1:0 für die Blockflöte

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György Róbert (Blockflöte) und Joseph Kelemen (Orgel) boten am Sonntagabend ein virtuoses Programm in der Kirche St. Johann Baptist Neu-Ulm. Kurz nach dem Abpfiff der deutschen EM-Partie und dem beginnenden lärmenden Autokorso versetzten die beiden Musiker die Zuhörer spannungsreich in eine barocke Klangwelt. Die regelmäßigen gemeinsamen Auftritte der Freunde, die beide in Budapest studiert haben, spiegelten sich in der kongenialen musikalischen Gestaltung wider.

Der Blockflöten-Virtouse Róbert, der an der Musikschule Budapest-Josefstadt lehrt, beherrscht meisterhaft die Vielzahl von Verzierungstechniken der Barockmusik,  die die Musik zum Erlebnis werden lassen. Der Neu-Ulmer Kirchenmusiker Kelemen ordnete sich dem Solisten unter, schaffte die Basis für das nuancenreiche Spiel des Freundes, trotzdem faszinierte seine schwerelose Orgelbegleitung. Es entstand der Eindruck, dass Kelemen geradezu ein wundersames Flötenregister auf seiner Orgel dazugewann.

Den Spannungsbogen erreichten die beiden Künstler mit einem raffinierten Programm der großen Meister: Canzonen von Frescobaldi und Montalbano sowie Sonaten von Marcello und Händel. Die kontrastreiche Gestaltung der Sonaten offenbarte das brillante Zusammenspiel der beiden Meister. Róbert wechselte hier auch schlau zwischen verschiedenen Blockflöten, um unterschiedliche Klangfarben darzustellen.

Bewusst verließ Róbert als Solist den Barock und spielte ungarische Melodien aus der Sammlung Béla Bartóks und Volksweisen für Flöte aus Ostungarn. Wunderschöne Melodien, rasende Tempi und unglaubliche Läufe zauberte er auf der Blockflöte, die ihm höchste Fingerfertigkeit abforderte. Kelemen spielte reich und trotzdem subtil registriert drei Orgelstücke von Pachelbel, Mufat und Kerll, die zeigten, dass die Barockkomponisten zu Recht auch heute noch ihren hohen Stellenwert besitzen. Die Zuhörer dankten mit großem Applaus und Bravorufen für ein vollendetes Musizieren.

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