1000 Besucher auf dem Unternehmertag in der Donauhalle

Ulm.  Die Suche nach Neuland stand im Mittelpunkt des 11. Ulmer Unternehmertags. Trotz des winterlichen Wetters kamen etwa 1000 Repräsentanten der regionalen Wirtschaft zur Ausstellung in der Donauhalle.

Der Aufschwung nach der Krise ist spürbar, aber nicht durchgreifend. Das zeigte gestern Abend eine Podiumsdiskussion beim Unternehmertag mit dem Titel "Wo ist Neuland?". Während Jörg Herkommer vom Beratungsunternehmen Ingenics einen Aufwärtstrend erkennt, kann in der Medienbranche noch nicht von einem Aufschwung die Rede sein, sagte der Geschäftsführer der SÜDWEST PRESSE, Thomas Brackvogel. Das Medienhaus sei jedoch mit seiner guten Eigenkapitalquote und ausreichend Spielraum für Investitionen auf die Zukunft vorbereitet. Auch im Internet werde es Bedarf an bezahlpflichtigen Qualitätsinhalten geben.

Marco Bühler von Beurer nannte das Internet einen "Katalysator" für den Wandel. Andreas Schwegler vom IT-Unternehmen Cellent setzt vorrangig auf eine engere Verbindung zu Kunden und Markt. Für Finanzbürgermeister Gunter Czisch ist Neuland etwas, das erst gegen Widerstand durchgesetzt wird und das Führungsqualitäten erfordert.

Bei der Eröffnung des Unternehmertags in der Donauhalle am Vormittag hatte die FDP-Fraktionsvorsitzende Birgit Homburger das Verantwortungsbewusstsein im Mittelstand gelobt: "Mittelständler tragen das Risiko selbst." Dagegen habe das verantwortungslose Handeln von Spekulanten in der Krise gezeigt, dass die Finanzbranche schärfer kontrolliert werden müsse.

Homburger verteidigte die Regierung gegen Kritik und stellte Erfolge bei der Steuerentlastung heraus. Weitere Schritte seien möglich, weil Deutschland kein Einnahmen-, sondern ein Ausgabenproblem habe. Die Finanzierung der Kommunen müsse von der konjunkturabhängigen Gewerbesteuer gelöst werden. OB Ivo Gönner hatte zuvor Experimente mit dieser Steuer abgelehnt.

Gönner nannte drei Felder, auf denen Ulm Neuland betrete. Dabei handle es sich vor allem um die neue ICE-Trasse. Es sei "sehr bedenklich", wenn Kritiker das Großprojekt mit Stuttgart 21 über einen Verzicht auf die Strecke Wendlingen-Ulm stoppen wollten. Ein weiteres innovatives Feld sei das Daimler-Modellprojekt Car2go. Es führe zu einer neuen "Mobilitätskomposition". Mit der Wissenschaftsstadt schließlich verfolge Ulm Innovationen in den Lebenswissenschaften.

Aus Sicht des Europa-Abgeordneten Peter Simon (SPD) ebnen Innovationen den Weg aus der Krise. Er übte scharfe Kritik an der Finanzindustrie für unethische Spekulationen und forderte eine Strafabgabe für Banken und Transaktionssteuer.

Der Präsident des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft, Mario Ohoven, attackierte die Banken, weil die Kreditvergabe im Januar um den Rekordwert von 33 Prozent gesunken sei. Die Mittelständler brauchten aber Liquidität, eventuell über Steuerstundungskredite.

Akzente bei der Ausstellung, die das Herz des Unternehmertags bildet, setzten Messebauer wie Fey und Freiraum sowie Digitaldruck Braun. Das Frauenforum hatte sich ebenfalls schwer ins Zeug gelegt und begeisterte auch Homburger.

Das Interesse an Workshops zur Profi-Akquise mit Daniel Langhans oder zu Sicherheitsrisiken sozialer Netzwerke im Internet mit Ditis war so groß, dass es nur noch Stehplätze gab. Am Stand von Büro-Morgenstern gab Ex-Fußballnationalspieler Guido Buchwald Autogramme. Es kamen etwa 1000 Besucher.


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Autor: FRANK KÖNIG | 12.03.2010

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