50.000 Euro für neues Ulmer Schulprojekt

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Mit der „Lernkaskade“ startet in Ulm ein besonders Modellprojekt der Schülerförderung, das bundesweit bereits beachtliche Erfolge erzielt hat. Die Stiftung Ravensburger Verlag fördert dies mit zunächst 50.000 Euro. Zunächst startet die Initiative an der Albert-Einstein-Realschule und der Ulrich-von-Ensingen-Gemeinschaftsschule. Weitere sollen folgen, eine dritte Schule steht schon kurz vor der Zusage.

Oberbürgermeister Gunter Czisch brachte es am Montag bei der Vorstellung im Rathaus auf den Punkt: „Es geht darum, dass ältere Schüler jüngeren helfen.“ Wobei die „Lernkaskade“, die vom gemeinnützigen Verein „Chancenwerk“ im Ruhrgebiet gegründet wurde, noch ein wenig ausgefeilter funktioniert. Studenten, gerne mit Schwerpunkt Lehramt, schulen dabei – für eine kleine finanzielle Unterstützung – Neuntklässler zweimal wöchentlich in 90-minütigen Intensivkursen. Das Besondere: Im Gegenzug unterrichten diese Neuntklässler wiederum Schülerinnen und Schüler der 5. Jahrgangsstufe, etwa in Hauptfächern wie Mathematik, Deutsch oder Englisch.

„Unsere Tauschwährungen“, so der Chancenwerk-Vorsitzende Murat Vural, „sind Wissen und Zeit, nicht Geld“. Dieses Kaskaden-Prinzip erreiche mittlerweile wöchentlich 3000 Schüler in 55 Schulen und 25 deutschen Städten. In Ulm starten zunächst 80 Schüler mit dieser gezielten Lernförderung; bis nächsten Sommer könnten es bis zu 150 sein, so Vural. Tatkräftig unterstützt wird das Chancenwerk in Ulm von der Stiftung des Ravensburger Verlages. Deren Vorsitzende Dorothee Hess-Maier betonte, dass Ulm nach Stuttgart die zweite Stadt im Südwesten sei, in der die Lernkaskade laufe. „Ulm hat mit seinen Schulen, der Universität und seiner Größe die richtigen Rahmenbedingungen“, so Hess-Maier. Zunächst gebe die Stiftung 50.000 Euro, bei einem Erfolg sei aber auch an eine Fortführung gedacht.

Darüber konnte sich Markus Schneider, Vize der Albert-Einstein-Schule, freuen. In Elternabenden und Einzelgesprächen hatten er und sein Team für die neuen Förderkurse geworben. Vor allem lernschwache Kinder aus sozial schwierigen Milieus seien angesprochen, aber niemandem werde der Zutritt zu den Kursen verwehrt. Gut verdienende Eltern müssten einen höheren Beitrag einkalkulieren. Dazu OB Czisch: „Am Ende geht es darum, dass Kinder dieselben Chancen haben.

Diese neue Förderform verspricht Erfolg

Nachhilfe. Das klingt nach freudlosen Sitzungen, nach Vokabelpauken und Auswendiglernen. Jetzt rückt in Ulm eine Lernförderung in den Blickpunkt, die spannend zu werden verspricht. Bei der Lernkaskade, die an zwei Ulmer Schulen startet, unterrichten Studenten in 90-minütigen Intensivkursen Neuntklässler, wohlgemerkt auf freiwilliger Basis. Diese wiederum geben ihr Wissen – in ihrer Sprache – an jüngere Schüler weiter. Wie in einer Wasserkaskade soll Wissen von oben nach unten rieseln, das klingt erfrischend.

Hier ist kein erhobener Zeigefinger im Weg, auch wenn die Kurse von pädagogischen Fachkräften begleitet und beaufsichtigt werden. Damit nicht das aktuelle Spiel auf der Playstation Ziel der fröhlichen Wissensweitergabe wird.Dazu kommt ein soziales Moment, welches durch die 50.000-Euro-Gabe der Ravensburger Stiftung ermöglicht wird. Die Teilnahme der rund 80 Ulmer Schüler an den Kursen ist kostenfrei, zumindest wenn sie aus einem förderungswürdigen Milieu stammen. Auch Mitschüler dürfen mitlernen, allerdings mit finanzieller Beteiligung ihrer Eltern.

Das klingt nach einer Chance, Ungleichheit in der Bildung abzubauen. Und nach Schülern, die – anders als Generationen vor ihnen – beim Wort Nachhilfe nicht gleich fliehen.

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