40 chinesische Artisten im Congress Centrum
Ulm. Vor 600 Zuschauern gastierte am Sonntag der chinesische Staatszirkus im Congress Centrum - ganz ohne Tiere, aber mit höchster Perfektion.
"Ni hao", sagt der Clown. "Ni hao", antwortet das Publikum. Ja, die Deutschen können chinesisch, spätestens seit den Olympischen Spielen. Wer es nicht weiß: Ni hao heißt "Hallo". So begrüßte der Clown die etwa 600 Besucher des Chinesischen Staatszirkus im Congress Centrum.
Der erste Eindruck: Das ist kein normaler Zirkus. Keine Manege, kein Stallgeruch, keine Tiere, kein Popcorn. Nein, einfach nur Menschen. Und was für welche! Die 40 besten Artisten Chinas treten an 160 Orten Europas auf, hauptsächlich in Deutschland. Was sie bieten, ist nicht etwa eine lockere Folge unterschiedlicher Akrobatik, sondern ein minutiös aufeinander abgestimmtes Programm. Dabei geht es um eine artistische Darstellung der 4000 Jahre alten chinesischen Kultur und Religion wie dem Buddhismus, dem Konfuzianismus und dem Taoismus, dessen Wesen den Mittelpunkt der Aufführung darstellte. Diese Religion, eher eine Philosophie, prägt das heutige chinesische Leben hauptsächlich. So wie das Geschehen der Welt einem Spannungsbogen gleicht, und das Untere oft das Obere ist, so präsentierten Bogenschützen ihre Künste im anatomisch umgekehrten Fall: Sie standen auf den Händen und spannten den Bogen mit den Füßen. In Seide gekleidete junge Damen entwickelten ungeahnte Kräfte und schufen Pyramiden mit bis zu neun Personen übereinander. Die Schlangenfrau Sun Quing Quing straft den Herrgott Lüge, indem sie demonstrierte, dass ein Mensch offenbar auch ohne Knochen auskommen kann. Und dann waren da noch die Sieben, die sieben Stühle treppenförmig gen Himmel stapelten, wobei jeder Stuhl vom Fuß eines Artisten gehalten wird, eine Höchstleistung der Balance.
All diese akrobatischen Vorführungen wurden durch eine Kinderstimme aus dem Off kommentiert und in die chinesische Weisheit des Taoismus eingeordnet. Beispiel: "Auch der größte Baum ist anfangs nur ein kleiner Spross. Und der schönste Tanz fängt an mit einem leichten Schritt." Die Musik hatte medialen Touch. Wer diese Aufführung gesehen hat, vermisst weder den Conferencier noch den Pferdedompteur oder die Elefantennummer.
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Autor: BEATE STORZ | 09.03.2010
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