Autodiebe verspielen milderes Urteil

Ulm/Neu-Ulm.  Das Ulmer Landgericht lässt einen Deal platzen, weil sich zwei Angeklagte nicht zu den in Aussicht gestellten Geständnissen durchringen können.

Der Deal ist vor Gericht ein wichtiges Instrument geworden, um umfangreiche Verfahren durch eine Absprache abzukürzen. Gestern allerdings ist vor dem Ulmer Landgericht eine solche von der Rechtssprechung ausdrücklich erlaubte Verfahrensvereinfachung geplatzt. Grundlage eines solchen Deals ist nämlich ein umfassendes Geständnis, das ein angeklagtes Diebespärchen aber so gar nicht geneigt war, abzugeben.

Angeklagt sind sie für 53 Autoaufbrüche im Großraum Ulm/Neu-Ulm, die ein 26-jähriger drogensüchtiger Mann in Grundzügen zugab, sich im Detail aber widersprach oder kurzerhand von Erinnerungslücken heimgesucht wurde. Vor allem die Aussagen zur Rolle der mitangeklagten 27-jährigen Frau haben das Gericht erzürnt.

Die Frau legte nicht das von der Verteidigung in Aussicht gestellte umfassende Geständnis ab, vielmehr gab sie an, nichts von den Diebestouren ihres Verlobten gewusst zu haben. Der war nach Überzeugung des Staatsanwalts von Mai bis September vergangenen Jahres regelmäßig unterwegs. Und obwohl sie ihn des Öfteren von seinen nächtlichen Ausflügen ins Umland mit dem Wagen abholte, will sie sich nicht dafür interessiert haben, was er dort gemacht hat.

Für das Gericht war danach das Maß voll. Als die 27-jährige Angeklagte sagte, dass sie sich auch keine Gedanken über die vielen Navigationsgeräte, Handys, Kameras und anderen Gegenstände gemacht habe, erklärte der Vorsitzende Richter nach einer kurzen Beratungspause, sich nicht mehr an den Deal mit der Verteidigung gebunden zu fühlen und erklärte die Sitzung kurzerhand für beendet.

Für die beiden Angeklagten bedeutet der Verlauf des Verfahrens nichts Gutes. Wie der Staatsanwalt am Rande der Verhandlung mitteilte, bereitet er weitere Anklageschriften vor und wolle auch ein in Neu-Ulm geführtes weiteres Ermittlungsverfahren gegen die Frau an sich ziehen.

Sollte dies so kommen, dürfte zumindest die in dem Deal anvisierte Höchststrafe für die Frau von einem Jahr auf Bewährung in weite Ferne gerückt sein. Auch die für den 26-Jährigen genannte mögliche Höchststrafe von dreieinhalb Jahren dürfte mit großer Sicherheit nach oben korrigiert werden.


zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

Sie können noch Zeichen als Text schreiben
Für registrierte Nutzer
Bitte anmelden, um Ihren Kommentar abzuschicken
Für noch nicht registrierte Nutzer
Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken.








Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:


Autor: HANS-ULI MAYER | 30.07.2010

Google 1+

Türsteherpoltik in Crailsheim in der Kritik

Daheim Geburtstag zu feiern ist ganz schön, aber zum Schluss mit der ganzen Clique noch in die Diskothek zu gehen, hat auch was. Also machte das kürzlich auch die ältere Tochter des Crailsheimer Bürgermeisters Herbert Holl so.... mehr

Inferno in der Hechinger Altstadt

Hechingen Der größte Altstadtbrand der jüngeren Hechinger Geschichte tobte am Montagabend in der Markt- und Schlossstraße. Dramatische Rettungsszenen spielten sich ab. Neun Menschen wurden verletzt.... mehr

Inferno in der Hechinger Altstadt

Hechingen Der größte Altstadtbrand der jüngeren Hechinger Geschichte tobte gestern Abend in der Markt- und Schlossstraße. Dramatische Rettungsszenen spielten sich ab. Neun Menschen wurden verletzt.... mehr

Hechinger Brandruinen qualmen noch

Am Tag nach dem Großbrand in der Hechinger Altstadt qualmt es immer noch aus den Brandruinen. Feuerwehrleute sind auch 20 Stunden nach Ausbruch des Feuers noch mit Löscharbeiten beschäftigt.... mehr

Haussklave erhängt sich bei Sex-Spiel in Neu-Ulmer Bordell

Neu-Ulm Ein 36-jähriger Hausbediensteter hat sich am Montag im Neu-Ulmer Bordell „Lili M.“ bei einem Sex-Experiment offenbar zu Tode stranguliert.... mehr

Ein Raub der Flammen

So einen Brand wie gestern am frühen Abend haben die Hechinger mitten in der Altstadt schon seit vielen, vielen Jahren nicht mehr gesehen. Der Altbaukomplex an der Ecke Marktstraße/Schlossstraße wurde ein Raub der Flammen. Von vier Drehleitern aus schützten die Feuerwehren die Nachbargebäude.... mehr