Schwörmontag: gute Laune, Alkohol in Mengen und viel Müll

Ulm.  Feiern was das Zeug hält: für Ulmer an Schwörmontag fast eine Pflicht. Die größte Party des Jahres bedeutet aber auch Unmengen an Müll, Scherben und Betrunkenen. Eindrücke aus der Schwörnacht.

Auf dem menschenleeren Münsterplatz zeugen nur noch die Abfallreste von der wilden Party, die hier vor wenigen Stunden tobte. Übersät mit Papptellern, Plastikbechern, Bierdosen, Flyern und Zigarettenschachteln gibt der gepflasterte Vorplatz ein trauriges Bild ab. Ähnlich sieht es auf der Donauwiese aus: Die sonst so idyllische Uferwiese gleicht einem Flickenteppich aus Müll. Es ist halb zwei, für viele Nabader Zeit, nach Hause zu gehen. Nicht verwunderlich, die meisten sind schon seit Montagmittag auf den Beinen.

An einigen Stellen ist die Partystimmung in Aggression umgeschlagen. Unter dem Metzgerturm versucht ein Jugendlicher, Mülleimer umzukippen. Seine Freunde feuern ihn lauthals johlend an. Kurz darauf schlägt er auf einen anderen ein. Der kann sich nicht mehr wehren und flüchtet mit blutüberströmtem Gesicht Richtung Innenstadt. Schmerzen spürt er keine - dafür sorgt der Alkohol.

Wer nicht schon genug intus hat, bekommt nun keinen Nachschub mehr. Seit halb eins dürfen die Bierstände nicht mehr ausschenken.

Der Feierabend naht auch für die Mädels von der Alkomat Patrouille. Für 2,50 Euro messen sie den Alkoholpegel der Feiernden - Partygag einer Münchener Firma. An der Neuen Mitte führt Patrouille Carolina (25) eine ihrer letzten Kontrollen durch. Mit Hut und strenger Uniform gleicht sie einer Politesse. Alex und sein Kumpel Kevin sind ganz versessen darauf, ihren Pegel zu erfahren. Geradeaus laufen - Fehlanzeige, die beiden 18-Jährigen lallen um die Wette. Alex, im ärmellosen Tank-Top mit Goldketten behangen, pustet kräftig in das kleine Plastikröhrchen. Wenige Sekunden später ist das Ergebnis da: 1,2 Promille. Patrouille Carolina schockt das nicht: Der Rekord des Abends liegt bei 3,2 Promille. "Dieser Typ war sogar noch fitter als die beiden hier." Alex und Kevin torkeln zufrieden weiter, jetzt haben sie ihren Freunden etwas zu erzählen.

Eine Ecke weiter kann einer nicht mehr viel erzählen. Martin (18) liegt vor dem "Besitos" am Boden. Der Kellner hat ihn vor die Tür gebracht. "Kannst Dich überall hinlegen, aber nicht bei uns." Dem Tipp des Kellners kommt Martin sofort nach. Der große schlaksige Junge mit der Nickelbrille krümmt sich am Boden. Ein Passant hilft ihm auf, Martin übergibt sich in den Blumenkübel vor einem Brillengeschäft. Versuche, dem Jungen ein Taxi zu rufen, scheitern. Der Notarzt wird ihn auch nicht mitnehmen, denn er ist noch bei Bewusstsein. "Die Polizei muss ihn abholen und nach Hause bringen", sagt Michael (27), ein Rettungsdienstfahrer, der zufällig vorbeiläuft. Mitleid haben die wenigsten mit Martin. Der Betrunkene ist das Gespött der Passanten.

Aber nicht alle haben es so übertrieben wie Martin. Die meisten Partygäste schlendern zwar sichtlich erschöpft, aber bei bester Laune nach Hause oder in einen der Innenstadtclubs. Vor wenigen Stunden haben sie noch auf dem Münsterplatz gerockt.

