500 Flüchtlingskinder machten bei "Farben ohne Grenzen" mit

„Farben ohne Grenzen“ ist ein Kulturprojekt. Ulmer Flüchtlingskinder malten dabei in der Römerstraße und in der Friedrichsau. Die Bilder der Kinder und Jugendlichen sind zwei Wochen lang im Roxy zu sehen.

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Wie malt man mit Flüchtlingskindern? Vielleicht einen Klecks Gelb und einen Klecks Blau auf ein Papier setzen? Und dann dem Kind zeigen, wie man mit einem Schwamm eine neue Farbe mischen kann? Christine Wild von der Kunstschule Kontiki hat das mit einem Dreijährigen so probiert. „Und es hat ihn richtig geschüttelt vor Aufregung und Freude“, erzählt die Künstlerin, die direkt bei der Flüchtlingsunterkunft in der Römerstraße mit Kindern malte. Der kleine Junge krakelte anschließend noch mit einem Pinselstiel schwarze Spuren in das Bild. Fertig war das Kunstwerk, das jetzt in der Ausstellung „Farben ohne Grenzen“ im Roxy zu sehen ist, die einen kleinen Einblick in die kreative Arbeit mit minderjährigen Flüchtlingen in Ulm gibt.

Fast 500 Teilnehmer zwischen 3 und 17 Jahren haben gemalt, getont, gesägt, geschnitzt und vor allem gespielt. Zehn Künstler gaben Anleitungen ohne Worte und übten gleichzeitig Verhaltensregeln. „Jeden Tag eine neue“, sagen sie. Denn die Flüchtlingskinder sind teilweise beides: scheu und wild, zurückhaltend und ungebremst. Während der Ausstellungseröffnung enterten einige das kleine Podest mit den präsentierten Holzautos und fingen an zu spielen. Ein Mädchen wollte unbedingt ein Puppenbett durch den Eingang eines Holzhäuschens schieben. Aber das Bett passte nicht durch. Das Holzhäuschen konnte gerade noch vor dem Zusammensturz gerettet werden.

Kontiki-Leiter Mirtan Teichmüller präsentierte zu Beginn seiner Mini-Eröffnungsrede einen Spielzeugbauwagen. Ein Lachen des Wiedererkennens ging dabei durch die Reihen der etwa 50 Flüchtlingskinder, die zur Vernissage gekommen waren. Als dann der Filmtrailer mit Arbeits- und Spaßszenen aus der Friedrichsau lief, mussten die jungen Zuschauer verschämt kichern, weil sie sich erkannten. Vom 23. Juli bis 12. August jeweils donnerstags bis samstags von 14 bis 15:30 Uhr stand in der Friedrichsau der „MalwasWagen“ mit den Malutensilien. Dem Spiel mit Farben folgte das Spielen auf der Spatzenwiese. Dabei schlossen die Kleinen die beiden Praktikantinnen Tanja Forderer und Maria Tielesch ins Herz, die bei der Vernissage regelrecht belagert wurden.

In der Ausstellung fällt ein Band mit Flaggenbildern auf. Die meisten Flaggen haben Streifen in Schwarz-Rot-Gold. Auch ein Holzauto wurde in diesen drei Farben bemalt. Dazu muss man wissen, dass die Flaggen zu einer Zeit entstanden, als noch keine Wir-danken-Angela-Merkel-Plakate in Fernsehkameras gehalten wurden. Man sieht auch düstere Bilder. Oder leere Häuser. In Wasserbildern schwimmen Fische. Oder auch mal Menschen. Man habe jedoch nichts aufarbeiten wollen, sagt Mirtan Teichmüller: „Wir wollten nicht rückwärts schauen, sondern nach vorne“. So können die dunklen Bilder eine Stimmung verraten, aber auch das Ergebnis endloser Farbmischerei sein.

Trotzdem äußert sich in den gezeigten Arbeiten ein Bedürfnis nach Heimat. Am auffälligsten ist das bei den von Jörg Eberwein betreuten Holzarbeiten. Dort hatten die Kinder zunächst nur einen Haufen Material zur Verfügung. Sie bastelten daraus Häuser und Fahrzeuge. Und malten sie in den Sehnsuchtsfarben Schwarz-Rot-Gold an.

Das Projekt wurde vom Land gefördert

Das Projekt Die Kunstschule Kontiki, das Roxy sowie die Koordinierungsstelle Internationale Stadt führten vom März bis September 2015 das Kulturprojekt „Farben ohne Grenzen“ durch. Finanziert wurde es vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst, dass das Ulmer Projekt als eines von 19 aus 155 Vorschlägen ausgesucht hatte.

Teilnehmer 500 Kinder und Jugendliche im Alter von 3 bis 17 Jahren nahmen daran teil. Sie wurden von 10 Künstlern angeleitet.

Ausstellung Die Ausstellung mit den entstandenen Werken ist bis 25. September im Roxy zu sehen: Di-Fr 14-19 Uhr.

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