Winterstart mit Frühlingsluft

Dieser Dezember geht in die Geschichte ein. Er war vielerorts in der Region der wärmste, sonnenscheinreichste und trockenste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen der Wetterwarte Süd im Jahre 1968.

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Schnee und klirrende Kälte hatte dieser Dezember nicht im Angebot, dafür häufig frühlingshaft laue Temperaturen - und das vor allem auf den besonders von Sonnenschein und Wärme verwöhnten Berghöhen.

Nach einem ersten winterlichen Vorgeplänkel in der dritten Novemberdekade warteten die Skifahrer, Snowboarder und Langläufer voller Zuversicht auf den Start in die Wintersportsaison. Doch es sollte ganz anders kommen. Laue Mallorcaluft, hin und wieder mit einer Brise Kanarenluft, ließ den Schnee selbst im höheren Allgäu rasch dahinschmelzen. Die Volksweisheit "Nikolaus im Klee, Weihnachten im Schnee" bewahrheitete sich nicht. Grüne Weihnachten gab es schon immer; in den Niederungen sogar häufiger als weiße. Doch dass auch zwischen den Jahren und zum Jahreswechsel mildes Wetter ohne ein Hauch von Winter herrscht, ist bemerkenswert. Ein Novum, dass um diese Zeit selbst in Höhen um die 1500 Meter kein Wintersport betrieben werden konnte. Viele Skikurse mussten abgesagt werden.

Wie schon 1989, 2002 und 2006 geht dieser Monat damit als ein Dezember vollkommen ohne Schnee in die Jahrbücher der Wetterkundler ein, die den gesamten Monat hindurch keine einzige Schneeflocke sichteten. Stattdessen kletterte das Quecksilber zeitweilig auf vorfrühlingshafte Werte.

Am 20. wurden auf dem 1040 Meter hohen Steinberggipfel in der Adelegg 16,4 Grad gemessen, in Balingen waren es gar 18,2°C. Aber auch sonst wurden ungewöhnlich hohe Werte erreicht. In Waltenhofen 15,3°C, in Tuttlingen 14,6°C, in Amstetten-Reutti 13,8°C und in Erlenmoos 12,7°C. Ähnlich hoch waren die Temperaturen bei strahlendem Sonnenschein an Weihnachten, auch wenn es schon öfters wärmere Festtage gegeben hat, so zuletzt vor zwei Jahren.

Während beinahe überall in Deutschland der mit Abstand wärmste Dezember seit Messbeginn verzeichnet wurde, hielt sich am Bodensee und in Teilen Oberschwabens an manchen Tagen eine feucht-kalte Nebelsuppe mit Nachtfrösten und Reif, sodass hier an einigen Stationen keine Rekordwerte verbucht wurden. Dabei ließ sich die Sonne am westlichen Bodensee bei Temperaturen um den Gefrierpunkt nach dem Weihnachtsfest tagelang nicht mehr blicken. Doch sogar die Nebellöcher im Illertal und an der Donau waren oft frei.

An der Wetterzentrale in Bad Schussenried übertraf die Monatsdurchschnittstemperatur von 3,4°C (30-jähriger Mittelwert der Jahre 1981 bis 2010: + 0,1°C) nur ganz knapp den bisherigen Spitzenwert aus dem Dezember 1979 (3,3°C). Mit 80,2 Stunden schien die Sonne doppelt so lange wie in einem mittelmäßigen Dezember (37,5 Stunden). Damit wurde der bisherige Höchstwert aus dem Jahre 1983 (69,7 Stunden) deutlich überboten. Und mit 24,2 Liter Niederschlag/m² (Mittelwert: 69,4 Liter/m²) war es auch noch der trockenste Dezember (bislang: 2000 mit 25,5 Liter/m²) seit Beginn der Aufzeichnungen. Auch an allen anderen 180 Stationen im Messnetz der Wetterwarte Süd war der Dezember markant zu trocken, besonders ausgeprägt im Federseegebiet, in der Göge um Hohentengen herum und an der Oberen Donau. So wurden in Tuttlingen-Möhringen gerade einmal 9,8 Liter Niederschlag registriert, bei den milden Temperaturen natürlich ausschließlich in Form von Regen.

Info Zusätzliches Zahlenmaterial zur Monatsstatistik und jede Menge Informationen rund ums Wetter unter www.wetterwarte-sued.com

Das Wetter in Zahlen

Dezember 2015: Tiefste Temperatur am 29.: - 5,3°C (- 17,6°C). Höchste Temperatur am 25.: + 12,3°C (+ 11,9°C).Durchschnittliche Monatstemperatur: + 3,4°C (+ 2,8°C). Monatssumme des Niederschlags: 24,2 mm (58,4 mm). Gesamtsonnenscheindauer: 80,2 Stunden (33,7 Stunden). Die Messwerte beziehen sich auf die Wetterzentrale in Bad Schussenried, die Zahlen in Klammern geben die Vorjahreswerte an.

 

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