Architektin Marisol Rivas Velázquez denkt ganzheitlich

Sie ist Dozentin an der Uni Stuttgart und baut mit ihrem Mann zusammen Häuser. Künftig wird die gebürtige Mexikanerin Marisol Rivas Velázquez ihre Kompetenz auch der Stadt zur Verfügung stellen.

ULRIKE SCHLEICHER |

Am hässlichsten in Ulm sei das Gebiet um den Bahnhof. "Es ist gut, dass da was passiert", findet Marisol Rivas Velázquez. Dagegen liebt sie das Ufer an der Donau: "Viele Städte haben einen Fluss, aber oft laufen dort Straßen parallel, und es ist laut." In Ulm sei das Ufer ein ruhiger, grüner Ort, "wo man sich entspannen oder Joggen gehen kann".

Für viele sicher erstaunlich: Auch den Karlsplatz mag sie. "Dort treffen verschiedene Gruppen aufeinander, er ist nicht perfekt, aber der Platz hat Potenzial." Ohnehin sei die Lebensqualität in Ulm sehr gut. Und die Menschen seien relativ offen und tolerant.

Die 39-Jährige schaut mit einem anderen Blick auf die Stadt als andere. Zum einen, weil sie aus Mexiko stammt und in anderen, europäischen Städten gelebt hat, bevor sie mit ihrem Mann - einem gebürtigen Ulmer - vor zehn Jahren hierher zog. Zum anderen ist sie selbstständige Architektin in Ulm und hat mit ihrem Mann zusammen das Büro A-U-R-A gegründet. In Ulm sind sie bekannt, weil sie den ersten Preis für die Planung des Judenhofes gewonnen hatten.

Und Marisol Rivas Velázquez ist Dozentin an der Uni Stuttgart. Dort betreut sie mehrere Projekte, die sich mit Bauen und Leben in der Stadt als Einheit beschäftigen. Ein Thema: Wie kann die Gesellschaft Flüchtlinge integrieren, damit beide Seiten davon profitieren?

In Heumaden bei Stuttgart etwa wurde ein Container in einem Wohngebiet renoviert. "Mit Hilfe der Flüchtlinge, unter denen ein Schreiner war", erzählt sie. Neben dem Container als Treffpunkt wurde ein Garten angelegt, in dem Kräuter gezüchtet werden, die dann als Tee verkauft werden können. "Die Erfahrungen sind sehr positiv. Es hat sich herausgestellt, dass es den Flüchtlingen besser geht, wenn ihr Alltag definiert ist, einen Sinn hat und wenn man Fähigkeiten abfragt." Auch die deutschen Nachbarn sind offener: "Man geht aufeinander zu."

Diese Erfahrungen und ihre Expertise als Architektin will und kann Marisol Rivas Velázquez nun auch in Ulm einbringen. Denn sie ist eine von sechs neuen Mitgliedern im Internationalen Ausschuss im Ulmer Gemeinderat. Vor kurzem wurden sie und ihre Stellvertreter bestimmt. Das Kriterium: Kompetenz. Die 39-Jährige ist künftig dementsprechend für den Bereich Stadt(teil)entwicklung zuständig.

"Mich hat die Aufgabe angesprochen", erinnert sich die zarte, dunkelhaarige Frau, als sie die Plakate der Stadt gesehen hat, auf denen zu lesen war, dass Ulmer mit internationalen Wurzeln für den Ausschuss gesucht werden. Deshalb habe sie sich einfach mal beworben - und wurde genommen.

Sie freue sich auf die Arbeit, "auch wenn wir sicher nur Impulse geben können". Ihre Kollegen kennt sie auch noch nicht, aber im September sei ein Treffen und eine Klausurtagung geplant - "danach werden wir sicher genauere Vorstellungen von allem haben".

Der neue Ausschuss

Mitglieder Sechs neue Mitglieder und ihre Stellvertreter sind im Juli vom Gemeinderat in den Internationalen Ausschuss gewählt worden. Sie haben sich zuvor für jeweils einen von sechs Fachbereichen beworben. Die SÜDWEST PRESSE stellt alle sechs in lockerer Folge vor. Den Anfang mach die Architektin und gebürtige Mexikanerin Marisol Rivas Velasquez, die für Stadt(teil)entwicklung zuständig ist.

 

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