Junginger in Holzheim feiert 25-jähriges Jubiläum

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    Matthias Junginger steht regelmäßig selbst im Verkaufswagen – wenn er nicht gerade im Stall ist oder in der Metzgerei. Foto: 
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Carolin Hunfeld.  Foto: Oliver Schulz 2/2
    Carolin Hunfeld. Foto: Oliver Schulz Foto: 
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Am Ende des Tages hat sich Matthias Junginger  mindestens drei  Mal  umgezogen, wenn nicht vier. Sein Tag beginnt in der Metzgerei, wo er Fleisch zerlegt und Wurst herstellt. Dann geht er in den Stall, Kühe und Kälber füttern. Dann wieder zurück in die Metzgerei. Nachmittags fährt er mit einem Verkaufswagen auf den Wochenmarkt, abends schaut er im Stall nach dem rechten, im Sommer geht er nochmal aufs Feld. Nach seinem Beruf gefragt, sagt der 37-Jährige lapidar: „Ich bin selbstständig.“   Matthias Junginger  ist Metzger  und Landwirt.  Er könnte sich keine schönere Kombination vorstellen, auch wenn er verglichen mit einem Durchschnitts-Arbeitnehmer unvorstellbar lange Arbeitstage hat:  „Wenn das Hobby zum Beruf wird, ist es egal, wie viel Zeit man dafür aufwendet.“

Junginger hat vor elf Jahren gemeinsam mit seiner Schwester Carolin Hunfeld die elterliche Metzgerei in Holzheim übernommen.  „Ein guter Grundstock“, sagt die 39-Jährige. Die Geschwister haben etwas draus gemacht:  Sie rissen Wände ein, um Lagerfläche zu schaffen. Sie bauten ein Hotel mit Partyraum, ungeachtet der Konkurrenz in Nachbarorten. Sie ersetzten die alten Geräte in der Metzgerei durch neue, moderne. „Ein Quantensprung“, sagt Junginger, „von der Steinzeit in die Gegenwart“. Knapp 2,5 Millionen Euro investierten die beiden in den Betrieb, nachdem sie ihr Konzept wohlüberlegt, oft besprochen und lange geplant hatten. Sie haben alles richtig gemacht, sagen die Geschwister heute,  fünf Jahre später anlässlich  des 25-jährigen Bestehens der Metzgerei.

In dem Familienbetrieb wird ausschließlich Rindfleisch vom eigenen Hof verarbeitet. Matthias Junginger hält bis zu 100 Tiere. Sie leben auf dem Aussiedlerhof der Eltern, er hat die Landwirtschaft dort gepachtet. Die meiste Zeit des Jahres ist der Stall offen, die Rinder können sich drinnen aufhalten oder draußen auf der Weide, ganz wie sie wollen. Ihr Futter baut der Bauer komplett selbst an. „Sie bekommen kein Soja und keine Silage“, betont er. Gefüttert wird Mais, Weizen und Erbsen, Heu und Stroh. Das Schweinefleisch lässt sich Junginger von einem anderen Landwirt liefern. Die Ware wird direkt vermarktet: im Hofladen in Holzheim und auf acht Wochenmärkten in der Region.

Die Wochenmärkte bringen 50 Prozent des Umsatzes und damit den größten Teil. Der Hofladen trägt 10 Prozent bei, das Hotel 15 und der Partyservice 25.  Der Betrieb hat sieben fest angestellte Mitarbeiter (sechs Vollzeit) und beschäftigt zudem 13 Minijobber. Den Fachkräftemangel spüren die Inhaber vor allem im Verkauf; es sei schwierig dafür gutes Personal zu finden, sagt Carolin Hunfeld: „Das lernen zu wenige.“

Das Hotel führt ihr Mann, Stephan Hunfeld. Die Geschwister haben ihn angestellt. Es ist eigentlich kein Hotel, legt man die üblichen Richtlinien an. Es gibt keine Rezeption, keine Bar, keinen Frühstücksraum. Dafür Appartements und Frühstück auf dem Zimmer. Eine Nischenkonzept, das laut Betreiber gut funktioniert.

Carolin Hunfeld ist ihrem Bruder in gewisser Hinsicht recht ähnlich: Sie liebt ihren Beruf. Die Fleischereifachverkäuferin hat ihre Ausbildung mit Bestnote 1,0 abgeschnitten.  „Ich mache das für mein Leben gern.“  Mit der Arbeit im Stall kann  Caroline Hunfeld hingegen nichts anfangen; die überlässt sie ihrem Bruder. Sie hat ihren eigenen Zuständigkeitsbereich, richtet alles her, was am anderen Tag auf dem Wochenmarkt gebraucht wird, schneidet stundenlang Wurst auf, macht die Verkaufswagen sauber und ist verantwortlich dafür, dass der Partyservice läuft – also die Vorbereitung von 100 bis 400 Essen.

Und sie ist die treibende Kraft für weitere Veränderungen: Caroline Hunfeld träumt von einem zweiten Hotel und einem neuen schicken Laden. „Man darf nicht stehen bleiben“, sagt sie, „man braucht Ziele im Leben“.  Ihr Bruder ist nicht abgeneigt: „Man muss alles halt gut bedenken.“

Märkte Die Bauernhof Metzgerei Junginger aus Holzheim ist ganzjährig auf folgenden Wochenmärkten vertreten: Neu-Ulm, Pfuhl, Offenhausen, Blaustein, Senden, Vöhringen, Weißenhorn und Leipheim.

Anfänge Schon die Eltern Karl und Maria Junginger haben ihre Ware auf dem Markt verkauft – bald nach Eröffnung des Geschäfts im Jahr 1991 fuhren sie regelmäßig nach Neu-Ulm zum Bauernmarkt beim damaligen Möbelhaus Mutschler.

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