Schattenseiten des Schwörmontags
Ulm. An Schwörmontag waren nach Schätzung der Polizei mehr Menschen in Ulm als im Vorjahr. Alkohol wurde zwar meist in Plastikbechern konsumiert, aber eben doch erheblich. Es gab fast eine Vergewaltigung.
Dass die große Schwörmontagsparty mit Zehntausenden von Menschen ihre Schattenseiten hat, geht aus einer Bilanz der Polizeidirektion Ulm hervor. Demnach waren die Polizeibeamten bis in den Dienstagmorgen hinein gefordert. Ermittelt wird wegen einer versuchten Vergewaltigung (siehe Info-Kasten), räuberischen Diebstahls, Körperverletzungen, Beleidigungen. Außerdem wurden mehrere Betrunkene in Gewahrsam genommen.
Bereits gegen 22 Uhr wurden ein 20-Jähriger und ein 21-Jähriger in der Fischergasse von einem Trio mit zwei osteuropäisch wirkenden Männern und einer asiatischen Frau bedroht. Einer der Männer rempelte den Älteren an und fragte nach Rauschgift. Dann drohten die Unbekannten mit Messern und forderten Geld. Eines der Opfer wehrte sich, worauf die drei flüchteten. Die männlichen Angreifer waren 21 bis 23 Jahre alt und hatten ihr dunkelbraunes Haar nach oben gegelt. Die Frau war etwa 20 Jahre alt und hatte schwarzes, schulterlanges Haar.
In vier Fällen wurden an Schwörmontag auch Körperverletzungen angezeigt. Kurz nach 22 Uhr schlug ein Unbekannter in der Friedrich-Ebert-Straße einem 18-Jährigen mit einer Flasche ins Gesicht. Es ist dem Zufall zu verdanken, dass der junge Mann nur leicht verletzt wurde. Er hatte sich beschwert, dass ihm der andere auf die Füße getreten war.
Gegen 23.45 Uhr trat ein korpulenter 25-Jähriger, etwa 1,85 Meter groß, einem 30-Jährigen in der Frauenstraße gegen das Schienbein. In einem Gerangel nahe der Brenzstraße ging zudem die Sonnenbrille des Opfers zu Bruch.
Wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt die Polizei gegen einen 18-Jährigen aus dem Landkreis Günzburg. Er soll um 1 Uhr in der Hirschstraße einen 23-Jährigen durch einen Faustschlag verletzt haben. Das Opfer ging zu Boden und zog sich eine Beinverletzung zu. Nach Zeugenangaben trat der Täter nach dem Verletzten, bevor er flüchtete. Ein 40-jähriger Begleiter des Verletzten holte den Flüchtenden ein. Auch ihm versetzte der Täter einen Faustschlag und Tritte. Kurz danach nahm die Polizei den angetrunkenen Verdächtigen fest.
Beim Bahnhofsteg in der Schillerstraße gerieten kurz nach 1 Uhr zwei 23-Jährige aneinander. Einer fiel hin, sein Gegner verletzte ihn leicht mit einem Fußtritt. Beamte der Bereitschaftspolizei nahmen den Verdächtigen fest.
Mindestens siebenmal griffen Diebe am Schwörmontag und in der Nacht zum Dienstag zu, darunter waren im Gedränge auch Taschendiebe. In den meisten Fällen wurden Taschen gestohlen, etliche Male samt Telefonen, Schlüsseln, EC-Karten und Ausweisen.
Der Rettungsdienst musste zehn Personen wegen übermäßigen Alkoholkonsums in Kliniken bringen und 35-mal Hilfe leisten. Wegen des City-Glasverbots gab es weniger Verletzungen durch Scherben - nur von mitgebrachten Bierflaschen.
Drei Störenfriede nahm die Polizei zumindest vorübergehend in Gewahrsam. Darunter war ein 23-Jähriger, der in einer Gaststätte randaliert hatte. Von der mehrspurigen B 10 brachte eine Polizeistreife gegen 0.40 Uhr einen Angetrunkenen in Sicherheit. Der 20-Jährige war nach dem Lehrer-Tal-Tunnel zu Fuß in Richtung Dornstadt unterwegs. Ein Mann aus dem Raum Heidenheim lag gegen 2 Uhr volltrunken auf dem Marktplatz und musste in die Ausüchterungszelle. Dafür erwartet ihn nun eine Gebührenrechnung der Polizeidirektion.
