Amüsanter Parforce-Ritt

Goethes "Faust" gespielt von nur zwei Darstellern? Das geht. Das beweisen jetzt Heinz Koch und Richard Aigner in der neuen Produktion des Augus-Theaters Neu-Ulm: Albert Franks "Fast Faust".

Heißt das Stück nun "Fast Faust", weil es beinahe Goethes Faust meint, oder muss man das Wort englisch aussprechen, da es Goethe im Schnelldurchlauf ist? Es ist letztlich egal, denn passen tun beide Varianten: Die neue Produktion des AugusTheaters Neu-Ulm ist eine rasante Annäherung an Deutschlands berühmtestes Schauspiel.

Der Schauspieler und Autor Albert Frank hat den Theatern ein lustvolles Stück mit und über Goethe und das Theater beschert. Eigentlich sollten zwei Herren und eine Dame alle Rollen des Stückes spielen. Doch die Dame fällt kurzfristig aus. So entscheidet der Theaterleiter, dass das Stück nun zu zweit auf die Bühne gebracht werden müsse. Und all die Hindernisse, die dadurch entstehen, und all die Diskussionen über die wahren Gründe des Fehlens der Kollegin geben wunderbar tiefe und subtil aufs Stück bezogene Einblicke in die Theaterarbeit.

In Neu-Ulm hat Claudia Riese "Fast Faust" auf die Bühne gestellt konnte dabei dank zweier versierter Darsteller aus dem Vollen schöpfen. Mit wenigen Mitteln und passender Musik gelingt es ihr, die notwendigen Stimmungen und Szenen auf die Bühne zu bringen.

Heinz Koch spielt den Theaterdirektor, der er ja wirklich ist, und der auch den Faust gibt. Dies tut er mit allem gebotenen Understatement, wobei ihm der Part des alten Faust besser gelingt. Herrlich sind seine fast unmerklichen Wechsel von der Rolle zum Theaterleiter, der sich mit den Besetzungs- und Bühnenproblemen auseinander zu setzen hat. Ganz anders agiert Richard Aigner, der den Typ des aufgesetzten und gewollt witzigen Schauspielers verkörpert, und dem mit dem Famulus Wagner beim Osterspaziergang auch eine treffliche Parodie auf den ehemaligen Bundesverteidigungs-minister gelingt.

Ein Höhepunkt des Geschehens ist sicherlich die Gartenszene mit Koch als Faust und Marthe sowie Aigner als Gretchen und Mephistopheles. Die raschen Wechsel von einer Rolle zur anderen gelingen trefflich, und Aigners Darstellung des Gretchens hat sogar etwas derart Anrührendes, dass sie die Travestie fast vergessen lässt.

Info Die nächsten Vorstellungen: Freitag und Samstag, jeweils 20 Uhr.


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Autor: GOTTFRIED LOTHAR | 09.05.2011

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