4000 Menschen demonstrieren gegen Atomkraft

Ulm/Neu-Ulm.  Unüberhörbar war er, der Protest jener Bürger, die Atomkraft ablehnen und einen schnellen Ausstieg fordern. Die Demonstration am Samstag war von einer breiten Bewegung getragen.

Keine Provokation, lautete die Devise. Keinen Ärger verursachen. Die Botschaft der Anti-Atomkraft-Demo sollte positiv rüberkommen, deshalb begann sie auch etwas später als die in anderen Städten – mit Rücksicht auf den Ulmer Wochenmarkt. Das Konzept ging auf: 4000 Menschen kamen am Samstag in Ulm zusammen, um den Druck auf die Bundesregierung zu erhöhen. Sie forderten, alle Atomkraftwerke abzuschalten und zwar sofort und endgültig. Ein unüberhör- und übersehbarer Massenauftritt – der nach übereinstimmenden Angaben von Veranstaltern und Polizei absolut reibungslos verlief.

Unterdessen kam die Ethikkommission in Berlin zu ihrer abschließenden Sitzung zusammen, sie hält einen Ausstieg im nächsten Jahrzehnt für möglich. „Zehn Jahre sind zehn Jahre zuviel, wenn man davon ausgeht, dass alle 20 ein Unfall passiert“, sagt Demonstrant Reiner Uhlenbrok (57). Als Geislinger wohnt er zwar nicht in unmittelbarer Nähe eines Reaktors, aber der selbständige Arbeitsvermittler fühlt sich dennoch bedroht.

Anna Burgheim (62) und ihre Enkelin Valentina (9) haben im Alltag ein Atomkraftwerk in Sichtweite: Gundremmingen. „Es ist immer gespenstisch, da vorbeizufahren“, sagt die Rentnerin aus Burgau, die mit ihrer Enkelin oft über Atomkraft spricht. „Die Oma erklärt ihr das.“ Und wenn die Oma, die sich selbst eine Alt-68erin nennt, zur Demo geht, möchte Valentina dabei sein.

In zwei Demonstrationszügen trugen die Atomkraftgegner ihre Forderungen durch die Doppelstadt. Der eine ging vom Bahnhof Neu-Ulm aus über Reuttier Straße und Herdbrücke zum Münsterplatz, der andere vom Theater über Olga- und Münchnerstraße sowie Neue Mitte dorthin. Ein Spektakel, getragen von Samba-Trommel-Rhythmen, Trillerpfeifen-Getöse, Gesang und dem kollektiven Ruf nach „Abschalten!“.

Organisiert wurde die Demonstration vom regionalen Aktionsbündnis „Atomausstieg jetzt!“, das von Umweltverbänden, Gewerkschaften, Parteien und anderen Organisationen getragen wird – und nicht zuletzt von vielen Einzelpersonen. Wie breit die Bewegung ist, zeigt auch die Liste der Redner: Es sprachen nicht nur alte Kämpfer aus der Anti-AKW-Bewegung und mit Franz Alt ein prominenter Kämpfer für erneuerbare Energien, es trat mit Gabriele Burmann auch eine Vertreterin der Evangelisch-Lutherischen Kirche auf und mit Ivo Gönner das Stadtoberhaupt.

Gönner griff die Verlängerung der Laufzeiten im vergangenen Jahr auf, die für die Stadtwerke ein Schlag ins Gesicht gewesen waren. „Das war wettbewerbswidrig und kontraproduktiv.“ Der Ulmer Oberbürgermeister ist überzeugt: Es gibt keine Energiewende ohne die Stadtwerke. Und er sagt in aller Deutlichkeit: „Von uns aus kann Gundremmingen morgen vom Netz. Wir stehen bereit. Die Politik sollte unser Angebot aufgreifen.“

Dekanin Burmann betonte: Diese Technologie „überfordert den Menschen in einem noch nie da gewesenen Maße“. Sie müsse beendet werden. Franz Alt fordert das gleiche mit anderen Worten: „Es gibt nur eine Lehre aus der Katastrophe: Raus aus dieser Technologie!“

Am Platz neben dem Theater, wo eine der Auftaktkundgebungen stattfand, war sich die Ordnerin Heimgard Bonzel übrigens nicht zu schade, den, wenn auch nur wenigen, herumliegenden Müll einzusammeln. Sie hob, kaum dass die Demonstranten weitergezogen waren, jeden Papierschnipsel vom Boden auf: „Wir wollen schließlich einen guten Eindruck hinterlassen.“


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Autor: REGINA FRANK | 29.05.2011

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