Um Mitternacht ist die Stimmung dort auf dem Höhepunkt. "Hey, das geht ab, wir feiern die ganze Nacht", dröhnt es lautstark aus den Boxen. Der Partyhit der "Atzen Frauenarzt und DJ Manny Marc" ist heute das Motto der vielen tausend Besucher. Junge Mädchen in kurzen Röcken und offenen Schuhen bewegen sich rhythmisch zur Musik, Jungs in verschwitzten T-Shirts und Turnschuhen hüpfen zu eingänglichen Beats. Während unten das Partyvolk um die Wette zappelt, erstrahlt oben der Münsterturm im Lichterglanz - ruhig und unbeeindruckt.

Die blonde Corinna (23) aus Erbach und ihre Freundin Michaela (21) hat das Tanzfieber gepackt: "Wir haben den ganzen Alk schon wieder rausgeschwitzt", erzählen die Mädchen außer Atem. Daneben stehen wild knutschende Pärchen, die in ihren ganz eigenen Tanz versunken scheinen. Schwörmontag: immer wieder ein Mekka für Singles, die große Chance, einen Partner zu finden - zumindest für eine Nacht. Der Alkohol hilft dabei, die Hemmungen zu verlieren.

Vor allem Bier fließt in rauen Mengen. Einer Bierdusche zu entkommen, ist fast unmöglich. Die Verkäufer an den Getränkebuden vor dem Abt stoßen an ihre Grenzen, sie kommen mit den Bestellungen kaum hinterher. Hektisch geben sie ein Bier nach dem anderen heraus. Um die Buden herum stinkt es nach Fett und angebrannten Würstchen.

Gut zu tun haben auch die Helfer vom Arbeiter-Samariter-Bund. Sie sind den ganzen Abend im Einsatz. Ihre Bilanz gegen Mitternacht: "Für das Besucheraufkommen ist es relativ ruhig", sagt Matthias Span vom Katastrophenschutz. Blasenpflaster und Schnittwunden an den Füßen seien am häufigsten vorgekommen. "Manche Damen meinen eben, um diese Zeit noch mit offenen Schuhen rumrennen zu müssen."

Es ist aber kein Wunder, dass viele Blessuren davontragen: Die ganze Innenstadt gleicht einem Teppich aus grünen, braunen und weißen Scherben. Dazu gesellen sich jede Menge Flyer und das Schwörmontag-Extrablatt der SÜDWEST PRESSE. Den meisten Besuchern ists egal. Denn auf der Bühne lässt "Stromae" mit seinem Hit "Alors on danse" - "Nun lass uns tanzen" - das Open-Air-Programm des Schwörmontags ausklingen.


Kommentare (1)

21.07.2010 09:15 Uhr |   rosty

Schwörmontag

wenn man diesen Artikel liest muss man sich wundern, wie in anderen Berichten ( auch der SWP ) das Thema heruntergespielt wird. Das hat doch mit Toleranz nichts mehr zu tun. Auf anderen Märkten ( Löwenmarkt Lorch ) ist Z.B. das Ausschenken von Alkohol bereits verboten. Höre jetzt schon das Aufschreien der Wirte wegen dem Umsatzt der damit verloren gehen würde und wie immer, ARBEITSPLÄTZE. Dies ist die Keule mit der man ( fast ) jeden Politiker auf seine Seite bekommt.
Die dafür Verantwortlichen dürfen sich auch nicht drücken . Was wäre dabei wenn man von jungen Mädels und Jungs, die mit Sixpack und Weinflachen durch die Stadt torkeln, sich den Ausweis zeigen lassen würde ? Wenn jetzt dieses Thema weiterhin so auf die leichte Schulter genommen wird und niemand fühlt sich verantwortlich, wird es nächstes Jahr noch schlimmer werden.
Da aber meistens der Fisch vom Kopf her stinkt, müsste eine Kampagne im Elternhaus einsetzen. Aber dies ist ein anderes Thema.

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Autor: JULIANE BAUMGARTEN CHRISTIAN IPPACH | 21.07.2010

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