Ansturm auf Kleinen Waffenschein

Immer mehr Bürger wollen Schreckschuss- oder Signalwaffen in der Öffentlichkeit tragen. Die Zahl der Lizenzen steigt rasant. Die Behörden sind besorgt. Rainer Türke, Abteilungsleiter Sicherheit, Ordnung und Gewerbe der Stadt Ulm, warnt: Waffen erhöhen nur die Aggressivität, nicht die Sicherheit. Was halten Sie davon? Stimmen Sie in der Umfrage ab.

Nach den sexuellen Übergriffen in der Silvesternacht gibt es in Stuttgart und anderen Orten im Südwesten eine Antragsflut zum Kleinen Waffenschein. Zurzeit würden täglich 10 bis 15 Anträge etwa für Schreckschuss- oder Reizstoffwaffen gestellt, sagte eine Sprecherin der Landeshauptstadt. Jeder einzelne Fall werde geprüft.

In Ulm wurden 2015 24 Anträge gestellt, 2014 waren es noch 17. "Aber was in den letzten beiden Wochen lief, ist schon fast ein explosionsartiger Anstieg", berichtete Rainer Türke, Abteilungsleiter Sicherheit, Ordnung und Gewerbe der Stadt Ulm. Seit den Übergriffen in Köln seien acht Anträge gestellt worden - und alle acht wurden bewilligt. "Das Thema Einbruch wird konkret genannt, was in Köln gelaufen ist und sicher auch das Thema Terror", berichtete Türke. Die Mitarbeiter der Behörde sind besorgt. "Der Schuss geht nach hinten los", warnte Türke. "Wir weisen jeden Antragsteller darauf hin: Es bringt überhaupt nichts, um die eigene Sicherheit zu erhöhen. Es bewirkt in der Regel, dass die Aggressivität noch gesteigert wird." 

"Es ist nicht sinnvoll, dass sich Bürger vermehrt mit Waffen ausstatten", sagte ein Sprecher des Innenministeriums. Waffen könnten bei ihrem Einsatz oder bei unsachgemäßem Gebrauch zum Teil erhebliche oder lebensbedrohliche Verletzungen hervorrufen.

Der Kleine Waffenschein ist die Erlaubnis zum verdeckten Führen von Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen. Man muss dafür mindestens 18 Jahre alt sein, seine Zuverlässigkeit und die persönliche Eignung nachweisen - geeignet ist zum Beispiel nicht, wer geschäftsunfähig, psychisch krank oder Alkoholiker ist. Insgesamt gab es im vergangenen Jahr im Südwesten 43.093 solcher Erlaubnisse, 2014 waren es 40.001. Die Bedenken bei den Behörden wachsen.

Erfahrungen der Polizei zeigten laut einem Sprecher des Innenministeriums, dass Waffen und Gegenstände zur Selbstverteidigung oft gegen den eingesetzt würden, der sich schützen möchte. "Wenn Waffen in eine Konfliktsituation eingebracht werden, löst dies auch oft eine Gewalteskalation oder Schadensvergrößerung aus." Die Polizei empfiehlt deshalb, grundsätzlich keine Waffen und ähnliche Gegenstände zu tragen. "In Konfliktsituationen ist es besser, auf sich aufmerksam zu machen und die Polizei zu Hilfe zu rufen."

In Stuttgart gab es 2015 221 Anträge, von denen 167 zugestimmt worden sei, sagte die Sprecherin. 40 Fälle seien noch offen. Im Jahr 2014 gab es lediglich 68 Anträge. In Karlsruhe wurden im vergangenen Jahr insgesamt 145 (2014: 69) Kleine Waffenscheine erteilt. Im laufenden Jahr seien bisher acht erteilt worden, teilte ein Sprecher mit. Etwa 30 Anträge würden derzeit noch bearbeitet.

 

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6 Kommentare

15.01.2016 19:03 Uhr

die Waffenlobby läßt die Sektkorken knallen!

Wirtschaftsaufschwung made by Angst!

Wir sind schon ein willfähriges Völkchen!

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15.01.2016 08:45 Uhr

Der Schuldige wurde eindeutig identifiziert!

Es ist der Bürger! Der sich unerlaubter Weise in Deutschland nicht mehr sicher fühlt und sich schützen will. Die Polizei die in Köln total versagt hat will jetzt das der Bürger stattdessen lieber um "Hilfe ruft.

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15.01.2016 14:35 Uhr

Antwort auf „Der Schuldige wurde eindeutig identifiziert!”

Genau!
Ich sehe jetzt schon die Schlagzeile: "Selbstverteidigung ging nach hinten los - Bürger mit Schreckschusswaffe bei Überfall durch Täter erschossen".
Waffen haben dürfen heißt bei Leibe nicht, damit umgehen zu können. Ausserdem: Was will ich mit einer Schreckschusswaffe bitte ausrichten? Abschreckend wirken?

ich sehe das ebenfalls ähnlich wie Herr Türke. Auf die Sicherheitsbeamten kommen noch brenzligere Situationen zu.
Und da wären wir dann schon bei der nächsten Schlagzeile: "Mann von Polizei erschossen - Schreckschusswaffe bei Totem endeckt".

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15.01.2016 15:50 Uhr

Antwort auf „Antwort auf „Der Schuldige wurde eindeutig identifiziert!””

Ich seh es genauso. Da wird nur noch mehr Konflikt aufkommen, wenn halbstarke pseudocoole Bubis und Mädels mit einer Waffe rumlaufen.

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15.01.2016 14:38 Uhr

Antwort auf „Antwort auf „Der Schuldige wurde eindeutig identifiziert!””

Ach ja, kliener Nachtrag:

Das "Genau" ist ein wenig mit Ironie und Sarkasmus behaftet, sofern es nicht von allein auffällt.

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15.01.2016 14:33 Uhr

Waffen sind das falsche Mittel

um derartige Angriffe wie in Köln abzuwehren. Insbesonders in der Hand von ungeübte Frauen stellen sie eher ein erhötes Risiko dar selbst verletzt zu werden. Ich würde Frauen empfehlen sich in dafür geeigneten Sportclubs oder Vereinen in körperlicher Selbstverdeidigung ausbilden zu lassen, was insbesonders für junge Frauen konditionell kein Problem darstellen dürfte. Ein gezielter Schlag kann wahre Wunder wirken und die stolzen Macho-Männer arg in Bedrägnis bringen. So verschaffft man sich als Frau Respekt, auch bei denen die es sonst nie kapieren würden.

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