Die Alltagsarbeit der Polizei ist nicht spektakulär

Wilde Schießereien, rasante Verfolgungjagden - das kennt man aus Krimis. Aber wie sieht der Alltag in einer Polizei-Inspektion aus. Das haben einige Sechstklässler in Weißenhorn herausgefunden.

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Ein junger, netter Polizeibeamter, Herr Meyer, hat sich für uns Zeit genommen und so manche Vorstellung zurecht gerückt. Verfolgungsjagden etwa sind weit weniger dramatisch als im Fernsehen. Meist sind es alkoholisierte Fahrer oder Drogenabhängige, die bei Verkehrskontrollen Vollgas geben. Seltener sind Autodiebe oder mit Haftbefehl Gesuchte dabei. Dann muss die Polizei den Flüchtigen verfolgen. In der Regel hat sie ihn nach wenigen Minuten gestoppt. "Wir sind immer froh, wenn so was vorbei und nichts passiert ist", gesteht Meyer.

Ganz selten entkommt ein Täter mit dem Auto. Dann übernimmt ein Polizeihubschrauber die Verfolgung, ausgerüstet mit Video-, Nachtsicht- und Wärmebildkameras, die jedes Detail der Flucht übertragen und festhalten. Allerdings hat die Polizeistelle Weißenhorn keinen Hubschrauber. Der muss aus München angefordert werden. Am häufigsten wird er zur Vermisstensuche eingesetzt, denn die Helikopterbesatzung kann aus der Luft ein viel größeres Gebiet viel schneller absuchen als eine Besatzung am Boden.

Von der Schusswaffe musste Meyer noch nie Gebrauch machen. Wenn Polizisten zur Waffe greifen, dann fast immer, um schwer verletzte Tiere von ihren Qualen zu erlösen, meist sind das Wildtiere, die von Autos angefahren wurden.

Die Alltagsarbeit der Polizei ist viel weniger spektakulär, aber trotzdem wichtig: In drei Schichten, zwischen sechs und zwölf Stunden, arbeiten die Beamten, immer bereit zum Einsatz in Notfällen, vom Verkehrsunfall bis zur Ruhestörung.

Einen großen Teil der Zeit verschlingt Büroarbeit. Da müssen Zeugen befragt, Protokolle geschrieben, Berichte an Staatsanwaltschaft und Gerichte verfasst werden. Die vielen Aktenordner füllen riesige Regale. Diese Schreibarbeit wird meist von der Verfügungsgruppe erledigt, während die Dienstgruppe für den Streifendienst und für Notfälle zuständig ist. Meyer zum Beispiel ist stellvertretender Leiter einer Dienstgruppe, erzählte er uns.

Nach dem Interview führte er uns durch die Polizeiinspektion. Er zeigte uns, wie Fingerabdrücke abgenommen werden, schoss von unserem Fotografen Hannes ein "Verbrecherfoto" und führte uns in die Zentrale ein, die Wache. Hier gehen die Notrufe ein, per Funk werden die Streifen alarmiert, mobile Funkgeräte stehen parat, an den Wänden hängen Landkarten, Fahndungsfotos. Monitore übertragen die Bilder der Überwachungskameras im Gebäude, im Raum daneben steht der gepanzerte Waffenschrank mit den Maschinenpistolen. Alles sehr eindrucksvoll!

Gerne hätte uns Herr Meyer noch einen seiner vierbeinigen Kollegen gezeigt. Die Weißenhorner Polizei hat nämlich auch eine Diensthundegruppe für Einsätze im Raum Neu-Ulm, Günzburg und Unterallgäu, bis nach Lindau, Pfronten und Oberstdorf. Doch die Polizeihunde waren leider alle "auf Streife".

Im Keller besichtigten wir noch eine Arrestzelle: ein kahler, kalter Raum, weiß gefliest, mit ausbruchsicherem Metallgitter davor. Dahinter eine massive Holzliege mit abwaschbarer Matratze, Metall-WC, rotem Notrufknopf. Hierher werden gewalttätige Betrunkene gebracht, bis sie wieder nüchtern sind. Zum Abschluss kam unser Lehrer hinter Gitter - wenigstens für ein paar Minuten!

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