Grausiger Fund: Wilderer köpft junges Reh

Zum fünften Mal innerhalb eines Jahres hat die Polizei nahe dem Maienwald in Söflingen ein junges totes Reh ohne Kopf gefunden. Nun ermitteln die Behörden wegen des Verdachts auf Wilderei.

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Rehkitz: Immer wieder geköpfte Tiere gefunden.  Foto: 

Es war eine grausige Entdeckung, die eine Spaziergängerin am vergangenen Montag im Söflinger Maienwald gemacht hat. Südlich der Harthauser Straße lag direkt am Wegesrand ein geköpftes Rehkitz. Die Polizei sagt, der Täter habe den Kopf des Tieres „mit großer Wahrscheinlichkeit mit einem Messer abgetrennt und mitgenommen“. Unklar sei, wie der Wilderer das Tier eingefangen beziehungsweise erlegt habe.

Offenkundig kein singuläres Ereignis. Unter Berufung auf den für dieses Gebiet zuständigen Jagdpächter berichtet ein Polizeisprecher von vier mehr oder minder ähnlich gearteten Fällen, die sich in den vergangenen zwölf Monaten zugetragen haben – alle ebenfalls im Maienwald. Man habe dies aber erst jetzt vom Jagdpächter mitgeteilt bekommen und sei deshalb nicht schon früher an die Öffentlichkeit gegangen.

Keine weiteren Verletzungen

Der 49-jährige Jagdpächter – er möchte fürs Erste anonym bleiben – bestätigt den jüngsten Vorfall  und spricht von einem „mysteriösen“ Geschehen.  Das am Montag aufgefundene und erst wenige Stunden tote Jungtier habe keine weiteren Verletzungen aufgewiesen, sei auch ansonsten „völlig unversehrt“ gewesen. Den womöglich nahe liegenden Verdacht, das Tier könne Opfer eines Mähdreschers und der Kadaver später im Wald „entsorgt“ worden sein, schließt er kategorisch aus. „Die Zeit des Mähtods ist seit zwei Monaten sowieso vorbei. Die Kitze sind mittlerweile so groß, dass sie flüchten können.“

Auch ein Riss durch einen Hund oder ein anderes Tier komme in diesem Fall nicht in Frage. Dass ein Wilderer auf den Kopf als Trophäe aus war, sei zwar denkbar, mache aber nicht allzuviel Sinn. „Jungtiere haben noch kein richtiges Geweih.“

Bei den vier weiteren und schon einige Monate zurückliegenden Fällen zeichnet der Pächter ein differenzierteres Bild als die Polizei. Im Januar habe er ebenfalls ein totes Reh im Wald entdeckt, dem der Kopf abgenommen worden sei. Allerdings habe der Kadaver schon länger im Wald gelegen und erhebliche Verwesungsspuren aufgewiesen, weshalb Rückschlüsse auf die genaue Todesursache nicht so einfach möglich gewesen seien. Bei den drei anderen von ihm aufgefundenen toten Tieren  „komme alles Mögliche in Betracht“, soll heißen: unnatürlicher Tod durch andere Tiere, Menschen wie auch Maschinen. Gleichwohl zeigt sich der seit vier Jahren für den Maienwald zuständige Jagdpächter beunruhigt: „Eine derartige Häufung habe ich in meinen 14 Jahren als Jäger noch nicht erlebt.“

Das bestätigt auch Kreisjägermeister Max Wittlinger. Seiner Kenntnis nach gibt es im Umland keine ähnlich gearteten Fälle. „Uns sind nur die Vorfälle aus dem Maienwald bekannt.“

Zwar hat die Polizei Ermittlungen gegen Unbekannt aufgenommen und bittet die Bevölkerung  unter der Telefonnummer (0731) 188 38 12 um Hinweise. Es dürfte allerdings schwierig sein, den oder die Täter ausfindig zu machen, glaubt auch der Jagdpächter. Er geht davon aus, dass sich die Wildereien immer nachts ereignen. „Wir können aber nicht rund um die Uhr auf die Pirsch gehen.“

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