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Abgerissen: Die Magirus-Villa ist weg

Kein anderer Abriss eines Hauses hat Teile der Ulmer Gemüter zuletzt so bewegt wie jener der Magirus-Villa auf dem Galgenberg. An den Tagen nach Ostern ist das Gebäude aus dem Stadtbild verschwunden.

HANS-ULI THIERER | 12 Meinungen

„Dieses Haus war über Jahrzehnte mit dem Namen Eiselen verbunden. Diese haben zwar nicht die Drehleiter erfunden, sich dafür aber als angesehene Unternehmer mit Brot beschäftigt. In diesem Haus begeisterte in nächtelangen Diskussionen der unvergessliche Professor Josef Gabriel Knoll – erster deutscher Wissenschaftler nach dem Krieg bei der Food and Agricultural Organization – Vater und Sohn Eiselen dafür, einen Großteil ihres Vermögens für den Kampf gegen Hunger in der Welt einzusetzen. Daraus entstand die Vater und Sohn Eiselen-Stiftung.“

Worte von Edith-Karla Eiselen, verfasst Ende Februar. Sie ist die Witwe von Hermann Eiselen, dem vormaligen Besitzer des in den 1920er Jahren durch einen Sohn des Drehleiter-Erfinders Conrad Dietrich Magirus’ erbauten Wohnhauses auf dem Galgenberg, das zuletzt als „Magirus-Villa“ heftige Dispute ausgelöst hat. Dazu gehören neben Aktionen einer Bürgerinitiative, die sich vergeblich um des Erhalt des nicht denkmalgeschützten Hauses bemüht hat, nicht zuletzt Vorhaltungen, die die Witwe Eiselen dem Käufer Norbert Schlegel macht. Sie reichen von der Beschuldigung, Schlegel habe sich das Haus mehr oder weniger erschlichen, bis zum Vorhalt, die Magirus-Villa werde – da an ihrer Stelle acht Luxusappartements in bester Lage entstehen – eiskalter Profitgier geopfert.

Schlegel hat diese Verdächtigungen in einem Interview mit der SÜDWEST PRESSE zurückgewiesen und seinen Kritikern seinerseits vorgeworfen, mit Falschinformationen hausieren zu gehen. An der Rechtmäßigkeit seines Vorgehens und in der Sache selber habe es für ihn eh nicht einen Zweifel gegeben: Auf den Abriss eines nicht geschützten Gebäudes folge auf Basis von erteiltem Baurecht durch die Stadt der Neubau eines von der höheren Denkmalschutzbehörde in Tübingen zwar als überdimensioniert eingeschätzten, aber deswegen nicht gestoppten Appartementhauses.

Inzwischen sind dafür handfeste Fakten geschaffen. In der Fürsteneckerstraße fuhren gleich nach Ostern Bagger und Abrissbirne auf. Innerhalb von zwei Tagen war das 90 Jahren alte Gebäude vom Erdboden verschwunden. Erhalten bleibt außer einem Teil des alten Baumbestandes nichts.

Auch eine Initiative des in dieser Angelegenheit bis zuletzt streitbaren Dr. Hans-Walter Roth lief ins Leere. Der CDU-Stadtrat hatte dafür geworben, als Relikt die Eingangstür, durch die angeblich Persönlichkeiten wie Albert Schweitzer geschritten sei sollen, zu erhalten und in den Neubau zu integrieren. Investor Schlegel indes hatte schon zuvor im Interview mit der SÜDWEST PRESSE angekündigt, dass er keinerlei Gesprächsbedarf sehe.

Jetzt baut das Ulmer Unternehmen Casa Nova das „Open House Fürsteneckerstraße“. Es werde – wie es auf der entsprechenden Seite im Internet heißt – modernen und exklusiven Wohnansprüchen genügen und höchste Klimaanforderungen erfüllen.

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12 Kommentare

12.06.2013 11:57 Uhr

So hörte Sie sich an, die alte Lady

Kurz vor ihrem Abriss bekam ich freundlicherweise die Genehmigung, die alten Räumlichkeiten der “nun” ehemaligen Magirus Villa aufzunehmen. Wer also noch einmal wissen möchte, wie es dort geklungen hat den bitte ich einfach rein zu hören. Viel Spass.

http://www.klang-manufaktur.de/so-horte-sich-die-alte-magirus-villa-an

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04.04.2013 20:51 Uhr

Krokodilstränen

Da werden Krokodilstränen geweint wegen einem alten Kasten, dessen Architektur alles andere als einmalig war. Andererseits wird jetzt mehr dringend benötigter Wohnraum geschaffen. Die Bezieher dieser Wohnungen machen meist andere Wohnungen frei. Eine Bebauung und Nachverdichtung ist allemal besser als eine Zersiedelung freier Landschaft. Die Bürger in der Fürsteneckstrasse werden doch auch mit diesem Neubau weiter schön wohnen.

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05.04.2013 09:37 Uhr

Antwort auf „Krokodilstränen”

Machen Wohnungen frei?
Wo leben sie eigentlich?
Es geht hier um exklusive Wohnungen im Hochpreissegment.
Da herrscht in Ulm kein Mangel. da wird eifrig gehandelt und richtig Geld verdient.
Wo es klemmt, ist der soziale Wohnungsbau. Hier fehlen auf Jahre hinaus hunderte von Wohnungen.
Die "freiwerdenden" Wohnungen gehören sicher nicht in diese Kategorie.
Womöglich liegt es daran, dass im sozialen Wohnungsbau keine derartigen Renditen zu erzielen sind, wie bei Luxuswohnung am Galgenberg.
Der so genannte "alte Kasten" hat(te) historische Bedeutung für Ulm.
Doch was schwerer wiegt, ist die Tatsache das Stadtverwaltung dem ganzen Unrecht tatenlos zusah.
Passives Händewaschen in Unschuld hat schon Pontius Pilatus zu einem unrühmlichen Platz in der Geschichte verholfen.
Herr Gönner und seine Verantwortlichen Resort-Leiter, dürfen sicher sein, dass auch ihre Haltung in Ulm unvergessen bleibt.
Es wird Zeit, dass sich die Sozialdemokratie in Ulm einen Nachfolger für Ivo Gönner sucht.

