Weißenhorn will geschichtliches Erbe bewahren

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Soll ein Teil der Die Schluckenauer Heimatstube in Heimatmuseum aufgehen? Ausgeschlossen ist das nicht.  Foto: 

Drei öffentliche Einrichtungen gibt es in Weißenhorn, die Einblicke in die Stadtgeschichte geben: Das Heimatmuseum mit seinem Fundus von rund 20.000 Objekten, die archäologische Sammlung mit Zeugnissen aus der Frühgeschichte bis ins Mittelalter und die Schluckenauer Heimatstube, die sich mit der Herkunft der in Weißenhorn heimisch gewordenen Vertriebenen aus dem Sudetenland beschäftigt. Heimatmuseum und archäologische Sammlung sind in städtischer Hand, die Heimatstube wird von Ehrenamtlichen betreut.

Wenn nun, wie berichtet, in den nächsten Monaten die Planungen für ein größeres und inhaltlich neu konzipiertes Heimatmuseum anlaufen, sollten dabei auch die archäologische Sammlung und die Heimatstube eine Rolle spielen, meinen Bürgermeister  Wolfgang Fendt und Museumsleiter Matthias Kunze. Schließlich, sagen beide, geht es in allen drei Sammlungen um die Geschichte Weißenhorns. „Es würde Sinn machen, da was zusammenzuziehen“, findet der Bürgermeister.

Es gebe einige gute Gründe, über die Zukunft der Schluckenauer Heimatstube und der archäologischen Sammlung nachzudenken, findet Fendt. Er gibt zu bedenken, dass in beiden Sammlungen einige wenige Ehrenamtliche aktiv sind, die alle schon das Seniorenalter erreicht haben. Vor zehn Jahren sei deshalb die Schluckenauer Stube einen Stock tiefer gezogen, um den Helfern den Weg über die Treppe zu verkürzen.

Ein Schattendasein

Und auch Museumsleiter Kunze sagt: „Man muss sich Gedanken machen, was passiert, wenn diese Leute das nicht mehr machen können.“ Verloren gehen, darin sind sich beide einig, dürfe das in den beiden Sammlungen zusammengetragene geschichtliche Erbe auf keinen Fall.

Konkrete Planungen gibt es aber noch nicht, betonen Fendt und Kunze. Doch es müsse etwas geschehen. So denkt Kunze darüber nach, Stücke aus der archäologischen Sammlung in einer „Abteilung Stadtgeschichte und Stadtentwicklung“ im künftigen Heimatmuseum zu präsentieren. Eine „wunderbare Sammlung“ habe das archäologische Museum, aber es friste in seiner jetzigen Aufmachung ein Schattendasein und „müsste dringend aufgewertet werden“.

Ideen dafür gebe es viele, etwa die, das Museum in Kinderführungen einzubinden. Die Frage nach der generellen Zukunft der archäologischen Sammlung lässt Kunze bewusst offen. Material sei auf jeden Fall genug vorhanden, um das Museum auch dann erhalten zu können, wenn ein Teil ins Heimatmuseum integriert werde.

Anders sieht er die Situation bei der Schluckenauer Heimatstube. Auch dieser Aspekt der Stadtgeschichte gehöre eigentlich im Heimatmuseum dargestellt. Schließlich habe die Ankunft der Heimatvertriebenen und damit die Verdoppelung der Einwohnerzahl Weißenhorns die Stadt deutlich geprägt. Ob aber bei einer teilweisen Übernahme der Sammlung ins Heimatmuseum die Schluckenauer Stube dann eigenständig weiter bestehen könne, sei fraglich.

Derweil schlagen zwei Herzen in den Betreuern der Heimatstube. Anton Rudolf, der stellvertretenden Leiter der Heimatstube, sagt, es „wäre ideal, die Stube ins Heimatmuseum zu integrieren“. Darüber werde schon lange immer wieder gesprochen. Und es mache auch Sinn, das Thema anzugehen, solange es noch Zeitzeugen gebe.  Doch so richtig vorstellen, wie alles vonstatten gehen könnte, könne sich noch keiner der Schluckenauer. Es gehe um „eine Herzenangelegenheit“, sagt Anton Rudolf, der in zwei Jahren 80 wird und damit in der Gemeinschaft der Heimatstube zu den Jüngeren gehört. Für ihn stelle sich die Frage, wer eine Integration ins Heimatmuseum überhaupt in die Hand nehmen und leisten könne: „Es ist keine Archivierung da, keine Liste, woher wer was gebracht hat.“ Deshalb hoffe er eigentlich, dass es „nicht so schnell“ gehe: „Ich hab Manschetten davor.“

Viele offene Fragen

„Übers Knie gebrochen“ werde gar nichts, betont der Weißenhorner Bürgermeister Wolfgang Fendt. Noch müssten viele Fragen geklärt und viele Gespräche geführt werden. Fest stehe nur der gemeinsame Willen, „das geschichtliche Erbe Weißenhorns auf die bestmögliche Art zu bewahren und zu präsentieren“.

Jubiläum 50 Jahre ist es her, dass die Stadt Weißenhorn die Patenschaft für die sudentendeutsche Gemeinde Schluckenau übernommen hat. Das soll im Herbst beim traditionellen Heimattreffen gefeiert werden. Schluckenau, tschechisch Sluknov, liegt im böhmischen Niederland, direkt an der Grenze zu Sachsen.

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