1,3 Millionen Jahre Musiziertradition - Auszeichnungen für Amateurensembles

Die Zelter- und Pro-Musica-Plaketten werden an Chöre und Orchester verliehen, die eine 100-jährige Tradition haben - am Sonntag im Scharff-Haus.

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Die Zelter-Plakette der Bundesvereinigung Deutscher Chorverbände. Foto: bdc

Für diese Auszeichnung braucht man Durchhaltevermögen. Über Generationen hinweg muss ein Chor beziehungsweise ein Orchester bestehen: Und nach 100 Jahren haben dann die Chöre die Möglichkeit, sich für die Zelter-Plakette zu bewerben. Hat es ein Orchester in dieses biblische Alter geschafft, hat es Anspruch auf die Pro-Musica-Plakette. Vergeben werden beide Auszeichnungen alljährlich bei den Tagen der Chor- und Orchestermusik, die von der Bundesvereinigung Deutscher Chorverbände und der Bundesvereinigung Deutscher Orchesterverbände organisiert werden. Am Wochenende finden sie Ulm und Neu-Ulm statt.

Bundespräsidenten haben beide Plaketten gestiftet: Theodor Heuss die Zelterplakette 1956, Heinrich Lübke die Pro-Musica-Plakette 1968. Wenn der aus Berlin anreisende Kulturstaatsminister Bernd Neumann am Sonntag im Neu-Ulmer Edwin-Scharff-Haus die Plaketten überreicht, dann tut er das stellvertretend für den Bundespräsidenten. Und die Stadtkapelle Leipheim und die Sängerabteilung des TSV Bad Überkingen, vertreten alle anderen Chöre und Orchester, die in diesem Jahr auf eine 100-jährige Tradition zurückblicken können: 48 Orchester und Kapellen sowie 68 Chöre in ganz Deutschland.

Insgesamt 11 000 Zelter-Plaketten und knapp 2000 Pro-Musica-Plaketten wurden bislang vergeben. Multipliziert man diese Zahl mit 100 Jahren, ergibt das 1,3 Millionen Jahre deutscher Musiktradition. Nicht schlecht. Es reicht übrigens nicht aus, einfach die Gründungsurkunde aus dem Archiv zu kramen. "Verliehen werden die Plaketten für eine 100-jährige ungebrochene Tradition", erklärt Simon Pickel, der Generalsekretär der Bundesvereinigung Deutscher Chorverbände. Chöre und Orchester müssen nachweisen, dass sie auch 100 Jahre aktiv waren. Ausnahmen sind die Kriegsjahre und wenn der Antragsteller nachweisen kann, dass er von den Nationalsozialisten am Musikmachen gehindert wurde.

"Die Boomjahre sind vorbei", sagt Pickel. "Die meisten Gesangvereine wurden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gegründet." Und in den kommenden Jahren werde der Erste Weltkrieg spürbar. Pickel und sein Kollege Lorenz Overbeck vom Orchesterverband rechnen aber auch mit Ensembles, die sich in der Vergangenheit eher zurückgehalten haben, die weltlichen Ehrungen des Bundespräsidenten zu beantragen: Kirchenchöre und Posaunenchöre.

Und eines macht Pickel auch für die fernere Zukunft zuversichtlich: "Es gibt zwar Chöre, die Nachwuchssorgen haben. Aber insgesamt ist die Zahl der Menschen, die in Chören singen, stabil geblieben. Wer nicht in einem traditionellen Gesangverein singen will, der gründet eben einen neuen Chor." Und der darf dann in 100 Jahren den Antrag auf eine Zelter-Plakette stellen.

Info Der Festakt zur Vergabe der Zelter- und der Pro-Musica-Plaketten beginnt am Sonntag, 11 Uhr, im Edwin Scharff-Haus. Der Eintritt ist frei. Einlasskarten auch per E-Mail unter info@tagedermusik.de

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