50 Jahre Jazzkeller: Der erste Sauschdall

Der Sauschdall wird 50. Dabei sah es so aus, als überlebt der Jazzclub nicht die ersten Wochen. Denn an der ersten Adresse am Saumarkt war bald klar: Die Räume sind zu feucht. Wie sieht es heute dort aus?

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50 Jahre ist es her, dass Eberhard Lorenz in diesem Keller stand. Lorenz dürfte Ulmern eher wegen seiner politischen Arbeit bekannt sein, als dass er Kellerräume aufsucht. Doch an diesen Keller hat er nur die besten Erinnerungen: Schließlich bekamen er und eine Handvoll junger Leute vor 50 Jahren den Schlüssel zu jenen Räumen im Gemäuer der "Bastion Lauseck" in die Hände gedrückt, die an den Saumarkt angrenzen und von dem sich der Name für den jetzigen Jazzkeller ableitet: Sauschdall.

Der Name ist zwar geblieben, der Ort des Clubs längst ein anderer, nämlich in der Prittwitzstraße. An diesem Wochenende feiert der Club dort sein 50-Jähriges.

50 Jahre Sauschdall - am Anfang des Jahres 1963 sah es so aus, als kämen die jungen Leute, die Jazz liebten, in der Bastion Lauseck unter. Diese jungen Leute hatten Probe- und Konzerträume gesucht. Wie gut, dass es einen "Ulmer Jazz Ausschuss" als Asta-Referat gab. Laut Lorenz habe der damalige Asta-Vorsitzende versprochen, dass er einen Jazzkeller schafft. Nur: Wie sich bald herausstellte, waren die Räume in der Bastion Lauseck zu feucht.

Deswegen trägt an diesem Tag im Herbst Herbert Häußler vom Geäudemanagement der Stadt Ulm den Schlüssel für die unscheinbare Eingangstür mit sich herum. Er sperrt die Tür auf, die in der Mauer verborgen ist und über die Efeu wächst. Innen hängen dicke Spinnweben von der Decke. Die Lampen sind kaputt, es riecht muffig, Weinkisten rotten vor sich hin. Wie gut, dass Häußler eine Taschenlampe dabei hat. Lorenz will die Räume wieder sehen, auch um Dokumentationen für den Sauschdall damit zu bestücken. "So genau weiß ich das alles nämlich nicht mehr", sagt er.

Doch an die großen Räume und vor allem den "wunderbaren Boden" kann er sich erinnern. Im ersten Raum dringt kein Tageslicht herein, nur der Taschenlampenstrahl von Häußler erhellt das Gemäuer, durch das sich meterbreit dunkler Schimmel zieht, Blätter und Schutt liegen auf dem Boden. Lorenz fotografiert. Im zweiten Raum wird Lorenz fündig: "Dieser Boden", schwärmt er. "Da hätten wir nichts machen müssen, nur fegen und schon wären das prima Konzerträume gewesen." Schwarz-weiße Fließen sind es, die Lorenz begeistern und die alle unzerstört sind.

Und Lorenz freut sich - verhalten, wie das so seine Art ist -, als er den Aufdruck an der Wand "Rauchen verboten" entdeckt. Genau wie auf jenem Bild, das vor 50 Jahren jemand von der Wand plus Lorenz geschossen hat. Unverändert sind Aufdruck und Räume. Und, wie in Lorenz Erinnerung, "schön groß, größer als in der Prittwitzstraße". Der Sauschdall in der Innenstadt sei viel idealer gewesen, als jener in der Prittwitzstraße, ist Lorenz überzeugt. "Die Anwohner hätten nichts gehört. Wir hätten mehr Laufpublikum gehabt."

Die jungen Leute hatten damals alles hergerichtet, es war kurz vor der Installation der Toiletten, als sich herausstellte: Im Keller ist es zu feucht. Kondenswasser sei von oben in die Räume gedrungen. Lorenz: "Das hat uns geärgert. Wir, angehende Ingenieure, haben gedacht, dass wir das in den Griff bekommen." Sie haben ausprobiert, Professoren gefragt - es war nichts zu machen. Feuchte Luft innen, Wasser, das von den Wänden rann, keine Abzugsmöglichkeit - bevor der Sauschdall eröffnete, war er wieder zu. Hat dort jemals eine Band gespielt oder geprobt? Lorenz: "Ich weiß das nicht mehr genau." Er habe damals studiert und musste Geld verdienen, als Bademeister im Stadtbad. "Ich hatte nicht die Zeit um ständig im Sauschdall zu sein."

Toiletten sind heute so wenig wie vor 50 Jahren installiert. Aufdrucke an den Wänden zeigen, dass die Räume im Zweiten Weltkrieg der Luftschutzbunker für Anwohner des Fischerviertels waren.

Was wird damit künftig passieren? Häußler: "Damit kann man nichts machen. Es ist feucht." Die Räume wären als Lager geeignet, aber mit dem Auto komme man nicht dorthin.

Also sperrt Häussler wieder hinter sich ab. Und Lorenz ist um diese Gewissheit reicher: "Die Räume sind wirklich größer als in der Prittwitzstraße. Einfach schön."

Warum die Bastion Lauseck entstand - Kleines Festival
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