Atommüll: Nirgends ein Endlager in Sicht

In Atomkraftwerken fällt hochradioaktiver Müll an. Aber nirgendwo auf der Welt gibt es ein Endlager dafür. Die Schwierigkeiten, Orte und sichere Möglichkeiten dafür zu finden, waren jetzt auch Thema in Ulm.

VERENA SCHÜHLY |

Der Andrang war größer als die Kapazität des Kino-Saals, deshalb mussten gut zwei Dutzend Interessierte unverrichteter Dinge wieder gehen und konnten nicht an der Sondervorführung des Films "Die Reise zum sichersten Ort der Erde" teilnehmen. Zu dem Dokumentarfilm von Edgar Hagen, in dem es um die weltweiten Schwierigkeiten geht, ein Endlager für hochradioaktiven Atommüll zu finden, und zur anschließenden Diskussion hatten die Bürgerinitiative "Forum Gemeinsam gegen das Zwischenlager und für eine verantwortbare Energiepolitik" sowie die Ulmer Ärzteinitiative eingeladen.

Der Schweizer Hagen ist in seinem Film dem Dilemma auf der Spur, dass es weltweit derzeit 350.000 Tonnen hochradioaktiven Abfalls gibt, der aus Atomkraftwerken stammt, und zu dem jedes Jahr weitere 10.000 Tonnen hinzukommen. In allen Ländern wird dieser Müll bislang provisorisch gelagert, weil es niemandem gelungen ist, eine sichere Lagerstätte zu bauen.

Der Regisseur dokumentiert die - gescheiterten - Versuche verschiedener Länder. Beispiel USA: An zwei Orten - am Yucca Mountain in der Wüste Nevadas und in Hanford im Staat Washington - zerschlugen sich die Pläne wegen der geologischen Gegebenheiten. Beides sind Indianer-Gebiete, und einer sagt zur Atommüll-Problematik im Film: "Das Monster ist losgelassen und nicht wieder einzufangen."

Die Europäer setzten viele Jahre darauf, so zeigt Edgar Hagen auf, den "lebensgefährlichen Müll" möglicherweise dort zu lagern zu können, "wo schon ein Loch ist". Aber aufgelassene Bergwerke in der Schweiz und Deutschland erwiesen sich dann doch überall als zu unsicher. Selbst in Granit-Formationen gibt es ein Problem mit dem Grundwasser. In den 90er Jahren trieben die Europäer das "Pangea-Projekts" voran, das darauf abzielte, den weltweiten Atommüll ins australische Outback zu bringen. Die Pläne scheiterten am erbitterten Widerstand Australiens, das selbst keine Atomkraftwerke hat und diese Technologie ablehnt.

China untersucht derzeit, ob die Wüste Gobi als Endlagerstätte geeignet ist. Die Volksrepublik setzt, wie im Film deutlich wird, massiv auf Atomkraft: Aktuell sind 58 Reaktoren in Bau oder Planung. "Wenn man ein Haus baut, darf man die Toilette nicht vergessen", sagt Ju Wang vom chinesischen Endlagerprogramm. Aber zu welchem Ergebnis die Untersuchungen führen werden, ist noch völlig offen.

"Das ist ein beeindruckend guter Film", meinte Raimund Kamm anschließend vor den rund 60 Zuschauern. Eine Frau merkte an, dass "überall auf der Welt das Florians-Prinzip gilt: Keiner will den Atommüll bei sich haben".

Daraufhin machte Kamm die Position des Forums deutlich: "Wenn sich herausstellt, dass Opalinuston am besten geeignet für ein Endlager ist, darf sich Süddeutschland nicht verweigern - und wir werden das auch nicht tun." Eine solche Schicht verläuft von Riedlingen über Ulm bis Günzburg.

Auch Angela Scheffold, Kreisrätin der Grünen aus Ehingen, betonte: "Wir dürfen unseren Abfall nicht billig abschieben." Eine derartige Verweigerung der christlichen Parteien CDU/CSU sei falsch. Im Fall eines Endlagers müsse die Politik dafür sorgen, dass Bauern und Hausbesitzer entschädigt werden.

Ein Zuschauer regte an, den Film in möglichst vielen Schulen zu zeigen, um auf die Problematik aufmerksam zu machen.

Lager in Gundremmingen

Zwischenlager Auf dem Gelände des Atomkraftwerks Gundremmingen gibt es ein Zwischenlager für radioaktive Abfälle. Laut Raimund Kamm vom Forum befinden sich dort inzwischen 80 Castor-Behälter: "Das ist das größte Zwischenlager in Deutschland - bloß ist das wenig bekannt." Genehmigt ist das Zwischenlager bis zum Jahr 2045. Die Bürgerinitiative hält die Lagerhalle für nicht sicher, sieht Gefahren durch Unfälle oder Anschläge. Deshalb fordert sie den Bau einer sichereren Halle für die Castoren.

 

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