Aktiv gegen Atomkraft
Ulm. Die geplante Laufzeitverlängerung für Atommeiler aktiviert hiesige Kernkraftgegner: Am Samstag marschierte ein breites Bündnis durch Ulm/Neu-Ulm - Auftakt für eine Anti-Atomkraft-Kampagne.
Das Atomkraftwerk Gundremmingen - mit durchschnittlich produzierten 20 Milliarden Kilowattstunden Strom pro Jahr eines der größten in Deutschland - liegt nur 30 Kilometer von Ulm entfernt. Trotzdem sei es im Bewusstsein der Menschen im Raum Ulm/Neu-Ulm kaum präsent, sagt Uta Wittich, Initiatorin des im Frühjahr gegründeten Aktionsbündnisses "Atomausstieg jetzt". Zwar lehne die Mehrheit der hiesigen Bevölkerung die Kernkraft als langfristige Energiequelle ab. "Das Thema Kernkraft und die von Gundremmingen ausgehende Gefahr werden aber gerne verdrängt."
Das will das Aktionsbündnis mittels einer längerfristig angelegten Kampagne ändern. Am Samstag zogen dessen Mitglieder lautstark durch die Stadt - mit Trommeln, Pfeifen, schwarz-gelbe symbolische Atommüllfässer vor sich her rollend. Vom Bahnhof Neu-Ulm ging es via Petrusplatz und Herdbrücke zur Ulmer Hirschstraße, wo Info-Stände aufgebaut waren. Dort verteilten Mitglieder Handzettel und diskutierten mit Passanten. Fazit nach vier Stunden: "Wir haben meist positive Rückmeldungen bekommen und konnten viele Leute wachrütteln", wie es BUND-Regionalgeschäftsführer Ralph Stolz formulierte.
Anlass für das Wiederaufflammen der Anti-Atomkraft-Bewegung ist die von der Bundesregierung geplante Verlängerung von Laufzeiten für Atommeiler, darunter Gundremmingen. Die von den Befürwortern angeführten Argumente seien "dummes Geschwätz", sagt Wittich, de facto gehe es nur um Zugeständnisse an die Atomlobby, damit diese weiter Gewinne einfahren könne.
Stichwort drohender Energie-Engpass: Deutschland habe im ersten Quartal 2010 mehr Strom exportiert als die sieben ältesten Atomkraftwerke produzieren könnten. Auch die Aussage, AKWs seien klimaneutral, sei eine Mär. "Beim Uran-Abbau und der Anreicherung wird unheimlich viel CO2 erzeugt." Größtes Problem sei aber die Endlagerung von Atommüll. "Und da ist überhaupt keine Lösung absehbar."
Die Kampagne verfolge ein konkretes lokales Ziel, sagt Michael Joukov, Ulmer Grünen-Stadtrat und Mitglied des Aktionsbündnisses. Bürger und Betriebe werden aufgerufen, zu Ökostrom-Anbietern zu wechseln. "Je mehr Menschen mitmachen, desto mehr geraten die auf Atomkraft setzenden Energiekonzerne unter Rechtfertigungsdruck."
Nächster Schwerpunkt des Bündnisses wird die Mobilisierung für eine Anti-Atomkraft-Demo am 18. September in Berlin sein.
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Autor: CHRISTOPH MAYER | 26.07.2010
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Lautstarker Protest gegen die Kernkraft: Mit symbolischen Atommüllfässern wollten Mitglieder des Aktionsbündnisses die Ulm/Neu-Ulmer »wachrütteln«.
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