120.000 Euro für Brandschutz im Westringtunnel

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Fuß runter vom Gas: Um das Unfallrisiko zu senken, gilt im Tunnel seit Mittwoch Tempo 30.  Foto: 

Der Westringtunnel hat einiges mitmachen müssen in den letzten paar Wochen – zu viel: Am 25. November reißt ein zu hoher Lkw einen Teil des Brandmeldekabels herunter. Tags darauf rammt der Fahrer eines Kleinlasters die Tunnelwand und beschädigt Teile der Videoüberwachung und der Rauchmeldeanlage, der Fahrer war vermutlich am Steuer eingeschlafen. Und in der Nacht auf Sonntag schließlich rast ein wohl Betrunkener auf den Tunnel zu, verliert die Kontrolle über sein Auto, überschlägt sich an der Einfahrt und verletzt sich schwer (wir berichteten).

„Der hat uns da alles samt Fundament rausgerissen“, sagt Ute Metzler von der städtischen Verkehrsplanung. Alles, das heißt die Steuerungselektronik sowie die Schranken, die den Tunnel im Notfall schließen. „Wir haben deshalb das Tempo auf 30 Stundenkilometer reduziert.“ Zum einen, um das generelle Unfallrisiko zu minimieren. Zum anderen für den Fall, dass Menschen bei Gefahr in die andere Tunnelröhre flüchten müssen. Die Geschwindigkeit wird wohl über die Reparaturarbeiten hinaus noch eine Weile beschränkt bleiben.

Immer wieder wird die Sicherheitstechnik des Tunnels malträtiert. Das hat zweierlei Ursachen. Gegen die erste, dass nämlich der Tunnel nicht überall die vorgeschriebene Durchfahrtshöhe von 4,50 Meter hat, kann die Stadt nicht viel tun: Trotz der Höhenbegrenzung auf vier Meter fahren täglich etwa 40 zu hohe Lastwagen in den Tunnel ein, berichtet Metzler. Und das, obwohl ihre Höhe vor der Einfahrt gemessen wird und sie mit blinkenden, roten Signalen auf die Überschreitung hingewiesen werden.

Das zweite Problem, das aus dem ersten entsteht, geht die Stadt jetzt an: Anstelle nur eines zentralen Brandmeldekabels, das in der Tunnelmitte verläuft und das immer wieder heruntergerissen wird, werden jetzt zwei eingebaut und links und rechts an der Decke geführt – wo die Lkw kaum drankommen dürften, erklärt Gerhard Fraidel, Leiter der Abteilung Verkehrsinfrastruktur im städtischen Baudezernat.

Doch das kostet und dauert: „Dieses Kabel ist sehr teuer und nicht einfach zu bekommen.“ 600 Meter braucht die Stadt, alle 50 Zentimeter liegt ein Sensor. Dazu braucht es einen zusätzlichen Leitrechner für den neuen Strang. Kosten: 120 000 Euro. Am Montag will Fraidel einen Spezialmonteur beauftragen, der das Zentralkabel erstmal wieder zusammenflickt. Zur Not gibt es auch noch mechanische Brandmelder, sprich Knöpfe, die man drücken kann. Nach Weihnachten soll die Tunneltechnik wieder voll in Schuss sein, hofft Fraidel.

Feier zur Fertigstellung Vor drei Jahren war es endlich soweit: Im November 2013 galt der Westringtunnel der B 10 als fertig saniert. Nach 107 Sperrungen seit Beginn der arbeiten 2006 folgte die 108. zur Party: Die Stadt hatte in den Tunnel eingeladen, inklusive Gulaschsuppe, Bier und Musik. Das kam gut an: Mehr als 400 Gäste kamen damals.

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Kommentare

07.12.2016 13:35 Uhr

Antwort auf „muss man das verstehen?”

Nicht nur lesen, sondern auch versuchen zu verstehen.
Zitat:
... Zum einen, um das generelle Unfallrisiko zu minimieren. Zum anderen für den Fall, dass Menschen bei Gefahr in die andere Tunnelröhre flüchten müssen...

Die Begrenzung auf Tempo 30 liegt einzig und alleine im Ermessen und der Risikoabschätzung der Ortspolizeibehörde, die für die Sicherheit im Strassenverkehr Sorge zu tragen hat.
Falls sich, wegen nicht funktionierender Sicherheitstechnik, ein weiterer Unfall mit eventuell tödlichem Ausgang ereignet, ist das Dummgelaber wieder riesig.

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07.12.2016 12:50 Uhr

muss man das verstehen?

Tempo 30 hilft also gegen Lkw-Fahrer, die nicht wissen, wie hoch ihr Fahrzeug ist und dass STOP Gefahr bedeuten könnte? Tempo 30 hilft auch gegen Besoffene und übermüdete Fahrer, die ihre Kisten nicht unter Kontrolle haben?
Wer so im Straßenverkehr unterwegs ist, den interessiert auch so eine Geschwindigkeitsbegrenzung nicht wirklich...

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07.12.2016 07:27 Uhr

Lange hats ja nicht gehalten

Nach langer Bauzeit/Sanierung ist jetzt schon wieder Sperrung angesagt. Die beteiligten Baufirmen freuen sich, der Bürger zahlt. Immer wieder das gleiche Spiel. Ein Fall für "Barth ermittelt"?

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