Polizei: Gewaltkriminalität in Neu-Ulm geht zurück

In Neu-Ulm sind die Gewaltdelikte deutlich zurückgegangen. Dafür gibt es ein Plus bei Wohnungseinbrüchen und mehr ertappte Kiffer. Das ist die Bilanz der polizeilichen Kriminalstatistik für das Jahr 2014. Mit einem Kommentar von Hans-Uli Mayer: Ziemlich hilflos.

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In 40 Neu-Ulmer Wohnungen ist im vergangenen Jahr eingebrochen worden. Diese absolute Zahl mag für eine 60.000-Einwohner-Stadt nicht allzu dramatisch erscheinen. Aber im Vergleich zum Vorjahr waren es elf Wohnungen mehr, macht statistisch ein Plus von fast 38 Prozent. "Wohnungseinbrüche sind derzeit das Thema, auch, was die Verunsicherung in der Bevölkerung betrifft", sagt Marcus Hörmann. Der Leiter der Polizeiinspektion Neu-Ulm stellte gestern die Neu-Ulmer Kriminalstatistik für 2014 vor.

Im Freistaat Bayern kamen im vergangenen Jahr durchschnittlich 65 Einbrüche auf 100.000 Einwohner. Der Polizeichef erklärte auf Nachfrage dass die Aufklärungsquote bei nur 16 Prozent liege: ein Indiz dafür, dass viele Einbrüche aufs Konto südosteuropäischer Banden gehen, die die günstige Lage der Region Ulm/Neu-Ulm am Autobahnknotenpunkt A7/A8 für ihre Beutezüge nutzen.

Summa summarum zieht Hörmann aber ein rundum positives Fazit der Polizeiarbeit - die Zahlen scheinen ihm Recht zu geben. So sind die Straftaten in Neu-Ulm insgesamt mit 4042 Delikten auf den niedrigsten Stand seit zehn Jahren gesunken. Bei Gewaltdelikten verzeichne man sogar ein Minus von 16 Prozent auf nur mehr 109 Fälle. Sachbeschädigungen auf Straßen und Wegen - etwa abgetretene Außenspiegel, aus der Verankerung gerissene Mülleimer - sind binnen Jahresfrist sogar um 35 Prozent zurückgegangen. Hörmann macht dafür auch eine höhere Polizeipräsenz im Stadtgebiet Neu-Ulm verantwortlich. Die Aufklärungsquote insgesamt sei mit 63 Prozent seit zehn Jahren nahezu konstant, bei Gewaltdelikten liegt sie sogar bei nahezu 90 Prozent. "Da brauchen wir uns nicht zu verstecken."

Einen Zuwachs verzeichnet man bei der Betäubungsmittelkriminalität. Die Zahl der ermittelten Drogendelikte nahm um 15 Prozent auf 215 zu, in den meisten Fällen handelt es sich um ertappte Cannabis-Konsumenten (129, plus 53 Prozent im Vergleich zu 2013). Dies bedeute allerdings nicht, dass mehr gekifft werde als früher, sagte Hörmann. Es sei schlichtweg mehr kontrolliert worden. Die hochgefährliche Designerdroge Crystal Meth spiele in der Region bislang keine Rolle.

Weiteres Sorgenkind: Fahrraddiebstähle. 281 Drahtesel kamen abhanden, 51 mehr als 2013. Die Schadensumme liegt laut Hörmann bei fast 100.000 Euro. "Fahrräder sind heute Wertgegenstände. Besitzer geben dafür oft 1000 Euro aus, aber beim Schloss knausern sie und kaufen eines für 3,99 Euro."

Wärmebildkamera spürt Automatenknacker auf

Gartenhausaufbrüche Eine Serie von fast 50 Einbrüchen in Neu-Ulmer Kleingartenhäuser beschäftigte die Polizei Anfang 2014. Um die Täter zu fassen, setzte die Polizei über mehrere Wochen nicht nur Beamte der Polizeiinspektion Neu-Ulm, sondern auch Bereitschaftspolizisten und Diensthundeführer des Polizeipräsidiums ein. Mittels DNA-Analyse wurde später ein Täter ermittelt, er war für 22 Einbrüche verantwortlich.

Hubschraubereinsatz Als Zeugen beobachteten, wie sich Diebe in einer Kleingartenanlage daran machten, einen andernorts gestohlenen Zigarettenautomaten aufzubrechen, alarmierten sie die Polizei. Die Täter flüchteten bei Dunkelheit und versteckten sich in der Anlage. Mit Hilfe eines Polizeihubschraubers mit Wärmebildkamera wurden die beiden Täter geschnappt.

Kommentar von Hans-Uli Mayer: Ziemlich hilflos

Das alles beherrschende Thema im Bereich der Kriminalität sind die Wohnungseinbrüche, die bundesweit zugenommen haben, und somit auch in der Region. Vor diesem Hintergrund mutet es manchmal geradezu antagonistisch an, wenn Polizeichefs links und rechts der Donau einen zufriedenen Eindruck machen und die hohe Sicherheit im Süden der Republik hervorheben.

Tatsächlich gibt es aber keinen Gegensatz, auch wenn die Polizei bei den Wohnungseinbrüchen ziemlich hilflos wirkt. Eine Aufklärungsquote von unter 20 Prozent deutet aber weniger auf ein Versagen der Polizei hin, als vielmehr auf die hohe Professionalität der Diebesbanden, die meist aus dem Südosten Europas kommen, nur wenige Tage unterwegs und längst wieder über der Grenze sind, wenn die Ermittlungsarbeit erst richtig anläuft. Noch immer beginnt der beste Schutz an der eigenen Haustür, respektive dem Fenster. Jeder Eigentümer und jeder Mieter kann selber viel für die eigene Sicherheit tun - und zwar nicht immer unbedingt nur für viel Geld.

So unerfreulich die Zahl der Einbrüche ist, generell ist die Gefahr der Menschen an Donau und Iller, Opfer einer Straftat zu werden, vergleichsweise gering. Das zeigen die Zahlen beider Polizeistellen in Ulm und Neu-Ulm. Vor allem erfreut der Rückgang bei den Rohheits- und Gewaltdelikten beiderseits der Donau und der Rückgang der Beteiligung der Jugendlichen.

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