150 Songs in zwei Tagen

Wenn heute Abend die neue Staffel der Castingshow "Voice of Germany" startet, dann ist auch ein Ulmer dabei - zwar nicht am Mikrophon, Patrick Wieland ist einer der beiden Gitarristen der Band.

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Sorgt für den guten Ton bei Voice of Germany: der Ulmer Gitarrist Patrick Wieland im Berliner Fernsehstudio. Privatfoto

"Voice of Germany" gilt als die seriöseste Castingshow im deutschen Fernsehen. Zum einen, weil die Juroren - Nena, Xavier Naidoo, Rea Garvey und The Bosshoss - selbst erfolgreiche Interpreten sind, zum anderen, weil sie in der ersten Runde, den so genannten Blind Auditions, nur die Stimme des Teilnehmers hören, also nach rein musikalischen Gesichtspunkten urteilen müssen. Überhaupt: die Musik. Die wird von den ersten Blind Auditions bis zum Finale live gespielt - von einer fünfköpfigen Band, zu der auch der Ulmer Gitarrist Patrick Wieland (43) gehört.

Wobei live relativ ist. Denn die ersten zwei Runden - die Blind Auditions und die Battles, in denen die Kandidaten gegeneinander antreten - werden als Aufzeichnungen ausgestrahlt. "Wenn also heute die neue Staffel beginnt, dann sitze ich zu Hause auf meinem Sofa", sagt Wieland. Klingt beschaulich. Die Aufzeichnungen waren es dagegen nicht, vor allem die Blind Auditions waren der pure Stress für die Musiker. "Insgesamt treten da 150 Kandidaten an. Das heißt: Die Band muss sich auch 150 Songs draufschaffen."

Das Problem: Dafür haben die Musiker ganze zwei Tage Zeit. "Das sind zehn Minuten pro Song", sagt Wieland, "oder zwei Durchläufe". Einmal ohne Kandidat, einmal mit. Beim dritten Mal läuft schon die Kamera mit. "Da kommt man als Musiker an seine Grenzen", sagt Wieland. Zwar haben die Musiker so genannte Leadsheets vor sich, einfache Notierungen mit Harmonien, Melodie und wichtigen Instrumentalpassagen, "aber nach 150 Songs erinnert man sich kaum noch daran, wie die einzelne Nummer geht", sagt Wieland. "Das ist dann schon abenteuerlich, wenn man den Song vor laufender Kamera spielt und sich erst nach ein paar Takten erinnert, wie die Nummer eigentlich klingen soll."

Das geht nur mit hervorragenden und vor allen Dingen erfahrenen Musikern. Und die hat sich Lillo Scrimali, der Keyboarder der Fantastischen Vier und musikalische Direktor von "Voice of Germany", zusammengesucht. Am Schlagzeug sitzt Flo Dauner, der Sohn Wolfgang Dauners, der auch bei den Fantas trommelt, den Bass spielt Michael Pauckner, und der zweite Gitarrist neben Patrick Wieland ist ein ganz alter TV-Hase: Philip Niessen, der jahrelang bei den Heavytones, Stefan Raabs TV-Total-Band, spielte.

"Wenn man so will, sind wir eine Cover-Band - allerdings eine auf recht hohem Niveau", scherzt Wieland. Und wie definiert er dieses Niveau? "In dieser Band weiß jeder ganz genau, was er wie tun muss, wir müssen da nicht über den Groove reden. Keiner spielt zu viel, keiner zu wenig. Das passt einfach alles." Und das ist in Popbands keineswegs selbstverständlich - zumal es keine ausgeschriebenen Arrangements wie etwa in Big Bands gibt.

Doch nicht nur musikalisch werden den Musikern Höchstleistungen abverlangt - auch körperlich: "Bei den Proben für die Blind Auditions steht man 13, 14 Stunden pro Tag im Studio", erzählt Wieland. "Da wird die Gitarre schon mal zur Last." Wobei Wieland mit seiner etwa 3,5 Kilogramm schweren Telecaster noch gut bedient ist, Philip Niessen spielt eine Gibson Les Paul, die gut fünf Kilo auf die Waage bringt.

Doch wie wird man überhaupt Gitarrist in einer solchen Band? "Das lief alles über Lillo Scrimali. Den kannte ich, weil er mal bei Joo Kraus Advanced Combo Funk als Tastenmann aushalf", erklärt Patrick Wieland. Scrimali holte Wieland in die Liveband der Fantastischen Vier und hatte auch schon im vergangenen Jahr wegen der ersten Staffel von "Voice of Germany" bei dem Ulmer angeklopft. "Das war damals aber zu kurzfristig", sagt der Gitarrist, der mit Weeland nicht nur seine eigene Band umtreibt, sondern auch als Dozent an einem Musikgymnasium in Basel arbeitet. "In der Musik läuft viel über die Kontakte, man muss sein Netzwerk aufbauen und pflegen", sagt der Ulmer. Dann sei es auch egal, in welcher Stadt man lebt. "Denn kein Musiker spielt hauptsächlich in seiner Heimatstadt." Das ist auch in der Band von "Voice of Germany" so. Zwar werden die Sendungen in Berlin produziert, von den Musikern lebt aber keiner in der Hauptstadt. Apropos Berlin. Da muss Wieland wieder Mitte November hin. Denn die Finalsendungen werden tatsächlich live ausgestrahlt. "Wenn man uns dann spielen hört, ist das eins zu eins. Wenn da was schiefgeht, geht es auch über den Sender."

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