Betrunken waren auch ein 18-Jähriger aus Ulm und ein 23-Jähriger aus dem Kreis Göppingen, beide sehen Strafanzeigen wegen der Beleidigung von Polizisten entgegen. Der Jüngere hatte am Metzgerturm seine Notdurft verrichten wollen.
Polizeisprecher Reiner Durst sagte, Alkohol und drangvolle Enge könnten Auslöser für Gewalt sein. Der Schwörmontag 2011 sei aus polizeilicher Sicht aber eher besser gelaufen als 2010. Eine Einschätzung, die Oberbürgermeister Ivo Gönner teilt. "Müll und übermäßiger Alkoholkonsum bleiben die Kardinalprobleme. Aber angesichts von mehr als 100 000 Leuten, die auf den Beinen waren, blieb doch alles noch einigermaßen im Rahmen." So sieht es auch Rainer Türke von den Bürgerdiensten. Vor allem am Münsterplatz sei es ruhig geblieben. Radio 7 zog eine rundum positive Bilanz der Party auf dem Münsterplatz mit den DJs von Big City Beats zum Abschluss. Der Platz sei mit maximal 11 000 Menschen komplett voll gewesen. Die Sicherheitsschleusen mussten teils geschlossen werden.
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Autor: SWP | 20.07.2011
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Party, Party, überall Party (wie hier auf dem Marktplatz): Die ausgelassene Stimmung, die an Schwörmontag immer in der ganzen Innenstadt herrscht, hält die Polizei auf Trab. Foto: Matthias Kessler
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Kommentare (3)
Meine Beobachtungen
Wir waren auf der Stadtmauer unterhalb des ehemaligen Cafe Vienna. Auf der Donauwiese waren überwiegend junge Leute. Zwei junge Damen fielen uns auf, da sie wegen ihrer Vodkaflasche schon vor dem Nabada von der Polizei angesprochen wurden. Daraufhin füllten sie den Rest der Flasche in einen Fruchtsaftkarton um.Müllentsorgung: in der 'Neuen Mitte' waren 4 grosse, schwarze Mülleimer zusätzlich vorhanden. Auf der Stadtmauer gab es m.E. keine zusätzlichen Mülleimer.
Leider ist es so, dass auch vorhandene Mülleimer manche Chaoten nicht davon abhalten, Glas auf dem Boden zu zertrümmern. Gut, dass wir am Montag keine solchen gesehen haben.
Wir (2E2K) sind mit dem Stadtbus am frühen Abend nach Hause gefahren. Wir hatten keine Probleme, es war ein schöner Tag.
Glasscherben
Der Schwörmontag ist eine tolle Sache, ganz Ulm feiert mit. Dennoch gibt es eine Sache, die mich stört: ich bin Dienstag morgen mit dem Fahrrad zum Bahnhof gefahren und mußte am Abend feststellen, dass der Schlauch des Vorderreifens nicht weniger als 5 Löcher durch Glassplitter abbekommen hatte.Deshalb meine Bitte an alle Schwörmontags-Teilnehmer: bitte gebt doch obacht und macht keine Flaschen kaputt, das ist so ärgerlich, wenn man dann mit dem Rad durchfährt und abends zwei Stunden den Reifen flicken muss.
(Leserbrief von Oliver Schmid, Fischergasse 10, 89073 Ulm, Tel: 0731/403-2022)
Schattenseiten
Zu Alkohol und Gewalt fällt mir nicht viel ein - traurig finde ich das höchstens! Aber für das Müll-Thema habe ich einen Tipp: Es gibt Gefäße (in anderen Städten) die zusätzlich aufgestellt werden können, wo die Leute dann auch bestimmt gerne ihren Müll entsorgen! Wenn ich aber 10-20 Minuten nach so einem Behälter suchen muss und der dann schon auf Grund seiner Einzigartigkeit so voll ist, dass ich nichts mehr hinein, sondern nur noch drauf werfen kann, wundert mich gar nichts! Also liebe Stadt und Stand-Betreiber - stellt Mülltonnen auf und ihr könnt euch 2/3 der Arbeit sparen...