Hat der Bauer seine zwölf Kühe selbst verschwinden lassen?

|

Zwölf Kühe einfach verschwunden? Der dubiose Diebstahl der Rindviecher aus einem Stall im Roggenburger Ortsteil Meßhofen beschäftigt die Polizei seit Januar. Nun gibt es aus Sicht der Ermittler ein Ergebnis. „Polizei sieht Rinderdiebstähle geklärt“ überschreibt die Pressestelle des Polizeipräsidiums Süd-West in Kempten eine entsprechende Meldung vom gestrigen Montag.

Eine nichtöffentliche Theorie

„Die Indizien sprechen dafür, dass der Landwirt den Diebstahl seiner zwölf Kühe absichtlich vorgetäuscht hat“, erklärt Christian Eckel. Auf Nachfrage will der Kemptener Pressesprecher aber nicht verraten, wo die Viecher nach Auffassung der Polizei geblieben sind. „Die Kühe haben sich nicht in Luft aufgelöst“, sagt Eckel – und: „Wir haben eine Theorie, die kann ich Ihnen aber nicht sagen.“ Eine Annahme, die offenbar überzeugend genug ist, dass die  Staatsanwaltschaft gegen den Bauern wegen Vortäuschens einer Straftat ermittelt. Nach derzeitigem Ermittlungsstand soll der Landwirt die Anzeige erstattet haben, nachdem sich das Veterinäramt des Landkreises Neu-Ulm zu einer Betriebskontrolle angemeldet hatte. Wegen „Unzulänglichkeiten in der Tierhaltung“ hatten sich die Kontrolleure in Meßhofen angemeldet. Die Polizei geht davon aus, dass der Landwirt falsch Anzeige erstattet habe, weil bei der Kontrolle sonst ein „Fehlbestand“ aufgefallen wäre.

„Es liegen Vermutungen vor“, mehr ist auch beim Neu-Ulmer Landratsamt zum Verbleib der Kühe nicht zu erfahren. Manfred Enderle vom Veterinäramt will dazu nicht „spekulieren“.  Sicher ist er nur, dass die zwischenzeitliche These, der mutmaßliche Diebstahl im Roggenburger Ortsteil habe mit gewerbsmäßigen Rinderdiebstählen in Ostdeutschland zu tun, nicht zutreffend ist. „Da ist auch laut Polizei kein Zusammenhang zu sehen.“

Außerdem gibt es bis heute keine polizeilich plausible Erklärung für den Diebstahl. Auf dem Hof wurden keinerlei „tatrelevante Spuren“ entdeckt. Es gab keine Zeugen, die den Vorfall beobachtet haben, keine Reifen- oder Aufbruchspuren, die die Ermittler verwerten konnten.

Dafür gibt es aber eindeutige Hinweise darauf, dass es der Meßhofener Landwirt schon in der Vergangenheit nicht so genau mit dem Tierwohl nahm. Enderle räumt ein, dass seine Behörde im Betrieb „im Hinblick auf den Tierschutz“ schon aktiv gewesen sei.  Eine Tatsache, die sich auch schon in der Tagesordnung des Verwaltungsgerichts in Augsburg niedergeschlagen hat.

Dort sollte in der vergangenen Woche eigentlich eine Klage des Meßhofener Landwirts gegen das Landratsamt Neu-Ulm verhandelt werden. Doch so weit kam es nicht. „Es ging um eine tierschutz- und tierseuchenrechtliche Anordnung“, erklärt die Landratsamt-Juristin Theresa Hopfensitz auf Anfrage und ergänzt: „Kurz vor der mündlichen Verhandlung wurde die Klage dann aber zurückgezogen.“

Rechtslage
Das Vortäuschen einer Straftat ist im Strafgesetzbuch in Paragraph 145d geregelt. Demnach macht sich schuldig, wer  „wider besseres Wissen einer Behörde oder einer zur Entgegennahme von Anzeigen zuständigen Stelle“ ein Straftat  anzeigt, die es in Wahrheit so gar nicht gegeben hat. Das Strafmaß dazu: Der Tatbestand ist mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren bewehrt.

Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Bewohner des Fischerviertels ärgern sich über Falschparker

Anwohner des Fischerviertels sammeln Unterschriften, weil Autos Feuergassen blockieren. Die Stadt sollen häufiger und schärfer kontrollieren. weiter lesen