18 Verletzte durch Salzsäure-Unfall

Ein Gabelstaplerfahrer hat einen Großeinsatz von Feuerwehr und Rotem Kreuz verursacht. 15 Personen atmen bei Honold in Neu-Ulm giftige Dämpfe ein.

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Salzsäureunfall in Neu-Ulmer Betriebshof  Foto: 

Es war ein kurzer Moment der Unachtsamkeit, der am Montagmorgen zu einem langen Einsatz von Polizei, Feuerwehr und Rotem Kreuz auf dem Betriebsgelände der Spedition Honold an der Ernst-Abbe-Straße in Neu-Ulm geführt hat. Gegen 8.45 Uhr hatte der Fahrer eines Gabelstaplers beim Verladen aus Versehen einen Tank mit 1000 Liter Salzsäure angestochen. 900 Liter liefen davon aus, es entstanden giftige Dämpfe aus Chlorwasserstoffgas, die von insgesamt 18 Menschen eingeatmet wurden. 15 Personen wurden vor Ort ambulant behandelt, drei mussten ins Krankenhaus gebracht werden. 150 Menschen wurden aus den Betriebshallen der nahen Umgebung vorsorglich evakuiert.

„Es ist alles in allem doch nochmal glimpflich abgelaufen“, bilanziert am späten Vormittag vor Ort der Neu-Ulmer Notarzt Dr. Max Weidler. Die Betroffenen hätten mal mehr und mal weniger über eine Reizung der Atemwege geklagt, über Husten und ein Kratzen im Hals. Das Einatmen von Chlorgasdämpfen sei nicht ganz ungefährlich (siehe Info). Es hätten sogar Spätfolgeschäden entstehen können, die der Mediziner am Montag aber ausschloss. Dass der Unfall glimpflich ablief, lag daran, dass es sich nur um 900 Liter handelte.

Marco Sedlarik, ein gebürtiger Kroate, war Montag bei Honold selbst als Gabelstapler-Fahrer im Einsatz. Sein Kollege, so berichtet er, habe den angestochenen Salzsäurebehälter erst noch ein paar Meter über das Firmengelände gefahren und dann auf einem Lkw gehievt, bis er auf den Unfall aufmerksam gemacht worden sei. Die entstandenen Dämpfe in einer gelblich-grauen Wolke hätten irgendwie säuerlich gerochen, mehr habe er zum Glück nicht gespürt. Kein Husten, keine Reizung der Atemwege. Marco Sedlarik hatte offenbar Glück im Unglück.

18 Personen hatten dieses Glück aber nicht. Die Zahl der Verletzten wurde am Montag stündlich nach oben korrigiert. Betroffen waren schließlich insgesamt 15 Mitarbeiter bei Honold und drei Feuerwehrmänner. Zwei Mitarbeiter und ein Feuerwehrmann mussten auch in ein Krankenhaus gebracht werden.

Die Feuerwehr war mit fast 90 Kräften vor Ort, das Rote Kreuz mit über 50. Die Polizei hatte die Ernst-Abbe-Straße abgeriegelt, auf dem Honold-Parkplatz standen zig Rettungsfahrzeuge, aber auch Zelte, in denen die Verletzten zuerst versorgt wurden. Die Leitung des Einsatzes hatte Kreisbrandmeister Michael Haitchi inne, er ist stellvertretender Kommandant der Neu-Ulmer Feuerwehr. Zur Unterstützung waren auch Stadtteilwehren im Einsatz, auch aus dem Landkreis Neu-Ulm (Senden und Weißenhorn) und aus der Nachbarstadt Ulm. Die Feuerwehrmänner waren mit Atemschutz damit beschäftigt, die ausgelaufene Salzsäure mit einem Granulat zu binden. Außerdem wurde das kontaminierte Gelände mit Wasser gespült. Die Kanaleinlaufdeckel wurden deshalb mit Dichtkissen abgedeckt. Später wurde in den Hallen gemessen, ob sich darin Gas-Rückstände befinden.

Von Rolf Willer, dem Einsatzleiter des Roten Kreuzes wurden die Honold-Mitarbeiter als diszipliniert beschrieben: „Wir haben schnell einen guten Überblick bekommen.“

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