macht selbst vor den Blumenrabatten nicht halt. Sowohl die Frühjahrs- als auch die Sommerbepflanzung soll reduziert werden - zugunsten der Natur.

Vor einem Jahr um diese Zeit hatte die Junginger Gärtnerei St. Moritz der Lebenshilfe Donau-Iller bereits alle Primeln verkauft. Dieses Jahr, bei dem langen Winter, sind die Gewächshäuser noch voll mit 25 000 Stiefmütterchen, 5000 Hornveilchen und ungezählten Bellis (gefüllte Gänseblümchen) und Vergissmeinnicht. "Wir sind dieses Jahr spät dran", sagt Martin Heinz, Gärtnermeister bei den Zierpflanzen. Aber die Frühjahrsblüher hätten sich alle gut entwickelt und könnten demnächst nach draußen verpflanzt werden.

In der Gärtnerei St. Moritz sind die insgesamt 25 Behinderten, die dort unter Anleitung von Gärtnermeistern im Zierpflanzen- und Gemüsebau arbeiten, zurzeit bereits damit beschäftigt, die winzigen Balkonblumen-Keimlinge zu pikieren (vereinzeln). Dieser Sommerflor wird dann nach den Eisheiligen, Mitte Mai, ausgepflanzt.

Jetzt zeigen draußen auf den Beeten im Ulmer Stadtgebiet Tulpen und Narzissen bereits die ersten grünen Triebe. Demnächst werden dann noch Stiefmütterchen und Vergissmeinnicht an den gewohnten Stellen gepflanzt, sagt Franz Münch von der Ulmer Abteilung Grünflächen. Frühlingshaft blühen wird es etwa beim Justizgebäude in der Olgastraße, vor dem Xinedome-Kino und beim Congress-Centrum Ulm (CCU). Und auf den Wiesenflächen rund ums Blaubeurer Tor sollen sich, einmal gesteckt, auf Dauer wilde Narzissen natürlich vermehren. Um Kosten zu sparen.

Noch kürzer treten wird die Stadt Ulm im Mai beim Sommerflor. Insgesamt will sie jährlich 25 000 Euro an Materialkosten einsparen. Vor dem Xinedome werden deshalb mehrjährige Stauden gepflanzt. Beim Ehinger Tor, im Weststadtpark und in Teilen der Friedrichsau wird eine Wiesenblumenmischung mit Mohn und Margeriten eingesät. Für die beliebten Beete beim CCU (siehe Umfrage) stehen eine Sommerblumenmischung oder nur Rasen zur Auswahl. Am günstigsten kommt die Stadt am Hauptbahnhof weg: Dort bleibt vorerst alles grau in grau, "weil das eh eine Baustelle wird", sagt Franz Münch in Anbetracht des Projektes City-Bahnhof.

Buntnesseln, Verbenen, Ziertabak und Fleißige Lieschen werden jedoch auch weiterhin zur Sommerzeit beispielsweise beim Justizgebäude blühen. Doch insgesamt wird die Zahl der zugekauften Pflanzen stark abnehmen.

"Das trifft uns schon", sagt Hans Dehner, Produktionsleiter in der Gärtnerei St. Moritz. Dort werden zwar viele Pflanzen im Hofladen (siehe Infokasten) an Privatleute verkauft. Aber ein großer Teil ging an die Stadt. "Vor zehn Jahren haben wir die Stadtgärtnerei übernommen mit der Maßgabe, dass wir stets die Stadt beliefern dürfen", erinnert Dehner an die Abmachung. Wenn Ulm in Zukunft beim Frühjahrs- und Sommerflor spart, könnte der Umsatz um die Hälfte zurückgehen, schätzt der Produktionsleiter. Die Arbeitsplätze der 25 behinderten Mitarbeiter seien aber nicht gefährdet.

Ähnliche Sparpläne gibt es auch für die Beete im Neu-Ulmer Stadtgebiet - mit Ausnahme des Vorfelds, wo der Förderverein der Landesgartenschau immer noch Sommerflor pflanzt und die Stauden pflegt. Ansonsten aber will die Stadt Neu-Ulm künftig beim öffentlichen Blumenschmuck jährlich 50 000 Euro an Pflanz- und Pflegekosten einsparen, sagt Michael Bilger von der Abteilung Grünflächen.

Dazu werden auf den beiden Rondellen im Glacispark West nur noch dieses Frühjahr Tulpen und Osterglocken blühen. Danach werden mehrjährige Stauden gepflanzt, die je nach Art bis in den Herbst hinein blühen und bei Hitze nicht so intensiv bewässert werden müssen.

In die übrigen Beete im Glacis, am Augsburger Tor-Platz oder in die roten Pflanztröge werden jetzt wieder Stiefmütterchen gepflanzt und im Mai dann Sommerblumen, versichert Bilger. "Insgesamt sind das immer noch 70 000 Pflanzen." Sie wachsen jedoch nicht in hiesigen Gärtnereien heran, sondern werden nach einer großflächigen Ausschreibung bereits im Herbst beim Großmarkt bestellt.


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Autor: CAROLIN STÜWE | 20.03.2010

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