AfD-Landtagskandidat postet rechtes Liedgut

Der frisch gewählte Ulmer AfD-Landtagskandidat Eugen Ciresa tritt prompt ins Fettnäpfchen: Auf seiner Facebook-Seite postete er ein Hass-Lied einer rechtsextremen Band. Aus Unwissenheit, wie er sagt.

CHRISTOPH MAYER | 1 Meinung

Das Lied „Schrei nach Liebe“ der Band „Die Ärzte“ ist auch 22 Jahre nach seiner Erstveröffentlichung noch ein Hit. Radiostationen in der gesamten Republik spielen das Stück angesichts brennender Flüchtlingsunterkünfte seit einigen Wochen rauf und runter. In dem Vier-Minuten-Song beziehen die Berliner Punkrocker Bela B. und Farin Urlaub deutlich („Arschloch!“) Stellung gegen Neonazis.

Von dem Stück existiert auch eine Persiflage, die in Video-Portalen im Internet zu sehen beziehungsweise zu hören ist und tausendfach geklickt wird. Sie stammt von den „Lustigen Zillertalern“, die früher unter dem Namen „Zillertaler Türkenjäger“ bekannt waren. Die Tonträger der Neonazi-Band stehen auf dem Index. Typisch ist das Umtexten bekannter Hits, die vielfach mit ausländerfeindlichen Texten versehen werden. Wobei die Gruppe aus gutem Grund anonym bleibt. Sowohl Produzenten als auch Musiker konnten bis dato nie zweifelsfrei ausfindig gemacht und somit auch nicht strafrechtlich belangt werden. Aus dem Ärzte-Song „Schrei nach Liebe“ wird bei den Lustigen Zillertaler „Bettelei um Hiebe“, Textauszug: „Du hast nie gelernt dein Land zu respektieren. Sie ist erbärmlich, deine Ahnungslosigkeit. Arschloch!“

Nur wenige Tage nach seiner einstimmig erfolgten Wahl zum Landtagskandidaten der Alternative für Deutschland (AfD) für den Wahlkreis Ulm hatte Eugen Ciresa das Hasslied auf seiner Facebook-Seite gepostet. Auf Anfrage der SÜDWEST PRESSE redet der 58-Jährige Elektroniker und AfD-Kreissprecher nicht um den heißen Brei herum. „Es stimmt, aber das war ein Versehen.“ Er habe kurz in das Lied hereingehört und sei zum Schluss gekommen, es handele sich um ein „lustiges Protestlied“ gegen die „Ärzte“. Als ihm wenig später infolge einer Internet-Recherche klar geworden sei, dass die Band rechtsextrem ist, habe er den Facebook-Eintrag wieder gelöscht. Ciresa verwahrt sich dagegen, in die rechtsextreme Ecke gestellt zu werden. „Blödsinn, ich sehe mich als Liberal-Konservativen.“

Dass der Allmendinger stramm national ist, hat er allerdings bei anderen Anlässen unter Beweis gestellt. Ciresa war einer von zwei AfD-Funktionären aus Baden-Württemberg, die im Frühjahr die sogenannte „Erfurter Resolution“ unterzeichneten. Dort wurde dem mittlerweile ausgetretenen Parteigründer Bernd Lucke „Verrat an den Interessen unseres Landes“ vorgeworfen. Auf Twitter kommentierte Ciresa jüngst ein Plakat der „Patriotischen Plattform“, Inschrift: „Stoppt die Flut“, mit den Worten „Was denn sonst“ und einem Smiley-Zeichen. Ein Plakat des AfD-Kreisverbandes Ulm/Alb-Donau zeigt Ciresas Konterfei neben der Überschrift „Wir lassen die Kirche im Dorf. . . und die Moschee in Istanbul.“

Bei der Nominierungs-Versammlung für die Wahlkreise 64 (Ulm) und 65 (Ehingen) im Allmendinger Sportheim wurde der Ulmer Daniel Rottmann ebenfalls einstimmig gewählt. Er tritt bei der Landtagswahl im März 2016 im Wahlkreis Ehingen an. „Beide Kandidaten betonten in ihren Bewerbungsreden, die Themen Innere Sicherheit, die aus dem Ruder gelaufene Asylpolitik und die abstruse Genderpolitik der grün-roten Landesregierung zum Wahlkampfthema zu machen“, heißt es in einer Mitteilung des AfD-Kreisverbandes.

1 Kommentar

23.09.2015 22:34 Uhr

AfD olé, olé, olé

Nix geblickt oder Absicht?
Beides gleich besch....
Passt aber beides perfekt zur "wir sein keine Nazis, aber"-Resterampe AfD.

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