Auf Cyberwar nicht vorbereitet

Hacker attackieren den deutschen Zoll und das Pentagon. Wie groß ist die Bedrohung für die Gesellschaft? Dieser Frage ging das VDI-Forum nach.

REGINA FRANK |

"Durch gezielte Computerangriffe können ganze Regionen in ein Chaos stürzen", sagt Bert Weingarten, der sich seit vielen Jahren mit Cyberkriminalität beschäftigt und Behörden und Konzerne berät. Sollte es zu einem Cyberwar (zu deutsch: Krieg, der über Steuerungssysteme geführt wird) kommen, werde der alle Länder betreffen. Ein Angriff bliebe nicht auf das angegriffene Land beschränkt, betonte Weingarten beim Forum Technik und Gesellschaft des VDI im Stadthaus. Wegen der weltweiten Vernetzung der Systeme könne er das Internet außer Betrieb setzen oder Börsen-Online-Systeme lahmlegen.

Das Brisante an Weingartens Botschaft: Deutschland sei in keinster Weise auf einen Cyberwar vorbereitet - ganz Europa nicht. "Man sitzt wie ein Kaninchen vor der Schlange." Von einem polizeilichen und nachrichtendienstlichen Abwehrkonzept - wie dem kürzlich von Bundesinnenminister Dr. Hans-Peter Friedrich vorgestellten Cyber-Abwehr-Zentrum - hält der Experte nicht viel - zumal es gerade einmal zehn Mitarbeiter umfasst. Er sagt: "Das ist ein militärisches Thema und gehört in die Hände der Bundeswehr."

Weingarten verwendet auch militärische Begriffe, wenn er die Bedrohung beschreibt. Die "Vorwarnzeit" liege bei zwei Sekunden, sie sei also im Grunde überhaupt nicht mehr existent. Er unterscheidet drei Angriffsstufen: Ausspähung, Manipulation und Zerstörung. Cyberwar ist nach Weingartenscher Definition eine Kriegsform zwischen Staaten. Der Begriff steht zudem für Angriffe mit terroristischem Hintergrund. Gegenattacken seien schwer zu führen, weil gewöhnlich unklar ist, von wo die Attacke ausgeht. Und: Die Kosten für die Herstellung von Computerwaffen seien gering.

"Die Infrastruktur, die mit IT funktioniert, ist nicht mehr wegzudenken", sagte der zweite Referent des Abends, Prof. Alfred Büllesbach. Energie, Gesundheit, Wasserversorgung, Ernährung, Verwaltung, Transport und Verkehr - überall seien Steuerungsysteme am Werk. Es gehe nicht allein um den Schutz dieser Technik, sondern zugleich um den Schutz der damit verbundenen Lebensbereiche. "Etwas derart Wichtiges - so könnte der Bürger im Rechtsstaat meinen - sollte geregelt sein", sagt Jurist Büllesbach, "aber geregelt ist fast nichts."

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