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04.04.2013 18:39 Uhr

@ Gärtner

"Das Denkmalamt hatte mal wieder politisches Muffensausen und geschichtliche Blackouts."

Ja - und bei den Privaten wird umso mehr schikaniert, denn die haben meist nicht die Option, ab zu reißen.

Die Kleinen hängt man...

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04.04.2013 17:18 Uhr

Begriffsstutzig?

Anscheinend haben hier einige den Beitrag erst gar nicht gelesen, bevor sie zum kommentieren übergingen.
Der letzte Willen, von Hermann Eiselen, war ausdrückliche Wunsch, dieses Haus mit dem Stiftungsvermögen zu erhalten.
Der Verkauf ohne diesen Vorbehalt wäre demnach ein klarer Verstoß gegen diese Vorgabe.
Deshalb hat Frau Eiselen nun rechtliche Konsequenzen gezogen.
Die Villa hatte einen hohen kulturellen Wert, durch ihre vormalige Nutzung als Museumsgebäude für das Brotmuseum.
Dieses Museum hat internationale Bedeutung und die abgerissene Villa ist damit eben Teil der Ulmer Geschichte.
Doch so lange Immobilienspekulanten noch von der Stadtverwaltung gefördert und gehätschelt werden, wird historische Bausubstanz immer zugunsten von profitträchtigen Neubauten weichen müssen.
Das Denkmalamt hatte mal wieder politisches Muffensausen und geschichtliche Blackouts.
Schade dass dort so wenig Rückgrat zu finden ist, dafür im Rathaus umso mehr an der falschen Stelle (S21).

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04.04.2013 17:20 Uhr

-

Natürlich muss es " war der ausdrückliche Wunsch" heißen.

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04.04.2013 11:42 Uhr

So denkmalwürdig ist diese alte Villa

nun auch wieder nicht gewesen. Man sollte es Hausbestiztern nicht immer so schwer machen, sich von so einem alten Glumb zu trennen, schließlich wird nun auf dem Gelände mehr und modernerer Wohnraum geschaffen.

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04.04.2013 10:24 Uhr

Sorry, Schreibfehler

Muss natürlich richtig heißen: ...wenn Sie einmal dieses Alter erreichen sollten ...

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04.04.2013 10:22 Uhr

Was hat das alles mit "Alt68'er/Rentnern" zu tun?

Sollte dieses tendenziöse Gelaber wirklich Ihrer Meinung entsprechen, so freue ich mich darauf, wenn sie einmal in dieses Alter erreichen sollten ... 😊

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04.04.2013 08:57 Uhr

Da wird eine "0815 Hütte",

die irgendwo in Deutschland steht abgerissen. Na und.

Aber keine Panik für den gelangweilten "deutschen Michel" (Alt68`er/Rentner), denn Ersatz ist schon da. Ein oller Fernsehturm, den eigentlich auch keine Sau mehr interessiert. Und was noch viel besser daran ist als in Ulm, dafür gibt es schon ein Button zum anstecken. Also los, hohlen und anstecken. Anschließend durch die Fussgängerzone laufen um anerkennendes Kopfnicken und Blicke auszutauschen zwinkern

Ihr habt ja sonst nicht zu tun. Anderst wo kämpft man um Nahrung Trinkwasser und med.Versorgung. In Deutschland um olle Hütten und Fernsehtürme.

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04.04.2013 08:35 Uhr

Fragen

Die Neu-Ulmer Zeitung hat bereits gestern über den Abriss der Magirusvilla berichtet (http://www.augsburger-allgemeine.de/neu-ulm/Nachruf-auf-ein-ungewoehnliches-Haus-id24685821.html), ebenso die Schwäbische Zeitung (das ist in der Online-Ausgabe aber nicht zu finden). Meine Fragen an die SWP:
1. Kannten Sie den Abrisstermin Osterdienstag?
2. Warum haben Sie nicht schon gestern über den Abriss berichtet, so wie die beiden anderen Lokalzeitungen?
3. Hätten Sie ohne die Berichte der anderen Zeitungen überhaupt über den Abriss berichtet?

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03.04.2013 23:20 Uhr

Vollendete Tatsachen

Auch wenn das alte Haus in Trümmern liegt, kann dieser Vorgang allen Ulmern eine Lehre sein.
Falls sich vor Gericht herausstellt, dass der Verkauf des Hauses aus dem Stiftungsbesitz unrechtmäßig war, also entgegen dem ausdrücklichen letzten Willen von Hermann Eiselen, so stehen alle diejenigen mit einem Gesichtsverlust da, welche passiv oder aktiv dieses Unrecht unterstützten.
Eine Schande für Ulm, sind derartige Praktiken allemal.
Doch so lange die "Obrigkeit" ihre schützenden und frisch in Unschuld gewaschenen Hände, über derartige Immobiliendeals hält, so lange muss sie sich fragen lassen, ob der jährliche Schwur noch gerechtfertigt ist.

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