25 Jahre Hospiz

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25 Jahre ambulanter Hospizdienst, 15 Jahre stationäres Hospiz und 10 Jahre ambulanter Kinder- und Jugendhospizdienst – dies hat das Ulmer Hospiz im vollen Stadthaus mit vielen Wegbegleitern und Unterstützern begangen. Eine klassische Feier war das nicht. Es waren eher bewegende und nachdenkliche, aber auch wachrüttelnde Momente.

Der Tod ist schwer fassbar, menschlich, philosophisch, religiös. Die Frage nach dem Danach beantwortet jeder für sich selbst, aber nicht immer im Sinne des Sterbenden. Wie ist mit einem Sterbenden umzugehen? Dazu bedarf es vieler Erfahrungen. Der Hauptreferent des Abends, Prof. Andreas Kruse von der Universität Heidelberg, Psychologe und Gerontologe,  ist ein anerkannter Fachmann auf seinem Gebiet und außerdem ein großer Verehrer und Kenner des Komponisten Johann Sebastian Bach. Er garnierte seinen Festvortrag mit passenden Musikstücken aus seinem reichhaltigen Bach-Repertoire, die er am Flügel spielte.

Die Phase des Sterbens ist bei jedem Menschen unterschiedlich lang. Sie solle von den Lebenden aktiv mitgestaltet werden, so schwierig das auch sei, sagte Kruse. Denn der Sterbende habe Bedürfnisse. Auch wenn er diese nicht mehr äußern kann, weil er todkrank oder dement ist. Kruse zufolge ist es unabdingbar notwendig, dass der Sterbende seine letzte Zeit in einem „schönen Umfeld“ verbringt, fernab von den Widrigkeiten des Alltags.

Auf Vorlieben eingehen

Der Hospizdienst müsse auf die spezifischen Vorlieben des Sterbenden eingehen. Wer Musik liebte, sollte Musik zu hören bekommen, wer gutes Essen liebte, darf keine Schonkost bekommen, und wer Literatur verehrte, sollte seine Lieblingsstücke vorgelesen bekommen – auch wenn die gesunden Angehörigen längst der Meinung sind, der Sterbende würde nichts davon mitbekommen. Wer weiß es schon? Kruse berichtete aus seiner Erfahrung, in solchen Fällen, kurz vor dem Tod, positive Regungen erfahren zu haben bei Menschen, die eigentlich schon lange zu keiner Regung mehr fähig gewesen seien.

Ebenfalls eine Beobachtung aus seiner Praxis: In der Endphase des Lebens verändern Menschen ihr Wesen. Wer hart war, kann weich werden und umgekehrt. Das überfordert Angehörige oft. Kruse hat Empfehlungen parat, die für den gesunden Menschen im Alltag schwierig nachzuvollziehen sind: „Man spürt, wenn es zu Ende geht“, sagt Kruse. Sofern der Sterbende geistig fit ist, solle er sich auf den Tod gut vorbereiten. Und genau dafür ist das Hospiz da: „Der Mensch sollte zuversichtlich seinem Ende entgegen treten. Nicht voller Angst.“ sto

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