Als sich Tilo Prückner fast das Genick brach
Die Dreharbeiten hat er noch in lebhafter Erinnerung: 1977 spielte Tilo Prückner in Edgar Reitz "Der Schneider von Ulm" den Berblinger.
Von der Rolle schwärmt er noch heute: "Die Figur Berblinger ist wunderbar und unglaublich gut geeignet für einen Film." 34 Jahre ist es her, da verkörperte Tilo Prückner den Berblinger. "Ich fand mich da richtig besetzt: ein kleiner, schmächtiger, agiler Typ. Ein Schneiderlein. Einer, der unbedingt weg will - weg vom Boden. Und dem seine Leidenschaft zum Verhängnis wird."
Die Dreharbeiten anno 1977 sind Prückner gut in Erinnerung geblieben: "Es war ein langer Dreh, der damals aufwendigste deutsche Autorenfilm." Von dem 3,5-Millionen-Mark-Budget sei "im Film gar nicht so viel zu sehen, das ist bedauerlich. Wir haben extrem viel gedreht, was dann geschnitten wurde." Es sei ein Autorenfilm - "auch mit den Fehlern des Autorenfilms".
Den "Schneider" in Ulm zu drehen, wäre gar nicht möglich gewesen. Flugszenen wurden auf der Alb gefilmt, Stadtszenen im tschechischen Kromulov, die Donauflug-Aufnahmen in Eger. "Das sieht dort ja gar nicht nach der Ulmer Donau aus", erzählt der 70-Jährige beim Besuch in Ulm; trotz Unwetters ist er mit dem Auto aus Berlin gekommen. Warum er nicht geflogen ist? "Fliegen tut mittlerweile jeder. Der Berblinger wäre heute auch Auto gefahren", sagt Prückner lachend.
1977 war der gebürtige Augsburger durch die Krimikomödie "Bomber und Paganini" an der Seite Mario Adorfs gerade in aller Munde. Er hatte viel Theater gespielt, drehte aber auch mit Petersen, Hauff, Geissendörfer. Später kamen viele Krimis, Prückner war sieben Jahre "Tatort"-Kommissar an der Seite Robert Atzorns. "Ich war mal ein paar Jahre vorne dran beim Autorenfilm. Das waren spannende Sachen. Hat zwar kaum jemand gesehen, war aber interessanter als so manches, was heute eine hohe Einschaltquote hat, aber ein Scheißdreck ist."
Die Premiere fand 1978 in Ulm statt, in den Kammerlichtspielen. "Die gibts nicht mehr", weiß Prückner, "aber ich lebe noch". Dabei war die Arbeit an dem Film durchaus gefährlich. "Das Riesenfluggerät mit acht Metern Spannweite war toll! Wenn man im Gerät steckte und etwas Wind kam, flog man gleich weg. Ich wurde auf ein Podest gestellt, vor mir die Windmaschine angemacht, damit die Haare fliegen, da hats mich gleich runtergeschmissen. Ich musste genäht werden. Ich habe etliche Stürze produziert, das Gerät ging immer wieder kaputt. Nur gut, dass ich mir nicht das Genick gebrochen habe." Der Probeflug wurde dann mittels einer Seilbahn gedreht. Auch das war nicht ohne Tücken: "Sie haben mich sogar mal vergessen, als ich in dem Fluggerät eingespannt war." abo
Weitere Artikel:
- Geschichte eines Absturzes
- Am 200. Jahrestag des Flugversuchs zeigt Regisseur Edgar Reitz seinen Film in der Lichtburg
Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar
Autor: SWP | 24.05.2011
| Artikel twittern |
|
|
MEHR ARTIKEL ZUM THEMA
KOMMENTAR · 31. MAI: Historisches Datum für Ulm
Lange hat es gedauert, ehe der 31. Mai als ein wirklich herausragender Tag in der Ulmer Geschichte Anerkennung gefunden hatte. Genau so lange, bis Albrecht Ludwig Berblinger rehabilitiert war.... mehrDie Sache mit den Flügeln
Das einzige Bild, das Berblinger und sein Fluggerät detailliert zeigt, ist der berühmte Kupferstich, der Johannes Hans zugeschrieben wird. Doch da gehts schon wieder los: Zumindest jene Exemplare,...... mehr
Vorgeschmack auf das Berblinger-Musical "Höhenflüge"
Eigentlich hätte der heutige 200. Jahrestag von Albrecht Ludwig Berblingers verunglücktem Flugversuch der Tag einer Premiere sein sollen. Am Donau-Ufer hätte das Musical "Höhenflüge - Die...... mehr
Berbliner-Fest findet statt
Ulm Das Telefon im Kulturamt steht nicht still: Wegen des schlechten Wetters befürchten viele Ulmer, dass die veranstaltungen zum Berblinger-Jahr am Freitagabend ausfallen. Aber das Amt gibt grünes Licht.... mehr
Inspiriert vom kreisenden Habicht über der Alb?
Temmenhausen/Ulm 200 Jahre ist es her, dass Albrecht Berblinger seinen Flugversuch über die Donau wagte. Daran hat auch Temmenhausen seinen Anteil: Schließlich stammte die Mutter des "Schneiders von Ulm" von dort.... mehrBerblinger-Jahr: Ausstellung zum Fliegen eröffnet
Ulm Mit rund 200 Gästen ist gestern Abend im Stadthaus die Ausstellung "Abheben - die Vision vom Fliegen" eröffnet worden - sie durften sich durchaus als Fluggäste fühlen, wurde als...... mehrMEISTGELESENE ARTIKEL
Transporter rast mit hohem Tempo auf Wohnmobil
Langenau Noch unklar ist die Ursache für einen schweren Auffahrunfall am Donnerstag auf der Autobahn 7 bei Langenau, bei dem ein Transporter mit extrem hohem Tempo auf ein Wohnmobil auffuhr. Drei Menschen wurden dabei schwer verletzt, eine Katze wird vermisst.... mehr
Schwerer Vorfahrtunfall auf neuer Kreuzung bei Brenz
Weil eine Autofahrerin die Vorfahrt nicht beachtete, kam es am Dienstag zu einem verheerenden Unfall auf der neuen Bundesstraße 492: Die Unfallverursacherin wurde lebensgefährlich verletzt.... mehr
Schulbus durchbricht Leitplanke und kippt um
Burgrieden/Rot Der Fahrer eines mit elf Schülern besetzten Schulbuses ist am Donnerstagmittag von der Straße abgekommen, durch eine Leitplanke gebrochen und anschließend im Graben auf die Seite gekippt. Ein Großaufgebot an örtlichen und überregionalen Kräften von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei musste zum Einsatz anrücken.... mehr
Ruf nach Heim ohne Waffen - Memminger Schütze knackte gesicherten Tresorraum seines Vaters
Memmingen/Stuttgart Nach dem Memminger Amok-Alarm fordern Grüne und Opferverbände ein schärferes Waffenrecht. Der 14-Jährige hatte Waffen des Vaters entwendet.... mehr
Fremde Feder - Hans Küng: Papst provoziert Ungehorsam
Auf dem alternativen wie auf dem offiziellen Katholikentag in Mannheim herrschten allgemein Unmut und Frustration über die Verschleppung innerkirchlicher Reformen. Im scharfen Kontrast dazu bereitet Papst Benedikt XVI. für Pfingsten offensichtlich die definitive Versöhnung der katholischen Amtskirche mit den traditionalistischen Piusbrüdern, deren Bischöfen und Priestern vor.... mehr

ZURÜCK