Zeit für "wichtige Kleinigkeiten"

Vielfältige Hilfe für Menschen in Not kommt in Senden und Weißenhorn von ehrenamtlichen Sozialpaten. Jetzt werden weitere Freiwillige geschult. Die sollen sich auf keinen Fall selbst überfordern.

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Unterstützung bei Behördengängen, bei Besorgungen, in der Freizeit - die Arbeitsmöglichkeiten für Sozialpaten sind vielfältig. Seit dem Frühjahr sind die ersten neun Paten im Einsatz, geschult und unterstützt von den Trägern des Projekts, der Diakonie Neu-Ulm sowie den evangelischen Kirchengemeinden Senden und Weißenhorn.

Sechs weitere Sozialpaten werden derzeit auf ihr Ehrenamt vorbereitet. Fünf Kursabende umfasst die Grundschulung, es geht um Themen wie Sozialrecht, Kommunikation und die verschiedenen Lebenswelten, auf die die Paten bei ihrer Arbeit treffen.

Da sind etwa die psychisch Kranken oder Alkoholabhängigen, die Familien in Not oder die Asylbewerber, die Unterstützung beim Deutschlernen brauchen. Es seien die "wichtigen Kleinigkeiten", die die Arbeit der Sozialpaten so wertvoll machten, sagt Organisatorin Christine Dirr vom Sozialpatenprojekt. Die Ehrenamtlichen könnten Dinge tun, für die den Hauptamtlichen oft die Zeit fehle, und zudem einen ganz anderen Zugang zu den Betroffenen finden.

Manchmal hätten Paten mit einer schwierigen Klientel und schweren Schicksalen zu tun, erklärt Carmen Schüller vom Freiwilligenzentrum Stellwerk Günzburg. Da sei es wichtig, die eigenen Gründe für den ehrenamtlichen Einsatz und die Belastungsgrenzen zu kennen. Schüller, die am Dienstagabend im Weißenhorner Augustana-Zentrum zur Motivation der Ehrenamtlichen und ihre Grenzen referierte, kennt Freiwillige, die sich selbst völlig überforderten, um anderen zu helfen.

Das passiere leicht, wenn sich Ehrenamtliche nicht nur auf ihre eigentliche Aufgabe konzentrierten, sondern versuchten, viele Probleme ihres Klienten gleichzeitig anzupacken. "Da geht man dann nicht nur einmal mit Kindern auf einen Spielplatz, sondern steigt voll in die Betreuung ein und will auch noch dem alkoholkranken Vater helfen." Ehrenamt solle aber Freude machen, betont Schüller: "Niemand soll sich die Not anderer zur eigenen machen."

Den künftigen Sozialpaten gab Schüller einen Fragebogen mit, auf dem sie ihre persönlichen Grenzen hinterfragen und immer wieder überprüfen sollen. Auch den Organisatoren des Sozialpatenprojekts sei es wichtig, solche Grenzen zu kennen, betonte Christine Dirr. Wolle jemand etwa nicht mit psychisch Kranken oder Dementen arbeiten, solle er das sagen: "Da wird keiner schief angeschaut. Wir sind froh über jeden Ehrenamtlichen und wollen, dass sich unsere Paten wohlfühlen."

Wichtig sei es, sich bei der ehrenamtlichen Arbeit abzugrenzen und nicht immer die eigenen Maßstäbe anzulegen, riet Carmen Schüller den zukünftigen Sozialpaten. Wenn etwa ein Messi mit dem Chaos in seiner Wohnung zufrieden sei, solle der Pate nicht aufräumen, und wenn ihn die Unordnung noch so sehr störe. Hilfe brauche der Messi erst dann, sollte er mit sich selbst oder seiner Umwelt in Konflikt geraten, wenn etwa die Wohnungskündigung drohe.

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