Anti-ACTA Demo in Ulm

Ulm.  Mehr als 1000 Leute haben sich für eine Demonstration am Samstag in Ulm angemeldet. Sie wollen das ACTA-Abkommen stoppen und damit eine Stärkung des Urheberrechts verhindern. Musiker bangen um ihr geistiges Eigentum.

Im Internet wächst der Widerstand gegen einen Vetrag, der die Durchsetzung des Urheberrechts international verankern soll. ACTA (deutsch: Handelsabkommen zur Abwehr von Fälschungen) soll nun sogar "offline" Tausende auf die Beine bringen: In bundesweit 54 Städten wird am Samstag gegen das so genannte "Anti-Piraterie Abkommen" demonstriert, alleine in Ulm haben sich mehr als 1000 Menschen für die Kundgebung auf dem Münsterplatz angemeldet.

"Wir sind auf 500 Leute oder mehr vorbereitet", sagt David Dorst, Pirat und Mitorganisator der Demo und scheint selbst überrascht zu sein über diese Zahl. Warum das spröde Thema "Urheberrecht" europaweit Demonstranten auf die Straßen treibt, kann er sich kaum erklären. Eigentlich, sagt er, ist das Thema gar nicht so dramatisch. "Da war auch viel Polemik dabei." ACTA, so viele Kritiker, sei eine Gefahr für die Freiheit im Internet. Befürworter halten ACTA für wichtig, um Verstöße gegen das Urheberrecht einzudämmen.

Einer, der die Initiative unterstützt, ist Musiker und Produzent Hermann Skibbe. "Ich möchte selber darüber entscheiden, wo meine Sachen erscheinen. Das Internet ist wie ein Schaufenster: Man kann Sachen anschauen, aber mitnehmen darf man sie nur, wenn man auch dafür bezahlt." Konzertmitschnitte bei Youtube, Musikkonsum über Streaming-Sites oder der unerlaubte Download von Songs - für Skibbe ist das Diebstahl. "Ich muss als Urheber ja geradezu  rechtfertigen, dass meine Arbeit was wert ist." Und, fügt er hinzu: "Musik hat ihren Wert verloren."

Nach geltendem Recht ist persönliches geistiges Eigentum geschützt. Aber, sagt der Kölner Anwalt und Urheberrechtler Mathias Dieth: "Die Akzeptanz für das Urheberrecht fällt immer weiter. Es wird zunehmend schwerer, das durchzusetzen." Der Grund dafür liege aber in der Sache selbst: "Unser Urheberrecht atmet den Geist des 19. Jahrhunderts. Damals war der arme Poet das Leitbild und alle Erzeugnisse Unikate. Aber es gab eben auch noch kein Internet. Heute ist alles allverfügbare Massenware geworden."

Ein Kompromiss wäre nach Meinung des Juristen eine pflichtmäßige Abgabe, eine Musiksteuer oder auch Kultur-Flatrate. Das meint auch Pirat David Dorst: "Wir wollen ja gar nicht, dass im Internet alles frei ist. Eigentlich ist unser Hauptproblem die fehlende Transparenz des ganzen Verfahrens."

Weitere Informationen zu ACTA finden Sie hier.
Den Text zu ACTA auf deutsch gibt es hier.

Kommentare (1)

11.02.2012 12:49 Uhr |   Ralf Rath

Einfaltspinselei gefährdet ACTA zutiefst

Einem internationalen Abkommen wie ACTA kurzerhand vorzuwerfen, es legalisiere per Federstrich die gemäß dem bereits inkraft befindlichen Urheberrecht ohnehin unzulässige Praxis, indem es den Begriff privaten Eigentums in dessen Gegenteil verkehre und sämtliche Äußerungen des Einzelnen schütze, auch wenn sie nicht die notwendige Schöpfungshöhe allen geistigen Arbeitens erreichen, bleibt auch künftig nicht mehr überbietbare Einfaltspinselei.

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Autor: DANA HOFFMANN | 09.02.2012

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