10 Minuten . . . Yoga

Es gibt Momente, die unsere Welt ganz einfach machen. Einatmen. Ausatmen. Und in der Stille verweilen. Es einfach geschehen lassen und manchmal sogar ankommen. Yoga-Übungen sind solche Momente.

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  • Stille erfahren, Atem- und Körperübungen - das sind die Elemente von Yoga, die zur Einheit von Geist und Körper führen. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa 1/2
    Stille erfahren, Atem- und Körperübungen - das sind die Elemente von Yoga, die zur Einheit von Geist und Körper führen. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa
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Barfuß und nur durch den Schein von Teelichtern sind die hellgrünen Matten auf dem Parkett zu erreichen, auf denen es hauptsächlich um eins gehen wird: um Körpererfahrung.

Die teilnehmenden Yoga-Neulinge sollen sich auf diesen Matten entspannen und ihren Atem spüren. Synchronisation von Körper und Geist nennt sich das, denn diese beiden gehören zusammen. Das scheint unsere westliche Gesellschaft vergessen zu haben. Ganzheitlich! lautet die Parole der alten indischen Meditationslehre. Der Kerzenschein ist dabei kein Muss. Yoga gibt es auch räucherstäbchenfrei und in allen Varianten und Vorlieben: Power-Yoga in Form von Aerobic, Yoga-Meditation oder Kinder-Yoga, das übrigens mit dem Erwachsenen-Yoga noch nicht viel gemein hat.

Anstatt sich zu dehnen und zu strecken, wie die Gruppe auf den grünen Matten, die zu einem Vierfüßlerstand übergegangen ist, massieren sich die Kinder. Oder sie machen Tiergeräusche nach. Sie müssen sich noch nicht für ihre Gesundheit verrenken. Manchmal üben sie auch eine Minute lang ganz still zu sein. Auch die Stille muss gelernt sein. Und sie muss ertragen werden können. Daran scheitern oft die guten Yoga-Absichten. "Wenn man den ganzen Tag rumhetzt, arbeitet und dazu noch Probleme irgendwelcher Art hat, schafft man es einfach nicht, abends auf der Matte nur seinen Körper in der Atmung zu hören. Da denkt man eher daran, was noch alles erledigt werden muss", sagt Martina. Die Mitdreißigerin startet in diesem Kurs ihren zweiten Versuch. Ihr Nachname? "Den braucht man hier nicht." Das Personalpronomen für die zweite Person, also das im deutschen gebräuchliche höfliche "Sie", wird auf Hindi, der Amtssprache Indiens, nur für hohe Amtswürdenträger benutzt. "I am what I am", sang doch schon Gloria Gaynor. Und wenn nicht beim Yoga, wo dann sonst? Hier schließlich soll der Geist sich wohlfühlen in seinem Körper, auch wenn der nicht dem idealen Body-Mass-Index entspricht.

Yoga gibt es mittlerweile nicht nur in verschiedenen Variationen, sondern auch fast überall. Der Berufsverband der Yogalehrenden (BDY) schätzt, dass etwa drei Millionen Bundesbürger die Angebote der Yoga-Schulen, Sportvereinen und Volkshochschulen annehmen. Und auch im Alltag ist Yoga bereits angekommen: Die Niederlausitz-Grundschule in Berlin-Kreuzberg hat 2006 als erste Schule Yoga zum Pflichtfach gemacht. Es würde die Konzentration und die Wahrnehmung der Schüler stärken und sie darüber hinaus sensibilisieren für Mitgefühl und Toleranz, so die Verantwortlichen.

Und auch an die Arme und Schultern jener Berufsgruppen denken mittlerweile Yoga-Initiativen: Etwa Yoga für Busfahrer oder für Fließbandarbeiter. Yoga kann ja wie gesagt beides sein: Fitnessprogramm und Entspannung des Geistes. Und auch einen gesellschaftskritischen und kapitalismusfeindlichen Aspekt meinen manche schon im Yoga ausgemacht zu haben. Yoga für die Wahrheit und Yoga gegen Korruption, gegen Coca Cola und Mc Donalds.

Den Yoga-Anfängern scheint das an diesem Abend auf ihren grünen Matten ziemlich egal zu sein. Für sie zählt nur einatmen und ausatmen - zehn Minuten lang -, um überhaupt erst mal in der Selbstfindungsatmosphäre dieser Yoga-Stunde anzukommen.

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