Bau der Synagoge beginnt
Ulm. Ein Bauunternehmen aus Baltringen hat den Generalauftrag für den Synagogen-Rohbau am Weinhof erhalten. Das Architekturbüro Kister, Scheithauer, Gross aus Köln signalisiert: von der Planung her startklar.
Viele Steine waren zuletzt aus dem Weg zu räumen: planerische Details, finanzielle Unsicherheiten, mittlerweile ausgeräumte Streitigkeiten innerhalb der jüdischen Gemeinschaft Württembergs über die Risiken der Baufinanzierung; unverdrossen liefen parallel die archäologischen Grabungen (siehe gestrige Ausgabe), erfolgte im März der Spatenstich, erteilte die Stadt im Juli die Baugenehmigung, trieb Architektin Susanne Gross (Büro Kister, Scheithauer, Gross; siehe Info-Kasten) die Planung bis zur Baureife voran. "Wir sind so weit", verlautete gestern aus Köln. Nachdem auch der Generalunternehmer für den Rohbau gefunden ist, kann es im Oktober losgehen mit dem Bau der neuen Synagoge am Weinhof.
Die Israelitische Religionsgemeinschaft Württembergs (IRGW), zu der Ulm als Zweigstelle gehört, hatte über die zur Nething-Gruppe gehörende Ulmer NPS Bauprojektmanagement GmbH den Generalauftrag ausgeschrieben. Den Zuschlag hat die in der Region allgegenwärtige Baufirma Matthäus Schmid erhalten. Das Unternehmen, sowohl tätig im Hoch-, Brücken- und Ingenieurbau als auch im Holz- und Stahlbau, sitzt in Baltringen (Kreis Biberach). Es hat Angaben auf seiner Internetseite zufolge 270 Mitarbeiter, die einen Jahresumsatz von 85 Millionen Euro erwirtschaften.
IRGW-Vorstandssprecherin Barbara Traub sagte, die jüdische Gemeinde im Land sei glücklich, dass der Vertrag mit dem Generalunternehmen noch vor dem Neujahrsfest Rosch Haschana - in diesem Jahr am 29. September - in trockene Tücher gebracht werden konnte. Nach den weiteren jüdischen Hochfeiertagen Yom Kippur (7./8. Oktober) und Sukkot (12.-19. Oktober) soll der Baubeginn erfolgen. Traub geht von einer gut einjährigen Bauzeit und davon aus, dass die Synagoge Ende 2012 fertiggestellt sein wird.
Die Kosten für dieses jüdische Gemeindezentrum mit Synagoge, Gemeindesaal, Bibliothek, Kindergarten, Jugendzentrum, Koscher-Laden und Ritualbad (Mikwe) sind mit 4,6 Millionen Euro veranschlagt. Der jetzt vergebene Auftrag betrifft den Rohbau mit 3 Millionen Euro. Laut Traub sieht die im April über ein internes Schlichtungsverfahren erzielte Einigung zur Finanzierung vor, dass die IRGW 1,5 Millionen Euro aus eigenen Mitteln beisteuert und 2 Millionen Euro über einen Kredit zwischenfinanziert. 475 000 Euro steuere das Land bei, die Stadt Ulm sei der Gemeinde beim Grundstück am Weinhof ebenso entgegengekommen wie bei der Baustelleneinrichtung. Der Rest müsse aus Spenden finanziert werden, wobei inzwischen mehr als 300 000 Euro beieinander seien, darunter namhafte Beträge auch aus Ulm. Barbara Traub: "Jede Spende erleichtert uns die Finanzierung."
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Autor: HANS-ULI THIERER | 21.09.2011
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Baugrund eingefasst, Rohbauarbeiten vergeben: Der Bau der Synagoge am Weinhof beginnt. Foto: Volkmar Könneke
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Kommentare (1)
475000,- € Landeszuschuss???
Das Land schiesst satte 475.000,- € zu - mal eben so!?Wer kann mir die gesetzliche Grundlage dafür erklären?
Was hat der Steuerzahler mit Betbuden irgend einer Religions-
gemeinschaft zu tun, egal wie der Märchenverein heissen mag?
Bekam schon einer von den Lesern verlorene Zuschüsse,
wenn er ein Privathaus baute? Religion ist Privatsache,
laut Verfassung.